Stürmische See und harter Gegenwind: Mit Die Schuld der Erben zeigt das ZDF ein Familiendrama mit Starbesetzung. Im Mittelpunkt steht die Werftendynastie Asmussen, deren Mitglieder ein gefährliches Spiel aus Sabotage, Gier und Macht spielen.
Abendsonnenschein. Gemächlich strömt die Elbe dem Meer entgegen. Der eine und andere dicke Kahn schiebt sich vorbei. Dem Produzenten Michael Lehmann geht beim Bierchen im Elbe-Lokal Strandperle das Herz auf. So schön und romantisch kann immer noch die Seefahrt sein - in solchen Stunden jedenfalls. Sonst geht es im Schifffahrts- und Reedereigeschäft härter zu. Da wird intrigiert und ausgetrickst. Und wenn dann noch die familiären Spannungen einer Reederdynastie dazukommen, läuft es vollends rund. Denn die eigene Familie, sagt ZDF-Redakteur Axel Laustroer, ist «die einzige Bürde, die zu übernehmen man sich nicht aussuchen kann».
Aufwendige Familiengeschichten mit Thriller-Einschlag sind zu Jahresbeginn beim ZDF fast schon Tradition. Iris Berben war Die Patriarchin, es folgte Die Rebellin, und zuletzt wurden Familiengeheimnisse gelüftet. Um ein Familiengeheimnis geht es auch im zwei Stunden langen Epos Die Schuld der Erben am heutigen Donnerstag: Was war mit der Frau des Reeder-Patriarchen? Woran ist sie vor Jahren gestorben?
Und während man sich nach außen hin im allmählich vergilbenden Glanz der Firma sonnt, knistert und zischelt es nur so im Hintergrund. Dazu die Frage: Kann die Reederei in dieser schwierigen Zeit bestehen? Die Heuschrecken schwirren schon heran.
Gaby Dohm, Otto Sander und Katharina Wackernagel
Eine Ironie für sich: Unter Uwe Jansons Regie entstand in diesem Herbst der Film zu beträchtlichen Teilen auf dem Gelände der Hamburger Traditionswerft Blohm & Voss, deren möglicher Verkauf parallel dazu heftigst diskutiert wurde. Und einige originale Blohm & Voss-Leute wirkten auch mit. Ansonsten stand hier die Schauspielerelite bereit, darunter Gaby Dohm, Katharina Wackernagel und Matthias Koeberlin.
Otto Sander trat erstmals nach mehrjähriger Filmpause wieder vor die Kamera - als Firmenpatriarch. Sein Kollege aus Das Boot-Tagen, Jürgen Prochnow, ist auch dabei als einer, der am Ende nicht ganz so warmherzig-hilfsbereit sein könnte, wie es zunächst den Anschein hat. Dennoch fliegt Lisa Martinek als Firmenmiterbin auf ihn, da er ihr jene Wärme zu geben scheint, die ihr der eigene Vater immer vorenthalten hat. Und auch zwischen ihr und ihrem Bruder Henning geht es nicht übermäßig warmherzig zu. Zumal dieser Bruder nach der Herrschaft über die Firma strebt.
Johann von Bülow spielt ihn und beschreibt den Charakter so: «Das ist so einer dieser ungeliebten, verlorenen Söhne, wie sie oft in der Literatur vorkommen.» Er beneidet solche Erben um ihren von Anfang an festgelegten Lebensweg nicht. «Ich glaube nicht, dass solche Menschen sehr glücklich sind. Ein Luxus-Problem, sicher. Aber ein Problem», so der Schauspieler.
Martinek will nichts geschenkt
Lisa Martinek stimmt zu: «Mein Vater war Architekt mit eigenem Büro. Er hat zu meinem Bruder und mir gesagt: Wenn einer von euch Architekt werden will, bekommt er mein Büro schon mal nicht. Das war sehr klug von ihm.»
Da wurde sie denn, obgleich Architektur sie reizte, lieber Schauspielerin. Und genießt solch schillernde, nuancenreiche Rollen wie hier die der Clara, die zunächst verschreckt und neurotisch wirkt, um dann zunehmend an Sicherheit und Selbstbewusstsein zu gewinnen. Da können sich auch am Ende Bruder und Schwester in die Arme schließen: «Die Sehnsucht nach Nähe zum anderen ist eigentlich immer da.»
Die Schuld der Erben, Donnerstag, 5. Januar 2012, 20.15 Uhr, ZDF
boi/zij/news.de/dpa
ich freue mich schon auf den film und seine bestzung. gaby dohm und otto sander sind hervorragende schauspieler, die viel zu selten im tv zu sehen sind. das deutsche fernsehen braucht wieder mehr gute filme um die ganzen unsäglichen talkshows und realityformate loszuwerden. die will doch kein mensch sehen, oder???
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