Angehörige, Freunde und Fans haben sich heute in München von Johannes Heesters verabschiedet. Der Grandseigneur der Operette war an Heiligabend im Alter von 108 Jahren verstorben. «Eine Legende kehrt heim», heißt es in einem der Kondolenzbücher.
Dicht gedrängt standen zahllose Fans und Schaulustige von der Aussegnungshalle bis zur letzten Ruhestätte Spalier, als der Sarg unter wolkenverhangenem Himmel auf dem Münchner Nordfriedhof zu Grabe getragen wurde. Zahlreiche Angehörige und Freunde bekundeten der Familie ihr Beileid.
Zuvor hatten rund 200 geladene Gäste während der nicht öffentlichen Trauerfeier Abschied von Johannes Heesters genommen. Der Schauspieler war Heiligabend im Alter von 108 Jahren in einer Klinik am Starnberger See gestorben. Hunderte Fans erwiesen dem Unterhaltungsstar bei der anschließenden, öffentlichen Beisetzung die letzte Ehre. Viele hinterließen einen Abschiedsgruß in den Kondolenzbüchern.
Der Starnberger Pfarrer Konrad Schreiegg sagte am Grab, Gott habe «unseren Bruder Jopie» zu sich gerufen. Es handle sich jedoch nur um ein «Hinübergehen» in eine andere Daseinsweise. Die Toten seien weiter «unter uns». Witwe Simone Rethel-Heesters bedeckte den weißen Sarg als Erste mit Erde. An ihrer Seite waren auch die beiden Töchter des Verstorbenen aus erster Ehe, Wiesje Herold-Heesters und Nicole Heesters.
Am Grab, das von einer runden Mauer umgeben ist, brannten zwölf weiße Kerzen. Johannes Heesters' Sarg war mit einem weißen Blumengebinde und einer Trauerschleife seiner Frau Simone geschmückt. Auf einem hellgrünen Band verabschiedete sie sich mit einem niederländischen Gruß unter ihrem Kosenamen: «Daaag Jopie, Dein Poppie». Auch die anderen Trauernden versprachen mit Blumengrüßen und Kränzen: «In unsern Herzen bleibst Du bei uns» und wünschten «Jopie toi, toi, toi» für dessen Reise. Mit dem Beginn der Trauerfeier begann es zu schneien. Es wurde ein Abschied in Weiß für den Charmeur mit dem Frack, Zylinder und weißen Schal.
Minister verteidigt Heesters gegen Nazi-Vorwürfe
Bayerns ehemaliger Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) verteidigte Heesters in einer Trauerrede gegen den Vorwurf, er habe sich während des Dritten Reichs mit den Nationalsozialisten gut gestellt. Die Menschen seien «nicht immer gerecht» mit dem Schauspieler umgegangen, sagte Goppel. Die Vorwürfe seien falsch gewesen. Er habe mit seiner Rede Kritiker fragen wollen: «Wart ihr so mutig, wie ihr von anderen verlangt?», so Goppel.
Schreiegg, der Heesters seit den 1970er Jahren kannte, leitete die Trauerfeier. Neben Goppel waren als Redner der langjährige Leiter des Theaters und der Komödie am Kurfürstendamm, Jürgen Wölffer, sowie der Düsseldorfer Theaterdirektor René Heinersdorff, eingeladen. Die Pianisten Florian Fries und Uli Kofler, die über viele Jahre mit Heesters aufgetreten waren, begleiteten die Feier musikalisch. Sie spielten Lieder, die dem Entertainer «am Herzen lagen», sagte Kofler. Darunter Ich liebe die Sonne, den Mond und die Sterne, Lippen schweigen und der Walzer Illusion aus Heesters' gleichnamigem Film.
Auch viele Weggefährten und Schauspieler kamen nach München, um von Heesters Abschied zu nehmen, unter ihnen der Schauspieler Thomas Fritsch und die Regisseurin Cordula Trantow. Schlagersänger Heino sandte mit seiner Frau Hannelore einen Kranz als letzten Gruß. Sänger Andreas Hauff, der auch für «Jopie» komponiert hatte, hob besonders dessen «Aura» und «Präsenz» hervor. Moderatorin und Schauspielerin Caroline Beil betonte: «Wir haben ihn alle bewundert» für seine Energie. «Die Stimme ist immer besser geworden», sagte Pianist Kofler.
«Eine Legende kehrt heim»
Und in den Kondolenzbüchern, die seit dem gestrigen Donnerstag neben einem Foto von Heesters am Friedhof ausliegen, heißt es: «Danke Dir, Jopie, für Deine Filme, Deinen Charme. Jetzt darfst Du dort oben spielen.» sowie «Sie werden immer in unseren Herzen bleiben» und «Vielen Dank, dass Sie uns so gut unterhalten haben». Der Entertainer habe «Charme, Lebensfreude und Optimismus» versprüht, schwärmte eine Frau in der Schlange vor den Büchern. «Eine Legende kehrt heim», so steht es in einem der Bücher.
Heesters stand fast bis zuletzt auf der Bühne und vor der Kamera und galt damit als ältester aktiver Schauspieler, Sänger und Entertainer der Welt. Selbst als er schon erblindet und schwerhörig war, spielte und sang er noch mit voller Stimme die «Liedchen», wie er sie manchmal nannte. Noch in diesem Jahr stand Heesters als Petrus in einem Kurzfilm vor der Kamera, der Ende November Premiere hatte.
wie/rzf/news.de/dapd/dpa