Von news.de-Redakteur Tobias Rüster
Alles hat ein Ende, nur der Castingrummel nicht. Doch was bleibt vom ewigen Talentesuchwahn übrig? Ein Topmodel, das den Dienst verweigert, ein Panflötist, auf den man pfeifen kann, ein Schmusesänger mit Dackelblick und ein Mädchenschwarm mit Anhang.
Die gute Nachricht zuerst: Auch in diesem Jahr konnte Amnesty International nicht verhindern, dass im deutschen Fernsehen unfreie Kandidaten gegen eine vermutliche Abtretung ihrer Menschenrechte ihr (Nicht-)Können vor einer Jury unter Beweis stellten. Und was war das für ein grandioses Castingjahr 2011? Deutschland hat im zurückliegenden Jahr, trotz fieser Wirtschafts-, Finanz-, Kompetenz- und Sinnkrise, einen neuen Superstar, ein neues Supertalent, einen Sänger mit X Factor, zwei neue Topmodels und einen klügsten Deutschen hervorgebracht. Nicht zu vergessen, dass die Stimme der Nation gerade noch gesucht wird.
Wer vor ein paar Jahren geglaubt hatte, dass der Rummel um die Castingshows fast überstanden sei und danach ein goldenes TV-Zeitalter anbreche, muss ob des Suchwahns der TV-Sender geradezu depressiv werden. Immerhin: kein Star Search bei Sat.1 mehr, keine Popstars-Suche bei ProSieben. Doch der TV-Casting-Boomerang fliegt in hohem Bogen auf uns Zuschauer zurück.
Heidi Klum darf noch immer Möchtegern-Models um die Welt jetten lassen, ohne Dieter Bohlen in einer Jury bricht bei den RTL-Verantwortlichen Schnappatmung aus, Sarah Connor und Co. suchen zwar eine Person mit dem «Faktor X», haben ihn aber selbst nicht, und Kai Pflaume ist im biederen ARD-Wissenscasting Der klügste Deutsche genauso überflüssig, wie die Show selbst.
Sieger für die Ewigkeit?
Doch wer hat es gleich noch auf den jeweiligen Castingthron geschafft. Da kuschelte sich Pietro Lombardi an der Seite von Sarah Engels vor den Augen von Dieter Bohlen bei DSDS zum Sieg. Nur um dann doch gemeinsam mit seiner Herzallerliebsten eine Platte aufzunehmen und sogar auf Tour zu gehen. So hatten sich das seine weiblichen Anhängerinnen wohl nicht vorgestellt. Böse getäuscht wurde auch Modelmama Heidi Klum samt väterlichem Managment.
Da erhebt Frau Klum die blonde Jana Beller in ihrer Sendung Germany's Next Topmodel zur Schönheit der Nation und was macht die? Sie bricht mit dem Management und lässt die ganze Klum-Schar im Stich. Dafür wurde der Titel an die Zweitplatzierte Rebecca Mir weitergegeben. Die darf seitdem ab und an für diverse Pro7-Events an den Start und auch auf dem einen oder anderen Laufsteg ist sie schon hin- und herstolziert.
Einfach auf die Siegesprämie pfeifen? Das würde Supertalent-Gewinner Leo Rojas nicht im Traum einfallen. Der Straßenmusiker konnte mit seiner Panflötendarbietung die Herzen der RTL-Zuschauer erweichen und will von der Siegesprämie, immerhin 100.000 Euro, seiner Familie in Ecuador ein Haus bauen. Vielleicht geht er ja auch mit dem ehemaligen Supertalent-Gewinner Michael Hirte auf Tournee. Panflöte trifft Mundharmonika - da fehlt nur noch ein echter Schmusesänger.
Den hat, wie es der Zufall so will, die Vox-Castingshow X Factor hervorgebracht. Dort siegte der nette, freundliche, zuckersüße und wunderbar austauschbare Mädchenschwarm David Pfeffer. Mit Balladen, Herzschmerz und treuem Dackelblick setzte er sich in einem der langweiligsten (und quotenschwächsten) Castingfinales seit Menschengedenken gegen die weibliche Konkurrenz in Form von Raffaela Wais und das trällernde Klassik-Pop-Duo Nica & Jo durch.
Noch einfacher wurde der Sieg nur noch Sebastian Runde gemacht. Der räumte bei Kai Pflaume den Titel Der klügste Deutsche ab, auch er bekam dafür 100.000 Euro zugesprochen. Nur wirklich seriös war sein Gewinn nicht. Da durfte um kurz vor Mitternacht das Publikum darüber abstimmen, ob er oder der nicht ganz so adrette und wesentlich ältere Michael das Geld zugesprochen bekommt. Ein kleiner Hinweis von Jurymitglied Eckart von Hirschhausen (der gab zu Bedenken , dass Sebastian nur ein Drittel der Lebenszeit von Michael für seinen Wissensstand gebraucht hätte) und schon war der Sunnyboy um 100.000 Euro reicher.
Was droht im nächsten Jahr?
Nur die einzige Frage, die die TV-Nation seit Monaten in ihren Bann zieht, scheint nicht per Zuschauerentscheid im Endloscasting entschieden zu werden: Die Wetten, dass..?-Nachfolge von Dino, Urgestein und Übermoderator Thomas Gottschalk. Dabei wäre es doch so einfach: Man nehme Johannes B. Kerner, Jörg Pilawa, Anke Engelke, Frank Elstner oder wer auch sonst nicht will, stelle sie auf eine Bühne und lasse sie tanzen, singen, Feuer spucken, posieren und ein paar Fragen beantworten. Wer mag, darf sich danach Dieter Bohlens Kommentar anhören und der Sieger wird per Knebelvertrag ans ZDF gebunden.
Doch da es soweit nicht kommen wird, müssen es wohl wieder die herkömmlichen Auswahlrunden richten. Doch auf was dürfen wir uns im kommenden Jahr freuen? Bereits im Januar starten die Castings zu einer neuen Ausgabe von DSDS, auch die Klumschen Topmodels müssen wieder ran, ein neues Supertalent wird ebenfalls gebraucht. Auch Vox hat bereits angedroht, dass X Factor in eine dritte Runde startet und bei der ARD ist immer noch soviel Geld im Topf, dass sie sich locker einen neuen klügsten Deutschen leisten können.
Doch damit nicht genug: Sat.1 sucht weiterhin The Voice of Germany und schickt danach Ex-Traumhochzeit-Gastgeberin Linda de Mol mit dem neuen Format The Winner is ... auf Sendung. Dort trällern 64 Kandidaten um die Siegprämie von einer Million Euro. Und auch Vox wagt sich auf Neuland. Bereits am 31. Januar startet dort Das perfekte Model. Präsentiert wird der Germany's-Next-Topmodel-Konkurrent von den Laufstegschönheiten Eva Padberg und Karolína Kurková.
Wem das alles zu viel Rumgecaste ist, der hat eigentlich nur eine Chance: Selber an einer Show teilnehmen, im besten Fall gewinnen, Preisgeld einstreichen und dann auf eine einsame Insel absetzen. Weit weg von Talenten, Superstars, Models, Stimmen der Nation und Menschen mit X-Y-Z-Faktor.
ruk/news.de
Dem Leo Rojas gönne ich den Erfolg,hoffendlich klappt das auch mit dem Haus in Peru! Wir in Deutschland sollten uns jedoch über ein "Soziales Jahr" für Weibchen und Männchen gedanken machen und nicht über eine Frauenquote für vielleicht 1% der D-Bevölkerung, um somit den Versuch zu starten von der sozialpolitischen Zeitbombe,den 1,6 millionen Alleinerziehenden Mütter weg- zukommen!Hier helfen keine Castings,sonder Ausbildung und Aufklärung! Das ist eine Vollzeitaufgabe für die Familien- Ministerin Schröder! Packen Sie es endlich an,auch wenn es Wählerstimmen kostet!!
jetzt antwortenKommentar meldenMan stelle sich vor, einer, der Fußball nicht ausstehen kann, kommentiere die Fußball-Weltmeisterschaft. Mehr als ein unfreiwillig komischer Verriss würde dabei nicht herauskommen. Mit der Wirklichkeit hat so eine Schelte nichts zu tun. Eben weil sie aus der falschen Ecke kommt. Von jemandem, der in jeder Zeile seine Verachtung gegen alles, was nicht seinem persönlichen Gusto entspricht, durchblicken lässt.
jetzt antwortenKommentar meldenMein TV-Gerät hat eine Schalter, damit kann ich das Gerät EIN- bzw. AUS-schalten und mittels Fernbedienung kann ich sogar auf andere Kanäle schalten.
jetzt antwortenKommentar meldenWie schön das es SKY gibt.
jetzt antwortenKommentar meldenDie letzten Castinggrößen waren einfach nur noch kotzübel. Nachdem sie aber offensichtlich von einer Mehrheit der Zuschauer gewählt wurden, haben die es auch nicht anders verdient!
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