So., 27.05.12

Charlotte Roche 28.12.2011 Erfolgreich mit Sex- und Ekelgeschichten

Charlotte Roches «Schoßgebete» werden verfilmt (Foto)
Charlotte Roche bei der Buchvorstellung im Kulturzentrum Schlachthof in Bremen. Bild: dpa

Von Christoph Driessen

Das Erstaunen über den Erfolg von Charlotte Roches Buch Schoßgebete hält an. Wie kann man mit Sex- und Ekelgeschichten Millionenauflagen erzielen und gleichzeitig auch noch von den Feuilletons zunehmend ernst genommen werden?

Sieben Wochen stand Charlotte Roche dieses Jahr auf Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste - mit ihrem zweiten Roman Schoßgebete. Ein Erfolg, der vielen Rätsel aufgibt. Wobei die Experten in diesem Fall auch nicht wesentlich zur Aufklärung beitragen können. «Warum soll man sich mit etwas beschäftigen, was zum Vergessen vorbestimmt ist?», fragt ein namhafter Germanistikprofessor, der ungenannt bleiben will. Das alles gehe einzig und allein auf die «Inszenierungskünste der Medien» zurück.

Ohne Zweifel versteht Roche es meisterhaft, die Medien für ihre Zwecke zu nutzen. Die ehemalige Viva-Moderatorin weiß genau, dass man mit Tabubrüchen die größtmögliche Aufmerksamkeit kreieren kann. Gleichzeitig beherrscht sie die gesamte Klaviatur: Wenn sie mit Harald Schmidt im Fernsehen plaudert, ist sie witzig, im Gespräch mit FAZ oder Zeit-Magazin gibt sie sich tiefgründig. Ihre Auftritte sind perfekt auf die jeweilige Zielgruppe abgestimmt.

Lesen und rätseln

Dazu kommt, dass Roche schon vor Erscheinen ihres Erstlingswerks Feuchtgebiete (2008) prominent war. In ihren Büchern und bei ihren öffentlichen Auftritten entwirft sie eine Art literarisches oder mediales Ich, das zwar unverkennbar autobiografische Züge trägt, aber nicht deckungsgleich mit ihr ist. Dadurch fragt man sich ständig: Ist sie das selbst, die all diese perversen Sachen macht?

Der Nachrichtenagentur dpa sagte Roche, es seien etwa 70 Prozent ihrer Romane selbst erlebt und 30 Prozent erfunden. Nun kann man also rätseln. Dieses Spiel mit der eigenen Rolle verbindet Roche mit anderen jungen Schriftstellern der sogenannten Popliteratur: Christian Kracht, Benjamin von Stuckrad-Barre oder Helene Hegemann zum Beispiel.

Mehrere Dinge hat Charlotte Roche nachweislich mit den Ich-Erzählerinnen ihrer Romane gemein: «Da gibt's diesen Unfall, wo die Brüder umgekommen sind», erläutert der Literaturwissenschaftler Moritz Baßler. «Dann ist sie Scheidungskind, aber gut, Scheidungskind sind ja mittlerweile fast 50 Prozent der Kinder. Wenn ihr Stiefvater ihr jetzt Vorwürfe macht, sie würde das ausnutzen, ist das einfach Unsinn. Solche Elemente gehören zur Konstruktion einer öffentlichen Persona, genau wie die Herkunft von irgendwelchen Rockmusikern.»

Sie schreibt, wie sie spricht

Und doch: Ist es wirklich denkbar, dass eine junge Frau ihr Erstlingswerk zwei Millionen mal verkauft und den zweiten Roman immerhin noch 600.000 mal, nur weil die Medien sie hochschreiben? Dagegen spricht eine Verlegerweisheit, welche besagt: Man kann ein Buch zwar hypen - aber nur bis zu einer Grenze von ein paar 10.000 Exemplaren. Alles was darüber hinausgeht, muss die Leser auf einer bestimmten Ebene ungewöhnlich stark ansprechen. Sonst klappt's einfach nicht. In diesem Fall wird die Art, in der Roche über weibliche Sexualität und Körperlichkeit schreibt, von vielen Leserinnen offenbar als befreiend empfunden.

Und die literarische Bedeutung? Gewiss ist Roche keine große Stilistin - sie schreibt wie sie spricht, was wiederum eine Voraussetzung dafür ist, ein so großes Publikum zu erreichen. Für einen gewissen schriftstellerischen Rang spricht aber, dass sich andere Autoren bereits auf sie beziehen, so Ingo Niermann und Alexander Wallasch in dem viel beachteten Roman Deutscher Sohn. «Wenn man Gegenwartsliteratur verstehen will, muss man Feuchtgebiete kennen», meint Baßler. «Der Text hat inzwischen schon einen leichten Klassiker-Status.»

Eine andere Frage ist, ob Roche eine literarische Zukunft hat. Der Tabubruch lässt sich nicht beliebig oft wiederholen. Mit ihrem dritten Buch - das sie bereits angekündigt hat - müsste sie wohl eine andere Richtung einschlagen.

Lesen Sie hier die news.de-Rezension zu Charlotte Roches Schoßgebete.

car/news.de/dpa
Leserkommentare (6) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Ellipirelli
  • Kommentar 6
  • 31.12.2011 21:30
 Antwort auf Kommentar 3

Wieso setzen Sie das Wort "anständig" in Klammern.Werfen Sie Leuten etwas vor,die sich über den Dr**k dieser komischen Dame ärgern? Die verkommene Gesellschaft konsumiert nun mal lieber solche kranken Geschichten und Ergüsse,aber nicht jedermann ist dafür zu haben,das sollten Sie akzeptieren!

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  • loddel
  • Kommentar 5
  • 30.12.2011 14:38
 Antwort auf Kommentar 4

Sorry ein a zuviel bei Pawlow. Babsi du bist nicht zufällig blond?

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  • loddel
  • Kommentar 4
  • 30.12.2011 14:34
 

Die Verkaufszahlen sind lediglich Beleg dafür, dass es eine bestimmte Anzahl Deppen gibt, deren Spatzenhirne auf gewisse Schlüsselreize reagieren und dann einfach zugreifen, vergleichbar mit Pawalowschen Hunden. So auch bei den Werken von Sarazin und Bohlen.

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  • Babsi
  • Kommentar 3
  • 28.12.2011 16:27
 

ach Rene, ihr Geplapper ist einfach nur dummdidumm, denn der Erfolg gibt der Schreiberin Roche einfach Recht , das sollte man einfach mal akzeptieren. Ich habe beide Bücher mit einigem Vergnügen gelesen und viele Frauen hätten doch so manches Ding aus den Büchern einfach mal mit ihrem Mann oder Freund durchgezogen. Gerade deshalb, weil so viele angeblich "anständige" Menschen darüber die Nase rümpfen...selber schuld !

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  • Nichtwähler
  • Kommentar 2
  • 28.12.2011 16:18
 

Wenn man keine Themen hat, dann muß man sich welche zum füllen von zeit und Papier machen. Hauptsache man erreicht, dass alle Leser verblöden!

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  • rene
  • Kommentar 1
  • 28.12.2011 13:43
 

ja nee gottseidank ist sie von viva weg denn als moderatorin die keine ahnung von musik hat was sie all zu oft gezeigt hat einfach untragbar !! und hmmm ja ich kenne einige frauen die mir alle samt vom lesen des buches abgeraten haben :-) was wohl auch den schwund von 1,4 millionen lesern erklären würde ;-) !!! und die sogenannte verlegerweisheit mit dem 10000 büchern is doch glatt fürn arsch ! so oft wie die alte im TV rumgerannt ist zb. bei RAAB und noch anderen TV größen und ihren scheiß der öffentlichkeit unter die nase gerieben hat ist ein hype den die welt noch net gesehen hatt !!

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Charlotte Roche: Der Medien-Hype um die «Schoßgebete»-Autorin » Medien » Nachrichten

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