Theater Katja Riemann als Furie in «Virginia Woolf»

Die Uraufführung löste einen Skandal aus, heute stößt «Wer hat Angst vor Virginia Woolf?» im Boulevard-Theater eher auf Wohlwollen. Eine Berliner Interpretation des Beziehungsdramas mit Katja Riemann (48) in der Hauptrolle schöpft allerdings nicht das ganze psychologische Potenzial dieses Klassikers von Edward Albee aus.

Katja Riemann als Furie in «Virginia Woolf» (Foto)
Katja Riemann als Furie in «Virginia Woolf» Bild: dpa

Berlin (dpa) - Die Uraufführung löste einen Skandal aus, heute stößt «Wer hat Angst vor Virginia Woolf?» im Boulevard-Theater eher auf Wohlwollen. Eine Berliner Interpretation des Beziehungsdramas mit Katja Riemann (48) in der Hauptrolle schöpft allerdings nicht das ganze psychologische Potenzial dieses Klassikers von Edward Albee aus.

Doch der wüste Ehekrieg erntete bei der Premiere im Theater am Kurfürstendamm viel Applaus. Skandalträchtig wie bei der Uraufführung 1962 ist der Stoff längst nicht mehr - damals schockten der übermäßige Alkoholkonsum und die Demontage des Ehe-Ideals das Publikum. Die Inszenierung von Amina Gusner am Kurfürstendamm setzt aber mehr auf den leichten Witz und vernachlässigt darüber die Tiefe.

An Riemanns Seite steht Peter René Lüdicke als College-Professor George. Nach einer Party gerät er mit seiner Frau Martha aneinander. Bei Bourbon und Brandy brechen Konflikte auf: Georges berufliche Sackgasse, Marthas Kinderlosigkeit. Der junge Dozent Nick und seine Frau beobachten diese brutale Hassliebe zunächst fassungslos und werden dann selbst in den Psychokrieg hineingezogen. Am Ende stehen beide Paare vor den Trümmern ihrer Illusionen und Träume.

Bereits 2007 stritten die Hauptdarsteller in «Szenen einer Ehe» auf der Bühne am Kurfürstendamm. Nun wechselt Riemann eindringlich zwischen kalter, distanzierter Ironie und bösartiger Furie; Lüdicke meistert eine Mischung aus Verzweiflung, Rebellion und Ergebenheit in sein Schicksal. Die Schauspieler bringen die Ambivalenz dieser Paar-Beziehung auf den Punkt.

Eher wenig subtil ist das Bühnenbild von Johannes Zacher. Der Strudel, der die Paare erfasst, wird in einer Drehscheibe im Boden dargestellt. Als eine Großleinwand im Rauch auf die Bühne stürzt, ist auch dem letzten Zuschauer klar: Die Fassade dieser Ehe liegt längst in Bruchstücken am Boden.

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Pressemitteilung

news.de/dpa

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