Legende oder Wahrheit? Johanna Wokalek spielt in Sönke Wortmanns Bestsellerverfilmung die Päpstin. Das Erste zeigt den Kinofilm heute erstmals im Fernsehen - in einer längeren TV-Version.
Der Roman Die Päpstin von US-Autorin Donna W. Cross ist ein Bestseller, der Millionen von Lesern gefesselt hat. Das gleichnamige Musical war in diesem Sommer ebenfalls ein großer Erfolg. Und der Film von Regisseur Sönke Wortmann steht dem in Nichts nach: Über eine Million Zuschauer schauten sich das Historiendrama Die Päpstin im Herbst 2009 auf der Leinwand an; gleich zum Start schoss der Film an die Spitze der Kino-Charts. Die ARD zeigt das 160 Minuten lange Epos als Erstausstrahlung im frei empfangbaren Fernsehen.
Wortmann (Das Wunder von Bern) hat für den Film nicht an Ausstattung gespart: Hunderte handgenähte Kostüme wurden extra verschmutzt, um die Zeit des dunklen Mittelalters möglichst naturgetreu wiederzugeben. Er präsentiert Schlachtszenen mit rasselnden Schwertern und wiehernden Pferden, mittelalterliches Markttreiben und ärmliche Dorfhütten, die Kulissen von Rom - in Marokko nachgebaut. Daneben wurde in der Eifel und auf Burg Querfurt in Sachsen-Anhalt gedreht - alles wirkt opulent.
Doch am überzeugendsten ist Die Päpstin selbst. Johanna Wokalek (36), die schon überzeugend die Gudrun Ensslin im RAF-Film Der Baader Meinhof Komplex mimte, schlüpft hier wieder glaubhaft in eine historische Rolle, auch wenn diese kaum belegt ist. Denn die sagenhafte Johanna von Ingelheim, die im 9. Jahrhundert als Mann verkleidet den Heiligen Stuhl bestieg, ist vor allem eines: eine Legende.
Wokalek trägt den Film, ist androgyn genug für die Männerrolle und kann sich so glaubhaft von der Priestertochter zum Mönch mit Tonsur wandeln. Auch Hollywoodschwergewicht John Goodman als gemütlicher Papst Sergius ist sehenswert in der historischen Emanzipationsgeschichte: Die kleine Johanna (Tigerlily Hutchinson und Lotte Flack) lernt gegen den Willen ihres Vaters lesen und schreiben. Im Kloster Fulda heilt sie als «Johannes» mit Kräutern Kranke und verzückt später mit ihren Künsten in Rom den dicken, an Gicht leidenden Papst Sergius. Die junge Frau steigt in der Hierarchie immer höher, bis sie unfreiwillig zum Kirchenoberhaupt wird.
Experimente darf man in diesem Historienfilm nicht erwarten. Wortmann erzählt die Geschichte klassisch, ähnlich wie Tom Tykwer in Das Parfum. Auch kitschige Szenen fehlen nicht, so ist Johannas Liebesszene mit dem Grafen Gerold (David Wenham) am Bach in romantisches Mondlicht getaucht. Dazu gibt es brutal-blutige Szenen, wie man sie beispielsweise von den Borgias gewöhnt ist.
Das Duo Wortmann/Wokalek schafft es aber, den Zuschauer über die mehr als zweieinhalb Stunden bei der Stange zu halten. Dabei waren beide gar nicht unbedingt erste Wahl. Blechtrommel-Regisseur Volker Schlöndorff sollte ursprünglich die Inszenierung übernehmen, Franka Potente war für die Titelrolle im Gespräch. Doch Schlöndorff wurde aussortiert, nachdem er die sogenannten Amphibienfilme kritisiert hatte - also Produktionen, die so gedreht werden, dass sie einerseits im Kino, aber auch als Fernsehmehrteiler funktionieren.
Solch ein Film ist nämlich auch Die Päpstin. Dem Zuschauer, der opulente Geschichtsepen mag, kann das egal sein. Die Ausstattung stimmt und das internationale Ensemble - Jördis Triebel als Johannas Mutter, Claudia Michelsen als eifersüchtige Ehefrau des Grafen und Anatole Taubman als Papst-Widersacher - macht seine Sache gut. So erhielt der Film denn gleich vier Nominierungen für den Deutschen Filmpreis - ein Erfolg, auch wenn er am Ende leer ausging.
Titel: Die Päpstin
Regie: Sönke Wortmann
Darsteller: Johanna Wokalek, David Wenham, John Goodman
Sendetermin: Montag, 19. Dezember 2011, 20.15 Uhr, Das Erste
Ich fand den Film einfach GENIAL und die Hauptdarstellerin Johanna Wokalek hat mich total umgehauen. Ich wollte mir gleich heute die DVD bestellen, habe dann aber gesehen, dass die nur in einer kürzeren Fassung zu bekommen ist. Weiß jemand, wo ich die Langfassung kaufen kann? Auf jeden Fall hat mich die "Legende" der Päpstin interessiert. Ansonsten kann ich mich mit diesen katholischen - wie soll ich es sagen, um niemandem auf den Schlips zu treten - Kuttenträgern nicht anfreunden. Total verstaubte Ansichten, die man mal überdenken sollte. Ich bin zum Glück evangelisch. :-) Merry X-Mas 4 all!
jetzt antwortenKommentar meldenDie Vorgeschichte ist falsch wiedergegeben. Schlöndorf (er hatte das Projekt jahrelang vorangetrieben) und Franka Potente waren engagiert. Die Dreharbeiten waren für Sommer 2007 vorbereitet. Kurz vor Beginn stand aber Goodman nicht mehr zur Verfügung, der behauptete, keinen Vertrag mit der Filmgesellschaft abgeschlossen zu haben. Die Dreharbeiten mussten abgesagt werden. Eine Klage gegen Goodman wurde in den USA eingereicht (Klageschrift war im Netz). Angegebener Schadens: 3 Mill.Dollar. Die Dreh- arbeiten wurden auf 2008 verschoben. Franka Potente stand dafür nicht mehr zur Verfügung.
jetzt antwortenKommentar meldenSo wie ich gelesen hatte,(den Film kann ich leider nicht sehen)musste sich seitdem ein neuer Papst auf einenspeziellen Stuhl setzen,und die Kardinaele feuhlten das Geschlechtsteil ab.Mit dem Ausruf:,,Er hat"wurde die Maenlichkeit bestetigt.Ob es eine Legende ist,wage ich zu bezweifeln.
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