Von news.de-Redakteur Cord Krüger
Erst kamen die Drogen, dann der Knast. Robert Downey Jr. schien geliefert. Ein Vorbestrafter wie er als Held eines Comic-Films? Undenkbar. Doch Regisseur Jon Favreau traute sich. Und Downey Jr. machte Iron Man zum Ereignis. Das ZDF zeigt den Actionknaller heute Abend.
Comic-Helden leben, aller ihrer übermenschlicher Kräfte zum Trotz, von ihren menschlichen Schwächen. Batman leidet unter Kindheitstraumata, der Hulk unter seinem Temperament, Spider-Man unter allen nur vorstellbaren Problemen eines Heranwachsenden. Iron Man jedoch ist anders.
Weder verstrahlt, noch mutiert, noch mit göttlicher Macht gesegnet, unterscheidet sich sein Alter Ego Tony Stark nicht von allen anderen. Er ist lediglich ein umjubelter Lebemann, genialer Erfinder und steinreicher Erbe eines Rüstungskonzerns, der sich einen flugfähigen Roboteranzug bastelt, um darin Schurken zur Strecke zu bringen. Starks einzige Schwächen sind - vom Narzismus einmal abgesehen - eine Verletzung am Herzen und der Alkohol. Das macht ihn zu einer etwas widerspenstigen Identifikationsfigur. Ganz anders als Peter Parker alias Spider-Man.
So überraschte es, als sich Hollywood vor einigen Jahren entschloss, Iron Man auf die Leinwand zu bringen und dann auch noch Robert Downey Jr. für die Hauptrolle zu verpflichten. Das einstige Enfant terrible hat sich mit Drogeneskapaden beinahe die Karriere zerschossen und besaß keinesfalls die Anziehungskraft eines Tobey Maguire oder Christian Bale. Kurzum: Iron Man war ein einziges Wagnis.
Helden werden geboren - oder gebastelt
Und es gelang. Iron Man gehört zu den unterhaltsamsten Comic-Filmen aller Zeiten, ein im besten Sinne harmloser Actionspaß mit famos aufgelegten Schauspielern, der Weihnachtsfilm unter den Superheldenspektakeln.
Er erzählt natürlich die Entstehungsgeschichte des Iron Man. Tony Stark wird nach der Vorführung eines neuen Waffensystems von Terroristen verwundet und gekidnapt. Metallsplitter drohen seine Herzwand zu durchlöchern. In seiner Verzweiflung konstruiert er einen kleinen Reaktor, der die Schrapnelle in seiner Brust in Schach hält - und als netter Nebeneffekt genug Energie für eine Fabrik liefert. Oder einen Roboteranzug. Den bastelt er gleich danach, enkommt darin den Terroristen und kehrt geläutert nach Los Angeles zurück.
Mit seiner Firma will er fortan keine Kriegswaffen mehr herstellen. Seinem Geschäftsführer Obadiah Stane (eine Naturgewalt: Jeff Bridges) gefällt das überhaupt nicht. Er will den Iron-Man-Anzug in Serie produzieren. Zum Glück kann Stark auf seine treue Sekretärin Pepper (Gwyneth Paltrow) und Kumpel Rhodey (Terrence Howard) zählen. Und seinen Erfindergeist. Die Iron-Man-Rüstung der nächsten Generation wird er bald bitter benötigen.
Jungs und ihr Spielzeug
Iron Man badet in der Naivität vergangener Tage: Terroristen verstecken sich in Erdlöchern? Dann fliegen wir eben hin und bomben sie raus. Schurken benutzen unsere Waffen? Nehmen wir sie ihnen eben wieder weg. In der Realität sind diese simplen Lösungen längst als Tinnef entlarvt. Im Comic-Film funktionieren sie noch.
Die Probleme eines Maschinenmenschen, einer konservativen Recht-und-Ordnung-Mentalität oder der Verstrickungen zwischen Politik, Konzernen und Gesellschaft interssieren hier nicht. Iron Man ist nicht Robocop. Jon Favreau ist nicht Paul Verhoeven.
Was bleibt, ist Spektakel, aber eines von der guten Sorte. Die Action rumst gewaltig, bleibt aber stets übersichtlich. Robert Downey Jr. hat erkennbar ein diebisches Vergnügen an der Rolle des exzentrischen Playboy-Ingenieurs. Und die Pointen aus der Kategorie «Jungs und ihr Spielzeug» zünden allesamt. So schob Iron Man nicht nur Downey Jrs. Karriere wieder mächtig an, er brachte auch ein in letzter Zeit immer mehr in den Hintergund getrenes Element des Blockbusterkinos wieder zurück: den Spaß. Gar keine schlechte Leistung für einen Helden ohne Superkräfte in einer Ritterrüstung.
Bestes Zitat: «Tragisch, Tony. Beim Versuch, die Welt von Waffen zu befreien, hast du die beste aller Zeiten gebaut. Und jetzt bringe ich dich mit ihr um.» (Obadiah Stane ist sauer auf Tony Stark)
Titel: Iron Man
Regie: Jon Favreau
Darsteller: Robert Downey Jr., Jeff Bridges, Gwyneth Paltrow, Terrence Howard
Sendetermin: Dienstag, 27. Dezember 2011, 20.15 Uhr im ZDF