Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger
So viel geplappert wie in diesem Jahr wurde wohl noch nie. Doch die Dampfplauderer haben sich selbst keinen Gefallen getan. Statt Kontroversen wurde zu viel vorhersehbares Meinungs-Ping-Pong gespielt. Die Zuschauer flüchten in Scharen.
Das deutsche Talkshowwesen ist alles andere als gesund. Die Runden langweilen viele, wirkliche Glanzlichter sind in der schieren Masse an Gesprächsrunden kaum noch auszumachen. Das häufig enttäuschende Geplauder verkommt mitsamt den sogenannten Talkshowbewohnern zum Überdruss für die Zuschauer, die sich im schlimmsten Fall weder informiert noch unterhalten fühlen.
Mit einer regelrecht bürokratischen Ader laden die Talkshowredaktionen immer wieder zu Themen ein, die meist zu weit gefasst sind. Die Gäste müssen ja auch alle irgendwie dazu passen und fünf sollten es schon sein. Wer da als Dauerzuseher vehementen Widerspruch einlegt, der sei gefragt, wann es das letzte wirklich telegene Streitgespräch zu sehen gab.
Dafür ist es Usus geworden, dass die Kandidaten, Verzeihung, die Talkshowgäste, fast ausschließlich wegen bestimmter Haltungen und Statements überhaupt erst eingeladen werden. Man muss nur einmal die Ankündigung der Gäste auf den Webseiten der Sendungen lesen, drei Viertel des in den Vorgesprächen gesagten, bekommt man so oder eben anders noch einmal serviert. Ritualisiertes Rhetorik-Ping-Pong ersetzt Kontroverse und Tiefe, die man vielleicht nie wirklich hatte, aber sich ja doch als Zuschauer bisweilen wünscht.
Jauch hat eine große Bugwelle ausgelöst
Alles ist vorhersehbar geworden, die Talkrunde dient so nur noch der doppelten Selbstvergewisserung. Einerseits bestätigen die Gäste ihre ohnehin bekannten Meinungen und zum anderen werden die Zuschauer zu banalen und zu breit gefassten Themen in ihrer eigenen Haltung bestätigt. Wirklich überzeugen oder wenigstens zum Nachdenken anregen kann kaum noch einer der zurechttrainierten Darsteller in den Plauderrunden.
Und dann ist da ja noch die interne Konkurrenz, die sich gegenseitig die Zuschauer abluchst. In das ohnehin volle Becken der öffentlich-rechtlichen Talks hat ARD-Mufti Volker Herres im Spätsommer auch noch Günther Jauch gesetzt, der eher als Dickschiff gelten darf und eine entsprechende Verdrängung mit sich bringt. Die Opfer der dadurch ausgelösten gewaltigen Bugwellen sind schnell ausgemacht.
Reinhold Beckmann, der noch im ersten Halbjahr mit einigen journalistischen Ideen zu überzeugen wusste, verliert so stark den Halt, dass zuletzt öffentlich darüber spekuliert wurde, ob er sich nicht doch lieber wieder auf seinen alten Stammplatz am Montagabend zurückziehen sollte. Das wurde verworfen, Frank Plasbergs Hart aber fair und Beckmann hintereinander hielten nicht einmal die ARD-Gremlins im wachen Zustand für durchschaubar.
Der Zuschauer kann vom Einerlei auch profitieren
Auch Anne Will hatte sich sicher deutlich mehr Zuschauer und Quote erwartet, der undankbare Mittwochabend macht ihr allerdings nachhaltig zu schaffen. Zudem muss ihre Redaktion ein wenig den Themen von Jauch und Plasberg ausweichen. Die entscheidenden Einladungen für Wills Runde werden meist am Montag fix gemacht, wenn die beiden ARD-Granden mit ihren Themen durch sind. Entsprechend musste Will einiges ihrer politischen Relevanz abgeben.
Doch egal wie hoch die Einschaltquoten auch sein mögen, die Sendungen haben sich derzeit in ihrer Fülle selbst abgeschafft. Für den Zuschauer muss das ja nicht unbedingt etwas Schlechtes sein, denn er oder sie weiß, dass man nichts versäumt, wenn man nicht hinguckt. Besonders ärgerlich ist die Quotenentwicklung für die Dokumentarfilmer und die Macher der politischen Magazine, die wegen der Dauertalker und der Programmreform erheblich an Sendezeit eingebüßt haben und nun ziemlich laut flüstern: «Siehste!»
rto/news.de
Unglaublich diese Quatschbuden. Immer das gleiche. ABSCHAFFEN, und zwar sofort.
jetzt antwortenKommentar melden... ich schau mir den Mist garnicht erst an, und das schlimmste ist: ich werde gezwungen dafür auch noch bezahlen!
jetzt antwortenKommentar meldenDie Moderatoren gehen ja noch, aber manche Gäste.Triitin, Roth,Künast etc. Einfach eine Zumutung für öffentlich rechtliches Fernsehen.
jetzt antwortenKommentar meldenAm schlimmsten ist es bei den sogenannten Prominenten-Qui`s.Da stellen Sie Ihre eigene DUMMHEIT auch noch zur Schau !!
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