Was haben Karl Valentin und Helge Schneider gemeinsam? «Helge Schneider wurde in Mülheim an der Ruhr geboren, Karl Valentin nicht», sagt der Münchner Schriftsteller und Valentin-Biograf Alfons Schweiggert. Will heißen: Viel verbindet die Komiker auf den ersten Blick nicht.
München (dpa) - Was haben Karl Valentin und Helge Schneider gemeinsam? «Helge Schneider wurde in Mülheim an der Ruhr geboren, Karl Valentin nicht», sagt der Münchner Schriftsteller und Valentin-Biograf Alfons Schweiggert. Will heißen: Viel verbindet die Komiker auf den ersten Blick nicht.
Auf den zweiten aber tun sich bei der Verleihung des Großen Karl-Valentin-Preises am Sonntag im Münchner Volkstheater deutliche Parallelen auf. Sie beide seien keine Witzereißer, sagt Schneiders Laudator, der Filmregisseur und Schriftsteller Alexander Kluge. Und entgegen weit verbreiteter Meinung seien beide auch keine «Anarchisten der Sprache», sondern im Gegenteil strenge, sprachliche Dogmatiker. Beide seien Multitalente.
«Er braucht nur Doppelpunkt zu sagen oder zu schweigen und das Publikum tobt», sagt Kluge weiter. «Er schrammt haarscharf am Wesentlichen vorbei», sagt Schweiggert über Schneiders Komik. «Wer den Karl-Valentin-Preis bekommt, der trägt den göttlichen Funken in sich.» Der Geehrte selbst, der all den humorigen und netten Worten aus einer dunklen Ecke der Bühne heraus lauscht, macht nicht viele Worte: «Ein Preis ist immer eine Auszeichnung. In diesem Sinne: danke.»
Kabarettist Gerhard Polt gratuliert ihm zu dem Preis, der aus nichts besteht - keine Skulptur, keine Dotierung. «Der Karl-Valentin-Preis zerstört alle materialistischen Erwartungen und damit den Materialismus selbst», erläutert Schweiggert vollmundig das Konzept. Im Jahr 2007 wurde der Große Karl-Valentin-Preis als Gegenveranstaltung zu dem von der Münchner Faschingsgesellschaft Narrhalla verliehenen Karl-Valentin-Orden ins Leben gerufen. In der ersten Jury saßen neben Schweiggert auch die Valentin-Enkelin Anneliese Kühn und die Urenkelin Rosemarie Scheitler.
Die ersten Preisträger von damals, die gerade aufgelösten Biermösl Blosn und Gerhard Polt, gaben ihn an den Komiker und Liedermacher Fredl Fesl weiter. Schneider ist der erste Preisträger, der der bayerischen Mundart nicht mächtig ist. Am Sonntag gibt es dennoch viel Applaus für den Komiker aus dem Ruhrpott - und als persönliches Geschenk von Gerhard Polt und der Biermösl Blosn noch zwei Dosen Farbe und hochgiftige Imprägniermasse in der Dose. «Das kann ich in der Tat gut gebrauchen - für den Keller.» Schneider kann nun entscheiden, wer den Preis nach ihm bekommt. Auch den Zeitpunkt der Übergabe darf er selbst festlegen.
Zur Feier des Tages treten am Sonntag sogar die drei Well-Brüder der Biermösl Blosn noch einmal gemeinsam auf; eigentlich hatten die Musiker vor wenigen Tagen das Blosn-Abschiedskonzert gegeben. «Das ist jetzt keine Reunion oder so», betont der ehemalige Frontmann Hans Well sofort. «Der zukünftige Bandname ist nicht Ex-Biermösl-Blosn.» Wie die Zukunft stattdessen aussehen kann, zeigt Well mit jungen Familienmitgliedern - den «Wellsittichen», die an den Stil der Biermösl Blosn anknüpfen, aber mit einem deutlich jüngeren Durchschnittsalter aufwarten können.
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