Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Fast 15 Millionen Menschen sahen die letzten Wetten, dass..?-Show von Thomas Gottschalk. Schon werden Stimmen laut, die sein Bleiben fordern. Andere wollen die Sendung am liebsten beerdigen. News.de hat sich in der Medienlandschaft umgeschaut.
Was für eine Genugtuung für Thomas Gotttschalk: Seine letzte Wetten, dass..?-Show sahen am Samstagabend 14,73 Millionen Menschen (46 Prozent Marktanteil!). Damit hatte der 61-jährige Showmaster fast zehn Millionen mehr Zuschauer als Dieter Bohlen mit seinem Supertalent. Das RTL-Format erlebte mit 4,85 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 15 Prozent einen regelrechten Quotenabsturz.
Gottschalk kann es freuen: Nicht nur hat er seinen Rivalen Bohlen deklassiert, er hat es zum Abschluss auch allen noch einmal gezeigt. Vor allem den Medien, die ihn in den 23 Jahren seiner Moderatorentätigkeit bei der ZDF-Show oft heftig kritisiert hatten - bis vor einem Jahr Wettkandidat Samuel Koch schwer verunglückt war und Gottschalk wenige Wochen später seinen Rücktritt erklärt hatte.
Eine stinknormale Sendung
Die letzte Wetten, dass..?-Show kommt in der Medienlandschaft überwiegend gut weg. Nur die Berliner Tageszeitung taz mault, es sei «eine stinknormale Sendung» gewesen «mit überflüssiger Prominenz, mal stulleren (Gottschalks Abendgarderobe den jeweiligen Sendungen zuordnen), mal besseren Wetten (WC-Marken am Geräusch der Klospülung erkennen), und in die Jahre gekommenen Lifeacts (Meat Loaf sang ein Medley und tritt nächste Saison mit dem Kurorchester Bad Orb auf).» Und der Tagesspiegel meckert, Gottschalk habe «wie ein Herzschrittmacher» gewirkt und die Sendung sei «dem Tode nah».
Ansonsten klingt in den Schlagzeilen sogar ein bisschen Wehmut durch: «An der Tatsache, dass eine TV-Legende ein Stück Fernsehgeschichte ein letztes Mal quasi im Vorbeigehen nach Hause geschaukelt hat, und man ihm dafür ruhig eine, vielleicht sogar zwei Tränen nachweinen darf, kommt niemand vorbei», schreibt welt-online.
Der Garant für Geborgenheit
Stern.de sagt schlicht «Adieu, Thommy» und gibt zu bedenken, dass Gottschalk «nicht irgendwer» sei. «Für viele Menschen in dieser Republik ist er unter anderem auch ein Teil der eigenen Jugend. Für andere ist er der Mann, mit dem sie es sich in ihren Wohnzimmern ganz heimelig machen konnten. Der Garant für Geborgenheit. Wenn gerade gar nichts mehr richtig läuft im Leben, eines ist sicher: Der Mann mit dem Blondhaar ist gut drauf.»
Gut drauf war Gottschalk auch in seiner letzten Show, eigentlich war alles wie immer. Das stellt auch das Hamburger Abendblatt fest. «Der 61-Jährige ließ sich nicht beeindrucken und präsentierte eine klassische Wetten, dass..?-Sendung, so wie er sie seit 1987 schon 150 Mal moderiert hatte: Eher gelangweilte Gäste auf der Couch (Karl Lagerfeld plauderte unentwegt mit Jessica Biel, Til Schweiger schrieb zwischendurch SMS); eine charmante, aber zuweilen etwas aufgedrehte und trotzdem bemutternde Michelle Hunziker; Showacts, die Gottschalks Musikgeschmack entsprechen (Meat Loaf); internationale Stars, die die Show vorzeitig verlassen (Lenny Kravitz).»
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) beschäftigt sich in ihrem Fernsehblog mit der Doppelmoderation Thomas Gottschalk/Michelle Hunziker: «Gottschalk war stets unbestritten der Gastgeber, der Wetten dass..? sechs bis siebenmal im Jahr für viele Millionen Zuschauer zu einem Erlebnis machte. Einer, der mit dem Filmstar aus Hollywood genauso locker ins Gespräch kam wie mit dem Wettkandidaten aus dem kleinsten bayerischen Dorf. Und Hunziker war seine Absicherung.» Dass die Arbeitsteilung, die sich im Laufe der vergangenen beiden Jahren entwickelt hat, mit Gottschalks letzter Sendung nun wieder vorbei sein muss, sei bedauerlich.
Wer soll's jetzt machen?
Natürlich beherrscht die Nachfolge weiterhin die Medienlandschaft: Wer soll es jetzt machen?, lautet die meistgestellte Frage im Zusammenhang mit Wetten, dass..? An Günther Jauch will keiner glauben. Sein in der Sendung abgegebenes Versprechen, bis Sonntagabend über die Moderation von nachzudenken, «war da nicht mehr als ein Werbeblock für seinen heutigen Jahresrückblick bei RTL», schreibt spiegel-online. Olli Dittrich, der laut FAZ als Außenreporter auf der Skipiste in Ischgl «eher uninspiriert» gewirkt habe, komme auch nicht in Frage. «Die Epoche von Wetten, dass ..? ging gestern unwiderruflich zu Ende», meint die FAZ.
Nur bild.de will ihn nicht gehen lassen. «Nach diesem Quoten-Hoch (fast 15 Millionen Zuschauer) muss Gottschalk bleiben», fordert das Blatt und steht mit dieser Meinung wohl alleine da. Zeit-online schrieb bereits nach der November-Sendung: «Vielleicht ist es Zeit, eine veraltete Show zu beerdigen.» Ein guter Vorschlag, den das ZDF aber nicht beherzigen wird. Der künftige Intendant des Zweiten, Programmdirektor Thomas Bellut, sagte der Bild am Sonntag, es würden weiter Gespräche geführt. Mit wem wollte er nicht sagen. Das Rätselraten geht also noch ein wenig weiter. Wetten, dass..? ebenfalls.
news.de
Thomas Gottschalk ist nicht zu ersetzen. Schon gar nicht durch einen spießigen, konservativen Günther Jauch, den ich schon immer grauenhaft fand. Bei welch anderem Moderator sollen denn dann die Stars aus Hollywood kommen? Man sollte die Sendung beerdigen, da Thomas keiner ersetzen kann. Gottschalk ist ein phänomenaler extrovertierter Entertainer, wie es ihn heute kaum noch gibt. Ich wünsche Thomas für die Zukunft alles Gute, er ist jetzt schon eine Legende. Deutschland ist leider sehr glamourlos geworden. Sieht man auch am Straßenbild der Städte. Versifft und alle gleich gekleidet. Gruselig.
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