App-Gaming Smartphones locken an die Konsole

Unterwegs zocken: Handheld versus Smartphone (Foto)
Spielen auf mobilen Geräten ist immer gefragter: Moderne Betriebssysteme und Sensoren sorgen für tiefgehende Spielerfahrungen. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Mit iPhone und Co. zockt es sich überall und für wenig Geld. Thomas Paincon von Ubisoft erklärt, warum Gaming-Apps kein Pleitegeschäft sind und große Publisher lieber Ableger statt neue Spiele für Smartphones entwickeln.

Herr Paincon, im vergangenen Jahr wurden laut Bitkom 357 Millionen Euro mit Apps umgesetzt. 2011 werden wahrscheinlich mehr als zehn Millionen Smartphones auf dem Markt verkauft sein. Wie stark sind Apps inzwischen Teil des Spielemarktes?

Thomas Paincon: Mobile Plattformen werden zweifellos zu Spieleplattformen. Beispielsweise werden täglich sieben Millionen Spiele-Apps aus dem App-Store heruntergeladen. Außerdem nutzen die Leute Apps wie Facebook sehr stark, aber sie spielen auch sehr viele Spiele. Wenn Ubisoft an neuen Franchise-Fortsetzungen arbeitet, behandeln wir die mobilen Plattformen wie auch die anderen. Tatsache ist, dass Apps so wichtig geworden sind, dass sie bereits Bestandteil der frühen Franchise-Planung sind - als Teil unseres Spielbegleiterkonzepts, bei dem Spieler unterschiedliche, aber vernetzte Erfahrungen mit der gleichen Marke auf verschiedenen Plattformen - wie Mobil, Online, PC oder Konsole - machen können. Deshalb werden in den kommenden Monaten noch mehr Ubisoft-Produkte für mobile Plattformen erscheinen.

Ist Gaming auf dem Smartphone eigentlich wirklich Gaming oder doch nur pausenfüllendes Daddeln?

Paincon: Mobile Spiele sind echte Spiele. Um durchweg erfolgreich zu sein, müssen Entwickler genauso viel Arbeit, Kreativität und Innovationsgeist in diese Spiele stecken, wie in jene für andere Plattformen. Üblicherweise müssen Spiele für mobile Plattformen bereits beim ersten Gebrauch total einfach zu spielen und zu verstehen sein. Aber das heißt nicht, dass wir nicht auch tiefgängige Inhalte entwickeln oder den Spielern bei der Komplexität stärker entgegenkommen. Wir wissen aber auch, dass mobile Spiele häufig, aber weniger zeitintensiv als Spiele anderer Plattformen gespielt werden. Das berücksichtigen wir, wenn wir mobile Spiele entwickeln. Darüber hinaus ist es Strategie bei Ubisoft, unsere Erfahrungen mit Spielen und deren Inhalten darauf abzustimmen, wie Spieler mit den einzelnen Plattformen interagieren.

Strategiespiele wie Anno oder Die Siedler sind sehr komplex. Dennoch gab es Adaptionen für Smartphones. Verlieren die Spiele dadurch nicht ihren Reiz?

Paincon: Strategiespiele sind sehr schwer anzupassen, insbesondere aufgrund des Gameplays und ergonomischer Grenzen, die es bei mobilen Plattformen gibt. Andererseits können Strategiespiele sehr gut angepasst werden für häufige, kurze Spielzeiten. Und weil die Grafik in Strategiespielen für mobile Geräte nicht so wichtig ist, wie sie es vielleicht für einen First-Person-Shooter auf einer Konsole wäre, glaube ich, sie können echten Anklang finden - so lange das Erlebnis auf das Gerät zugeschnitten ist.

Die meisten Spiele für Smartphones sind Ableger bereits bekannter Spielemarken. Warum fällt es den großen Publishern der Branche so schwer, ein Spiel eigens für Smartphones zu entwickeln?

Paincon: Wir betrachten den Großteil unserer mobilen Spiele als ergänzende Erweiterung zu einem bereits vorhandenen Produkt. Diese Spiele erlauben vorhandenen und neuen Spielern eine neue Seite dessen zu erleben, für das sie sich begeistern. Nehmen wir zum Beispiel die Assassin's Creed-Produkte: Die Spieler erleben Assassin's Creed Revelations auf einer HD-Konsole anders als Assassin's Creed auf dem iPad. Aber beide Spiele leisten ihren Beitrag dazu, dass die Spieler ein übergreifendes, tiefgehendes Erlebnis der Assassin's Creed-Welt haben. Wir sind überzeugt, dass die Spieler die Vielfalt lieben, wir hatten beispielsweise Assassin's Creed Rearmed für das iPhone und das iPad einen Monat früher veröffentlicht und bereits mehr als 1,5 Millionen Downloads weltweit. Uns zeigt das, dass unsere Strategie zum Ausbau der Marken über verschiedene Plattformen uns nicht daran hindert, Risiken einzugehen und neue Marken zu starten. Kürzlich haben wir Monster Burner gestartet, ein Spiel, das von Ubisoft Montreal nur für mobile Plattformen entwickelt wurde. Und wir werden ähnliche Formate auch in Zukunft entwickeln.

Welche sind die größten Probleme, mit denen ein Unternehmen wie Ubisoft bei der Spiele-Umsetzung für Smartphones zu kämpfen hat?

Paincon: Da gibt es einige. Erstens muss unser Produktionsteam Spiele gestalten, die gänzlich auf mobile Plattformen zugeschnitten sind, das heißt, beim Level-Design, bei der Ergonomie, beim Gameplay und vielem anderen. Zweitens entwickelt sich der Mobilmarkt rasant, deshalb müssen wir uns schnell an die sich ändernden Technologien und Geschäftsmodelle anpassen. Eine besondere Herausforderung ist das Nachdenken über die Betreuung des Spiels nach der Veröffentlichung. Üblicherweise sind Marketing und Produktion getrieben von einer Strategie, die auf den Tag der Veröffentlichung ausgerichtet ist. Bei mobilen Spielen ist aber mehr Planung nötig, um das Spiel zu unterstützen und nach der Veröffentlichung zu sichern. Mit der richtigen Strategie nach der Veröffentlichung können wir erfolgreich und lange präsent sein, und dabei helfen, die Lebenszeit des Spiels zu verlängern.

Eine App kostet im Schnitt weniger als 1 Euro, der Konkurrenzdruck ist groß. Rechnet sich eine Spiele-App überhaupt für ein Unternehmen wie Ubisoft? Oder geht es dabei eher darum, die eigene Marke stärker zu verbreiten?

Paincon: Das kommt darauf an. Eine unserer Strategien ist es, unsere Produkte auf alle Plattformen auszuweiten. Mobilkunden sind für uns einer Erweiterung des Interesses der Spieler, deshalb versuchen wir Spielerfahrungen zu entwickeln, die neugierig auf andere unserer Marken machen. Zudem sind wir überzeugt, dass wir neue Marken für digitale und mobile Plattformen schaffen können. Mit genügend Verbreitung können wir die geringeren Einnahmen aus einer App ausgleichen, und mit dem Free-to-Play-Modell, das auf mobilen Plattformen rasch um sich greift, gibt es viele Verdienstmöglichkeiten.

Werden Spiele-Apps irgendwann das PC- und Konsolen-Gaming verdrängen?

Paincon: Das ist nicht wirklich ein Wettkampf. Mobilspieler bereichern die Gruppe der Spieler weltweit. Immer mehr Leute spielen überhaupt. Dieser Trend ist damit verbunden, dass Spieler unterschiedliche Spielerfahrungen auf verschiedenen Plattformen machen können. Auf einem mobilen Gerät oder in einem sozialen Netzwerk zu spielen, trägt vielleicht dazu bei, dass jemand eher auch einem Spiel auf der heimischen Konsole oder einem PC zugeneigt ist, und umgekehrt. Sich ergänzende, aber unterschiedliche Spieleplattformen zu nutzen, ist immer das Beste für die Spiele-Industrie.

Thomas Paincon ist Online Brand Manager beim Publisher Ubisoft.

sca/kat/news.de

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