Fernsehen Das Festmahl im August

Im Grunde geht es Gianni gar nicht so schlecht. Er wohnt in der Altstadt Roms, schlendert über die Märkte, trinkt ein Gläschen, trifft einen Freund, raucht, trinkt noch ein Gläschen. So vergehen die Tage. Zuhause wartet Giannis Mutter, und die, nun ja, tyrannisiert den fast 60-Jährigen ein bisschen.

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Das Festmahl im August Bild: dpa

Hamburg (dpa) - Im Grunde geht es Gianni gar nicht so schlecht. Er wohnt in der Altstadt Roms, schlendert über die Märkte, trinkt ein Gläschen, trifft einen Freund, raucht, trinkt noch ein Gläschen. So vergehen die Tage. Zuhause wartet Giannis Mutter, und die, nun ja, tyrannisiert den fast 60-Jährigen ein bisschen.

Das ist nicht so tragisch, so etwas kommt vor. Gianni hat alle Zeit der Welt, sich um die alte Frau zu kümmern, eigene Familie hat er nicht. Und wenn es so bliebe, wäre es wohl nicht so übel.

Doch Ferragosto naht, der Feiertag zu Himmelfahrt am 15. August, und da flieht jeder Römer aus der sommerheißen Stadt. Doch Gianni kann nicht weg, er muss sich schließlich um seine Mutter kümmern. Und es kommt noch schlimmer: Der Hausverwalter meldet sich, Gianni hat Schulden bei ihm, und der böse Kerl hat ein fast unsittliches Angebot. Gianni soll für einen Tag und eine Nacht auch die Mutter des Verwalters aufnehmen. Am Ende findet sich Gianni sogar mit vier alten Damen in seiner kleinen Wohnung, jede weit über 80, alle irgendwie abgeschoben, gutmütig, aber nicht ganz unproblematisch, wie soll es anders sein im hohen Alter.

Gianni Di Gregorio, Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller in einer Person, hatte die Idee zu seinem Film «Das Festmahl im August» (Arte, 20.15 Uhr) durch eine wahre Begebenheit. Sein Vermieter wollte auch die Mutter für ein paar Tage loswerden, und er erpresste Di Gregorio ein bisschen. So spielt er sich quasi selber. Im richtigen Leben lehnte er den Deal allerdings ab, doch die Idee zum Drehbuch war geboren. Daraus wurde ein ebenso witziger wie melancholischer Sommerfilm über das Alter, das Leben und die italienische Küche, etwas skurril, nie sentimental, dafür kurzweilig und voller Gefühl.

Die vier alten Damen sind allesamt Laienschauspielerinnen, die in Altenheimen in Rom und Umgebung entdeckt wurden. Sie spielen sich selbst, souverän, ohne jede Künstlichkeit, als ob sie nie etwas anderes gemacht hätten. Für Gianni Di Gregorio, der schon lange im Filmgeschäft ist, war es die erste Hauptrolle. «Als ich meiner Crew erklärte, dass wir einen Mann mittleren Alters finden müssen, der nicht nur Jahre lang mit seiner Mutter gelebt hat, sondern gewissermaßen auch Alkoholiker ist, richteten sich alle Augen auf mich.» Also übernahm er die Hauptrolle. Als fiktionaler Gianni bekocht er seine vier Gäste, erträgt das Schicksal tapfer, und am Ende wird aus dem Feiertag, den alle fürchten, ein richtiges Fest.

news.de/dpa

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