Posthumes Album Die versteckten Schätze der Amy W.

Amy Winehouse  (Foto)
Im Namen von Amy Winehouse wird posthum ein Album veröffentlicht. Bild: dpa/Frantzesco Kangaris

Von Franz X. A. Zipperer
Der unerwartete Tod von Amy Winehouse im Sommer war ein Schock: Ein so großes musikalisches Talent scheitert tragisch am Leben. Nun erscheint posthum eine Sammlung unveröffentlichter Songs - und beweist, wie groß ihr Talent und ihre Stimme waren.

Seit einigen Tagen läuft im Radio das Stück Our Day Will Come. Es klingt wie die verstorbene Amy Winehouse - und es ist auch tatsächlich Amy Winehouse. Da kommt ein schlimmer Verdacht auf. Wird da etwa mit der Hinterlassenschaft der großen Künstlerin kurz vor Weihnachten Geschäftemacherei betrieben? Werden einfach nur gedankenlos Songs aneinandergereiht? Nein: Mit dem Album Lioness: Hidden Treasures passiert das nicht.

Die zwölf Titel sind respektvoll und angemessen zusammengestellt. Sie umspannen den Zeitraum von ihrer ersten Studiosession zum Album Frank in Miami aus dem Jahre 2002 bis hin zu ihrer letzten Aufnahme in den Londoner Abbey Road Studios, gemeinsam mit Jazzsänger und Entertainer Tony Bennett, im März 2011. Damit erst gar kein Missverständnis aufkommt - Lioness: Hidden Treasures, das an diesem Freitag erscheint, ist nicht das heiß ersehnte dritte Album der Künstlerin, aber eine musikalische Landkarte ihres Schaffens.

Amy Winehouse
Ein viel zu kurzes Leben

Die gesamte Stimmbreite ist vertreten

Nach dem unerwarteten Tod der fünffachen Grammy-Gewinnerin im Juli im Alter von 27 Jahren war es nur eine Frage der Zeit, bis die Produzenten, darunter Mark Ronson und Salaam Remi, ihren Blick über das archivierte Material der Künstlerin schweifen lassen würden. Ein Blick, der große Spannung verspricht - zumal sich alle, die mit Amy Winehouse gearbeitet hatten, darüber einig sind, dass sie nie einen Song zweimal auf die gleiche Weise gesungen oder gespielt hat.

Lioness: Hidden Treasures dokumentiert auf aufregende Weise die Entwicklung der Stimme von Amy Winehouse. Die Interpretation des Bossa-Nova-Songs The Girl From Ipanema zeigt die damals 18-Jährige mit dem ersten Stück, dass sie in Miami mit Salaam Remi aufnahm, der sofort wusste: «Die Art, wie sie diesen Klassiker neu interpretierte, verdeutlichte mir, dass ich es mit einem ganz besonderen Talent zu tun hatte. Ihre Annäherung an das Stück war so jung und frisch.»

Die Sängerin offenbart dabei noch einen Rest unbeschwerter Jugendlichkeit in der Stimme, die später mit ihrer Unergründlichkeit und Fülle sämtliche Tiefen des Leids auslotete und den Gefühlen eine immer neue Note gab. Etwa bei Valerie, das hier in einer entschleunigten Version zu Gehör gebracht wird.

Private Dramen hinter Retrosound

Eine weitere wichtige Landmarke setzt die CD mit Between The Cheats. Diese neue Komposition stammt aus dem Mai 2008 und stand für eine mögliche Einbindung auf Album Nummer drei zur Diskussion. Die melodische Stimmung der Endfünfziger und Anfangsechziger, die Erinnerungen an die Musikbox-Beschallung in damaligen Eisdielen weckt, verschleiert den dramatischen Text über die Eskapaden der Untreue ihres Ex-Ehemanns Blake Fielder-Civil.

Das Stück Tears Dry, als flotte Ausgabe auf Back To Black zu hören, wird als Ballade in einen Schmachtfetzen verwandelt, ohne ihm dabei auch nur den leisesten Anflug von Peinlichkeit oder Kitsch zu verpassen. A Song For You aus dem Frühjahr 2009 ist Amy Winehouse' Hommage an ihren Lieblingskünstler Donny Hathaway. Er hat diesen Leon-Russell-Klassiker ebenfalls im Programm. In einer einzigen Aufnahme entstanden, erfüllt ihr ganzer Schmerz dieses Lied, das unter Heroineinfluss entstanden sein soll, wie das britische Boulevardblatt Sun schrieb.

Ihre letzte Studioaufnahme ist das Duett mit Tony Bennett, Body & Soul. Darin fordern sich zwei ebenbürtige Stimmen, wobei eine gewisse Brüchigkeit in Amy Winehouse' Gesang nicht zu überhören ist. Bahnt sich das Drama hier etwa schon an?

Interpret: Amy Winehouse
Album: Lioness: Hidden Treasures
Plattenfirma: Island/Universal
Veröffentlichungsdatum: 2. Dezember 2011

ruk/boi/news.de/dpa

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