Film Zwischen Selbstfindung und Integration: «Anduni - Fremde Heimat»

Zwischen Selbstfindung und Integration: «Anduni - Fremde Heimat» (Foto)
Zwischen Selbstfindung und Integration: «Anduni - Fremde Heimat» Bild: dpa

Wie urkomisch, geistreich und zugleich zu Tränen rührend deutsch-türkische Familiengeschichten im Kino sein können, haben spätestens die Schwestern Nesrin und Yasemin Samdereli mit «Almanya - Willkommen in Deutschland» (2011) bewiesen.

Hamburg (dpa) - Wie urkomisch, geistreich und zugleich zu Tränen rührend deutsch-türkische Familiengeschichten im Kino sein können, haben spätestens die Schwestern Nesrin und Yasemin Samdereli mit «Almanya - Willkommen in Deutschland» (2011) bewiesen.

Darin geht es um den Zusammenprall der Kulturen, dem Kinder von Gastarbeitern in zweiter Generation immer wieder ausgesetzt sind, um Integration, Selbstfindung und Heimat. All dem widmen sich auch Samira Radsi (Regie) und Karin Kaci (Buch) in ihrer armenisch-deutsch geprägten Tragikomödie «Anduni - Fremde Heimat». Leider bleiben sie mit ihrer Geschichte aber meist an der Oberfläche, die Komik gerät zum albernen Klamauk.

Die Deutsch-Armenierin Belinda (Irina Potapenko) lebt ihr eigenes Leben in der Stadt, studiert, ist gerade mit ihrem Freund Manuel (Florian Lukas) zusammengezogen und hat sich so von ihrer armenischen Familie emanzipiert, versteht kaum noch ihre Sprache. Da stirbt plötzlich ihr Vater, und Belinda wird wieder mit der Kultur ihrer Eltern konfrontiert. Während sie mit ihrer Mutter, die unter dem tyrannischen und trinkfreudigen Vater stets gelitten hat und nie wirklich in Deutschland angekommen ist, in den alten Sachen kramt, fängt sie an, sich ihrer Wurzeln bewusstzuwerden und die Geschichte ihrer Eltern zu hinterfragen.

Belinda beginnt in der Schneiderei ihrer geschäftstüchtigen Tante zu arbeiten, die sich vor allem zum Ziel gesetzt hat, ihre Nichte mit einem Armenier zu verkuppeln. Von Manuel, der nicht länger hinnehmen will, dass er in ihrer Familie als Studienkollege vorgestellt wird, entfernt sie sich zusehends, ebenso von ihrem «deutschen» Leben. Da ist der Wunsch nach Veränderung, doch Belinda weiß nicht so recht zu welcher. Also begibt sie sich auf eine Reise in die Vergangenheit ihrer Familie nach Armenien.

In dem Gewusel der armenischen Familienfeiern und Zusammenkünften trifft sie auf die unglücklichen Frauen in Vernunftehen, bekommt Einblicke hinter die Fassaden der armenischen Migranten, sieht den Unwillen zu Integration, selbst mit dem Völkermord der Türken an den Armeniern wird sie in Gesprächen konfrontiert. Dabei bleiben Deutsche wie Armenier meist unter sich. Dass die Untertitel so kurz eingeblendet sind, dass man sie kaum lesen kann, könnte man wohlwollend als Methode interpretieren. Man versteht sich eben nicht. Peter Millowitsch tritt als kölscher Beamter in einer kurzen Szene auf. Er glaubt, das Fremdheitsgefühl der Armenier nachvollziehen zu können. Schließlich kommt seine Frau aus Detmold - eine der wenigen Augenblicke, die den Zuschauer zumindest schmunzeln lassen.

Leider bleiben Samira Radsi und Karin Kaci bei allzu vielen, lediglich in Nebensträngen angedeuteten Problemen an der Oberfläche, auch die Menschen wirken seltsam blutleer, was durchaus das Gefühl Belindas widerspiegeln mag. Die armenischen Frauen sind wahlweise die patenten, geschäftstüchtigen oder die unterdrückten, fast lethargischen Frauen, die allesamt ebenso wie die deutsche Frau gerne über die Figurprobleme, Kleider und Eheprobleme der anderen tratschen. Die Deutschen kommen entweder etwas platt wie Peter Millowitsch in seiner Rolle daher oder als gutsituierte Bildungsbürger wie Manuels Eltern.

Zwar hat der Film durchaus auch nachdenkliche und stille Momente; etwa wenn Belinda immer wieder zu sanften Gitarrenklängen aus dem Fenster schaut und die Zugvögel beobachtet - voller Sehnsucht, auch ihren eigenen Weg zu finden. Über weite Strecken aber ist «Anduni - Fremde Heimat» entweder allzu albern oder schlicht langweilig.

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news.de/dpa

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