Der Cover-Designer von Neal Casals neuem Album gehört vor ein Geschmackstribunal - ansonsten aber ist «Sweeten The Distance» ein neuerlicher Beweis für die zeitlose Klasse dieses sträflich unterbewerteten Songwriters, Sängers und Gitarristen.
Berlin (dpa) - Der Cover-Designer von Neal Casals neuem Album gehört vor ein Geschmackstribunal - ansonsten aber ist «Sweeten The Distance» ein neuerlicher Beweis für die zeitlose Klasse dieses sträflich unterbewerteten Songwriters, Sängers und Gitarristen.
Den Ruf des ewigen Sidekicks, des soliden Sound-Veredlers, sollte der US-Amerikaner jedenfalls längst los sein. Mit Lucinda Williams, Willie Nelson und Ryan Adams (als Mitglied von dessen Band The Cardinals) hat Neal Casal zusammengearbeitet, auch auf vielen anderen Country- und Folkrock-Alben wirkte der 43-jährige seit Mitte der 90er mit.
Daneben (und leider im Schatten) stand immer seine Solokarriere, die zu mindestens soliden, teils großartigen Alben wie dem unübertroffenen Debüt «Fade Away Diamond Time» führte. Außerdem veröffentlicht Casal sporadisch Platten als Boss der Bluesrock-Truppe Hazy Malaze.
«Sweeten The Distance» (Naive/Fargo) ist nun bereits sein zehntes Solo-Album, und es ist eines seiner stärksten. Mit dem Umzug von New York nach Südkalifornien ist die Westcoast-Sonne wieder verstärkt in die Kompositionen des sympathischen Rock-Klassizisten eingezogen. Seine angenehme Tenorstimme (besonders schön in der 70s-Pop-Hommage «White Fence»), die wunderbar luftige Vintage-Produktion von Studio-As Thom Monahan, die süffigen Melodien - alles da, was das Herz eines Americana-Fans erfreut.
Neal Casal kann es sich leisten, Solo-Platten auf Sparflamme zu machen und damit nur bescheidenen Erfolg zu haben: Er hat seit längerem auch als Fotograf für Magazine wie «Mojo» oder «Rolling Stone» einen guten Ruf, und er arbeitet als Musiker für die lukrative Filmbranche. Was er sich allerdings wirklich nicht mehr leisten sollte, ist eine Cover-Gestaltung, die sein Album mit grauenhaftem Esoterik-Kitsch verschandelt. Solch schöne Musik hat Besseres verdient.
news.de/dpa