So., 27.05.12

Fernsehen 28.11.2011 Das dunkle Nest

Das dunkle Nest (Foto)
Das dunkle Nest Bild: dpa

Jesuitenpfarrer Gabriel Reinberg hat die Herzen seines kleinen Dorfes erobert - und vor allem die der Kinder. Er hält einigermaßen humorvolle Messen und versucht, den Messdienern in der Ministrantengruppe den Glauben näher zu bringen.

München (dpa) - Jesuitenpfarrer Gabriel Reinberg hat die Herzen seines kleinen Dorfes erobert - und vor allem die der Kinder. Er hält einigermaßen humorvolle Messen und versucht, den Messdienern in der Ministrantengruppe den Glauben näher zu bringen.

Das ist allerdings vorbei, als die Leiche der zwölf Jahre alten Ministrantin Lydia gefunden wird. Sie hatte ein besonders gutes Verhältnis zum Pfarrer - und für das Dorf ist schnell klar: Der Pfaffe hat das Mädchen missbraucht, der Pfaffe hat das Kind auf dem Gewissen.

Das ZDF begibt sich mit seinem «Fernsehfilm der Woche» an diesem Montag (28. November, 20.15 Uhr) auf durchaus schwieriges Terrain. «Das dunkle Nest» macht - hochaktuell, wie der Sender betont - einen Pfarrer unter Missbrauchsverdacht zur Hauptfigur in einem Krimi. Priester Reinberg (Christian Berkel) wird ausgegrenzt und schließlich sogar angegriffen. Nur die Kommissarin Esther Fromm (Katharina Müller-Elmau) ist von der Unschuld des ehemaligen Gefängnisseelsorgers und Psychologen, den sie von früher kennt, überzeugt. Sie taucht ein in ein Dickicht aus Vertuschungen und Lügen in der Dorfgemeinschaft - und klärt das fürchterliche Verbrechen schließlich auf.

Dabei will der Film vor allem eins zeigen: Priester gelten der Gesellschaft längst nicht mehr als moralisch unerschütterliche Instanzen. Ganz im Gegenteil. Inzwischen steht ihr ganzer Berufsstand unter Generalverdacht. Daran trage die Kirche selbst Schuld, sagt Produzentin Gabriela Sperl beim Pressetermin in München. «Unschuldige Pfarrer werden in Misskredit gebracht, weil man die Schuldigen einfach nicht konkret benennt. Das ist auch der zentrale Punkt in diesem Film. So lange man nicht die Guten und Bösen auseinanderhält und die Bösen klar benennt, wird es einfach ganz schwierig sein.»

«Es findet natürlich eine gewisse Stigmatisierung statt», sagt auch Hauptdarsteller Christian Berkel, den das Spannungsfeld interessiert, in dem sich Priester Reinberg als Vertreter einer Organisation und als Individuum befinde. Für ihn geht der Film aber besonders um eins: Scham.

Wenn eine Vertrauensperson wie ein Lehrer, ein Priester oder ein Vater Kinder missbrauche, komme das der Aufkündigung einer gesellschaftlichen Vereinbarung gleich. «In dem Moment, wo diese Vereinbarung nicht eingehalten wird, ist Scham nicht nur das Problem des Kindes, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem, weil alle anfangen, sich zu schämen und keiner wahrhaben will, was passiert ist. So befindet sich der Täter in einem freien und geschützten Raum. Er profitiert von unser aller Scham.» Scham sei eines der kompliziertesten Gefühle, sagt Berkel, der selbst in seiner Schulzeit über zwei Lehrer gehört habe, dass man bei ihnen «vorsichtig sein solle».

«Das dunkle Nest» ist ein düsterer Film geworden. Er versucht, einen differenzierten Blick zu werfen auf die katholische Kirche, ihren Umgang mit den Missbrauchsfällen, die in ihrem Ausmaß eine ganze Gesellschaft schockiert haben und den Umgang der Gesellschaft mit der Kirche nach dem Missbrauchsschock. Das ist ambitioniert - und gelingt nicht immer. Aber der Film soll ja auch in erster Linie ein Krimi sein, keine komplexe Sozialstudie. Regisseurin Christine Hartmann sagt: «Wir wollen auf Schweigen hinweisen, auf Scham und ich hoffe, dass wir dem Thema gerecht geworden sind.»

Weitere Infos zum Film

news.de/dpa
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