Durchgehört The BossHoss reiten in die nächste Dimension

The BossHoss sind in diesen Tagen nicht nur als Juroren bei The Voice Of Germany im Einsatz. Sie haben auch ein neues Album am Start: Die Liberty Of Action interpretieren die Cowboys von der Spree als künstlerische Narrenfreiheit.

«Ich ziehe mein Ding durch, und ich habe Spaß dabei.» So könnte man das Motto umschreiben, unter dem The BossHoss seit 2004 als Berliner Cowboys unterwegs sind. Auf dem sechsten Album Liberty Of Action demonstrieren sie immer wieder dieses Selbstvertrauen - und nutzen ihren Status als etabliertes Rock-Vergnügen erfreulicherweise auch, um ihren Sound weiterzuentwickeln.

Die Single Don’t Gimme That ist funky und eingängig und bei weitem nicht das einzige Stück, das man zu Beginn ihrer Karriere niemals von BossHoss erwartet hätte. Auch My Country (das Rammsteins Mein Land nach Texas entführt), Live It Up (in das sich ein paar Hip-Hop-Elemente hineingeschummelt haben), der Quasi-Pop von Sex On Legs oder das enorm putzige L.O.V.E. (gemeinsam mit Nena) überraschen und überzeugen.

Als Inspiration für die neuen Lieder haben die Berliner noch einmal einen ganz tiefen Atemzug voller Prärieluft genommen: Sie sind durch Texas gereist, haben Songs geschrieben und Konzerte gespielt. Das hat sich gelohnt: Auch mit Liberty Of Action beweisen The BossHoss, dass sie nach wie vor die mit Abstand vitalsten Westernhelden der Welt sind.

Interpret: The BossHoss
Album: Liberty Of Action
Plattenfirma: Island
Veröffentlichungsdatum: bereits erschienen

Roxette machen es ihren Fans nicht immer leicht seit der Genesung von Marie Fredriksson und dem umjubelten Comeback. Wer im Sommer ein paar hundert Kilometer zu einem der sechs Deutschland-Konzerte gereist ist, hat sich wenige Wochen später vielleicht geärgert, als weitere Live-Termine für den Herbst bekannt wurden. Wer das Nummer-1-Album Charm School gekauft hat, dürfte jetzt einen ähnlichen Effekt bemerken. Denn die Platte erscheint als Charm School Revisited noch einmal neu - ergänzt um eine zweite CD mit den Demo-Versionen aller Songs und drei Remixes.

Ähnlich wie bei der Tour gilt freilich auch hier: Bei so guter Musik verzeiht man Roxette schnell und gerne. Die Demos, durchweg von Per Gessle allein in seinem Studio in Halmstad eingespielt und aufgenommen, geben spannende Einblicke in die Entstehung der Songs, über die Gessle schon im Interview mit news.de Auskunft gegeben hatte. Meist bleibt es streng akustisch, gelegentlich weichen auch die Texte von den finalen Versionen ab. Von den Remixes ragt der Adrian Lux Remix des Hits She's Got Nothing On (But The Radio) heraus.

Interpret: Roxette
Album: Charm School Revisited
Plattenfirma: Emi
Veröffentlichungsdatum: bereits erschienen

Das dritte Album des tollen Singer/Songwriters Dan Mangan aus Vancouver ist aus kanadischer Sicht ein würdiger Abschluss des Popjahres. Sein Album Oh Fortune hat alles, was Indie-Rock aus Kanada - gerade auch im Kontrast zum Mainstream der benachbarten USA - derzeit so attraktiv macht: Größe statt Bombast, Sensibilität statt Weinerlichkeit, Ambition statt Angeberei. Mangans sorgfältig komponierte Lieder sprühen vor Ideen, hinter seiner klassischen Gitarre/Bass/Schlagzeug-Band schichtet der 28-Jährige imposante Streicher- und Bläser-Arrangements auf. Und dann diese Stimme: Ein wettergegerbter Bariton, mal hauchzart wie Harry Nilsson, mal ruppig rau wie einst der junge Tom Waits, pathetisch und doch tief berührend.

Bewusst versucht Mangans neuer Label-Manager, City-Slang-Chef Christof Ellinghaus, den Songwriter abzugrenzen von «einer ganzen Armee bärtiger Troubadoure, die mit der Gitarre bewaffnet ihre Lieder durch die Welt tragen». Zwar gehört auch Mangan rein äußerlich zur «Beardo»-Fraktion junger Indie-Musiker mit beeindruckender Gesichtsbehaarung. Doch seine Musik unterscheidet sich vom hippiesken Retro-Sound der Fleet Foxes, von My Morning Jacket oder Mumford & Sons, die in den USA und Großbritannien derzeit groß abräumen.

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Der Londoner Guardian fand blumige Worte für Dan Mangan: «Im überfüllten Genre männlicher Singer/Songwriter schafft er etwas Besonderes: einen leicht schrägen, geistreich-ironischen Stil, kombiniert mit langsam köchelnder emotionaler Intensität.»  In seiner Heimat gilt Mangan als «one to watch» - als Noch-Geheimtipp, der das Zeug hat, demnächst in der ersten Liga mitzuspielen. Man muss nur den an Landsmann Neil Young erinnernden Kracher Rows Of Houses hören, um diese Einschätzung zu teilen. Auch der populäre Überwältigungs-Sound von Arcade Fire findet sich in den elf «Oh Fortune»-Liedern, am schönsten im atmosphärischen Opener About As Helpful... und dem abschließenden bläsersatten Gospel-Folk von Jeopardy. One to watch.

Interpret: Dan Mangan
Album: Oh Fortune
Plattenfirma: City Slang
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

mik/ruk/news.de/dpa

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