Unesco Deutschland auch 2011 ohne Unesco-Kulturerbe

Deutschland auch 2011 ohne Unesco-Kulturerbe (Foto)
Deutschland auch 2011 ohne Unesco-Kulturerbe Bild: dpa

Die Fado-Musik aus Portugal, der Saman-Tanz aus Indonesien oder eine besondere Reitkunst aus Frankreich: Bereits zum sechsten Mal beraten Experten der Unesco in diesen Tagen über den Schutz von weltweit einzigartigen Bräuchen und Traditionen.

Nusa Dua/Paris (dpa) - Die Fado-Musik aus Portugal, der Saman-Tanz aus Indonesien oder eine besondere Reitkunst aus Frankreich: Bereits zum sechsten Mal beraten Experten der Unesco in diesen Tagen über den Schutz von weltweit einzigartigen Bräuchen und Traditionen.

Bei der Konferenz auf der indonesischen Insel Bali ist Deutschland allerdings außen vor. Zum Ärger vieler Brauchtumsschützer hat die Bundesregierung das Unesco-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes bislang nicht unterzeichnet. Keine einzige deutsche Tradition steht deswegen auf der prestigereichen Liste.

Das soll sich allerdings bald ändern. Die Arbeitsgruppe Kultur und Medien der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat den Druck in den vergangenen Monaten erhöht. Mittlerweile gibt es einen gemeinsamen Antrag an die Bundesregierung zum Thema. «Wir gehen davon aus, dass Deutschland dem Übereinkommen im nächsten Jahr beitritt», heißt es aus Unesco-Kreisen in Paris. Knapp 140 Länder haben dies bereits in den vergangenen Jahren getan und können seitdem besondere Bräuche und Traditionen unter Schutz stellen lassen.

Mögliche deutsche Kandidaten stehen schon lange Schlange. Die Thüringer würden gerne ihre Klöße zum immateriellen Weltkulturerbe küren lassen. Deutschlands Schausteller fordern Unesco-Schutz für Volksfeste wie das Münchner Oktoberfest, und auch der internationale Verband der Kneipp-Bewegung hat bereits Ansprüche angemeldet und will das Gesundheitskonzept nach Sebastian Kneipp schützen lassen. Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks fordert einen Titel für die deutsche Brotkultur. Und wie das französische Gastmahl und die mediterrane Küche soll natürlich auch das deutsche Bier von der Kulturorganisation der Vereinten Nationen geadelt werden.

«Wir sollten ein fundamentales Interesse daran haben, dass unsere über Generationen überlieferten Kenntnisse, unsere kulturellen Besonderheiten, Bräuche bewahrt werden, weil auch sie einen Teil unserer kulturellen Identität ausmachen», kommentierten vor einigen Wochen die Unionspolitiker Wolfgang Börnsen und Michael Kretschmer. Eines der Argumente gegen eine deutsche Beteiligung war bislang das Fehlen eindeutiger Kriterien für immaterielle Kulturgüter. Dies könne zu Missbrauch durch ökonomische, politische oder ideologische Interessen führen, bemängelten Kritiker.

Doch selbst wenn die Kritiker überzeugt oder überstimmt sind, dürften noch Jahre vergehen, bis alle Vorschläge geprüft und dem zuständigen Unesco-Komitee vorgelegt sind. Bislang ist nicht abschließend geklärt, wer sich in Deutschland um die Anträge kümmern soll. Voraussichtlich wird zumindest auf Länderebene der Aufbau von Verwaltungsstrukturen zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes erforderlich sein.

Weiteres Hindernis für eine schnelle Aufnahme vieler deutscher Traditionen auf die Kulturerbeliste ist der große Andrang auf die Plätze. Unesco-Chefin Irina Bokowa kritisierte zu Beginn der diesjährigen Komitee-Sitzung auf Bali die hohe Zahl der Nominierungen und forderte eine Höchstzahl von weltweit 60 pro Jahr. Bei einer ausgeglichenen Verteilung wäre Deutschland damit nicht einmal jedes zweite Jahr mit einem Vorschlag dran.

news.de/dpa

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig