So., 27.05.12

Theater 24.11.2011 Finanzkrise stärkt Theaterszene den Rücken

Die Theaterszene in Deutschland profitiert nach Ansicht renommierter Theatermacher von der aktuellen Banken- und Finanzkrise. Sowohl das Sprech- als auch das Musiktheater würden als «Orte des Abarbeitens gesellschaftlicher Fragen» mehr denn je in das Interesse der Öffentlichkeit rücken.

Frankfurt/Main (dpa) - Die Theaterszene in Deutschland profitiert nach Ansicht renommierter Theatermacher von der aktuellen Banken- und Finanzkrise. Sowohl das Sprech- als auch das Musiktheater würden als «Orte des Abarbeitens gesellschaftlicher Fragen» mehr denn je in das Interesse der Öffentlichkeit rücken.

Denn Kulturinstitutionen gäben vor dem Hintergrund einer breiten Verunsicherung verlässliche Antworten auf gesellschaftliche Fragen, befanden mehrere deutsche Intendanten in Frankfurt im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Steigende Besucher- und Auslastungszahlen an den meisten deutschen Häusern belegten dies.

«Wir verlieren nicht das Publikum - ganz im Gegenteil», sagte der Heidelberger Intendant Holger Schultze. Er hatte am Montag im Deutschen Bühnenverein den Vorsitz des Ausschusses für Künstlerische Fragen übernommen. «Das Theater bezieht momentan immer mehr gesellschaftlich Position», meinte auch sein Vorgänger, der Intendant des Deutschen Theaters in Berlin, Ulrich Khuon. Die Bühne sei inzwischen das «Zentrum einer Stadt, wo diskutiert wird».

Auch der Frankfurter Opernintendant Bernd Loebe sprach von «vollen Theatern als Zeichen einer Krise». Gerade vor dem Hintergrund einer wirtschaftlichen Verunsicherung suchten die Menschen «eine gewisse Nestwärme». «Das Publikum stellt Fragen an das Theater - um festzustellen, man ist nicht alleine damit», sagte er. Das Theater sei heute wie ein Krankenhaus mit einer sehr großen Ambulanz: «Wir behandeln die Leute ein paar Stunden und entlassen sie dann wieder.»

Der Geschäftsführende Direktor des Deutschen Bühnenvereins, Rolf Bolwin, bezeichnete die deutsche Theaterlandschaft als einen bedeutenden Standortfaktor für Deutschland. Viele Städte hätten die Bedeutung des Kulturbetriebs als Wirtschaftsfaktor erkannt. Als Beispiele für eine gelungene Positionierung nannte er Berlin und Frankfurt. Sorgen bereiteten weiterhin die Häuser in Bonn, Schwerin, Rostock und Trier. Dort wolle man die Theater zu Tode sparen.

news.de/dpa
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