So., 27.05.12

Culcha Candela 27.11.2011 «Ein Zuckerwürfel mit Medizin draufgetröpfelt»

Von news.de-Volontärin Juliane Ziegengeist

Spätestens seit ihrem Hamma!-Album hat jeder von 15 bis 35 schon mal zu einem von Culcha Candelas Partysongs getanzt. Ihr Neuwerk Flätrate ist nicht minder dafür geeignet, spielt zugleich mit dem Image der Spaßband und macht auch Fans der ersten Stunde glücklich.

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Dank Hits wie Hamma!, Monsta und Berlin City Girl hat die Berliner Multikultikombo Culcha Candela den Ruf einer Gute-Laune-Band. Die sechs Jungs aus Deutschland, Polen, Kolumbien, Uganda und Korea stehen für Spaß am Leben, vor allem am Partyleben. Dafür eignet sich ihre Musik, eine Mischung aus Reggae, Rap und Pop, allemal. Mit ihrem fünften Studioalbum Flätrate liefern sie neuen Stoff zum Feiern, der nicht immer den Nerv ihrer alteingessesenen Fans treffen dürfte, seine Zielstellung aber dennoch nicht verfehlt: Stimmung machen.

Das tun die Musiker aber nicht allein der guten Laune wegen. So ist wie schon bei Schöne Neue Welt auch der erste Titel des neuen Albums nicht wortwörtlich zu verstehen. Mit Flätrate, bei dem im Stile der Atzen drauflos gebrüllt wird, was die Kehle hergibt, huldigt Culcha Candela nicht etwa fragwürdigen Trends wie Komasaufen oder der Gier nach einem immer größeren Stück vom Kuchen. Im Partysong versteckt sich eine Gesellschaftkritik an eben diesen Entwicklungen, «wo man nicht zu doll den Zeigefinger hebt, weil das dann zu viel ist für die Leute», sagt Johnny Strange im dapd-Interview. «Jedes Album ist ein Zuckerwürfel mit Medizin draufgetröpfelt», fügt Itchyban hinzu.

Dass er und seine Bandkollegen auch ohne Discorhythmen nachdenklich sein können, zeigt der letzte Albumtitel Morgen fliegen, der keinen größeren Kontrast zum Opening darstellen könnte. Ein leiser Song mit ungewöhnlich ernsten Zeilen: «Das Leben hat keinen Sinn außer den, den wir ihm geben.» Ein Mutmacher-Song, wie Mr. Reedo sagt, der einen Großteil des Titels allein bestreitet. «Es ist nicht alles toll im Leben, aber ihr könnt euch entscheiden, glücklich zu sein», glaubt er. Dabei sollen die 15 Songs auf Flätrate helfen, die sich mit Ausnahme von besagtem Anfang und Schluss vor allem um drei Dinge drehen: wilde Partys feiern, Frauen aufreißen und chillen.

Wie die erste Singleauskopplung Hungry Eyes - ab 12. Januar 2012 auch im Kino als Titelsong von Offroad zu hören - gehen viele Nummern mit tiefen Rapstrophen à la Itchyban und melodischem Chorus ins Ohr, die meist von der zarteren Stimme Larsitos getragen wird. Noch stärker als sonst hat DJ Chino ihnen elektronische Einflüsse verpasst. Die Texte sind gewohnt direkt und jugendsprachlich. «Es war voll der Flash, wir haben sofort connected», heißt es etwa in Megaherz. Worauf das hinauslaufen soll, wird spätestens zum Ende des Titels Am Start deutlich, wenn das Bett rhythmisch quietscht.

Wer sich nach den Dancehall-Culchas der frühen Jahre sehnt, die auch mal wieder auf Spanisch oder Patois rappen, wird auf Flätrate ebenfalls fündig. In Big Fat Smile und Rise And Shine erleben Mr. Reedo, Johnny Strange und Don Cali ihre Sternstunden und holen Jamaika in unsere Breitengrade - und das im Winter. Von Alleine hätte das Zeug zum Fußball-WM-Hit, Millionäre bringt den Groove von Somma im Kiez zurück. Insofern können alte wie neue Fans auf der Platte einen Lieblingssong finden - und sich im März 2012 davon überzeugen lassen, dass er auch live gut klingt. Dann geht Culcha Candela auf Deutschlandtour.

Interpret: Culcha Candela
Album: Flätrate
Plattenfirma: Universal Music
Veröffentlichungsdatum: 25. November 2011

ruk/news.de/dapd
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