Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger
Spieglein, Spieglein an der Wand: RTL2 spendiert zwei Frauen 1170 Gramm Brustimplantate und erhält im Gegenzug große Gefühlsausbrüche, die sich publikumswirksam senden lassen. Früher wurden nach diesem Prinzip noch Autos aufgemotzt.
Eine Generalüberholung ist bereits für ein Auto ein aufwändiges Unterfangen. Bei Menschen ist die Sache doppelt kompliziert. Zum einen sind da ethische Fragen zu klären, zum anderen ist das mit der Garantie so eine Sache. Das soll aber den Privatsender RTL2 nicht davon abhalten, offenbar schwer depressiven Frauen und auch einigen Männern Woche für Woche für das Format Extrem schön Schönheitsoperationen zu finanzieren.
Im Gegenzug liefern die Privatfernsehpatienten große Gefühle, wie man sie zuvor nur von überraschten Gebrauchtwagenbesitzern der MTV-Show Pimp My Ride kannte. Dort wurden aus unscheinbaren Wracks glitzernde und blinkende Angeberkarossen gebastelt, die überwältigten Besitzer umarmten nach der Bling-Bling-Kur regelmäßig die Tuner und Werkstattchefs. Bei Extrem schön ist das Prinzip das gleiche, nur die Protagonisten sind nicht vierrädrig, sondern zweibeinig. Auch hier fallen die von ihrem Leid erlösten den Handwerkern schließlich in die Arme. In dem Fall sind das allerdings plastische Chirurgen oder Zahnärzte.
In der gestrigen Folge verteilte RTL2 gleich zwei Mal zwei Brustimplantate für ein stärkeres Selbstbewusstsein der beiden Patientinnen Christa (49) und Tatjana (30). Erstere durfte sich über 2 x 335 Gramm, zweitere über 2 x 250 Gramm mehr Silikon vor der Hütte freuen. Und es sind ja auch nicht nur die Betroffenen selber, die überwältigt vom neuen Aussehen sind. Die ganze Familie darf noch je zwei Sätze zur Inspektion und Reparatur eines nahestehenden Menschen sagen.
RTL2: Wahre Schönheit kommt von außen
Wahre Schönheit kommt von innen, heißt es im Volksmund, zumindest ab und an. RTL2 setzt derweil auf äußere Hübschheit und macht das zumindest in Grundzügen verantwortungsbewusster als andere Privatsender. Jeder Behandlung gehen ausführliche Hinweise auf die Risiken der Eingriffe voraus und auf psychologische Voruntersuchungen wird ebenso verwiesen. Wenn man sich schon zum Steigbügelhalter der Schönheitsindustrie macht, dann wenigstens einigermaßen im Rahmen der Genfer Menschenrechtskonventionen.
Bleibt noch das Kopfschütteln des Zuschauers angesichts einiger Äußerungen der Patientinnen. So zog sich Tatjana während ihrer Schwangerschaft nach eigener Aussage ohne Betäubung einige Backenzähne. Der Grund: Große Schmerzen und ein angeblich wegen der Schwangerschaft nicht behandlungswilliger Zahnarzt. Da interessiert sich der nun behandelnde Zahnarzt natürlich, ob die Zähne schon locker waren. «Nein, die habe ich mir mit der Nadel locker gemacht», so die erschütternde Antwort der jungen Mutter.
Klar, dass sie auch diejenige ist, die die vielen OPs besser verkraftet als Leidensgenossin Christa. Sie hat sich «buchstäblich die Augen ausgeweint», wie der Off-Sprecher kompromisslos verkündet, zwei Schicksalsschläge in der Familie seien der Grund dafür gewesen. Aber schlaffe Unter- und Oberlider sind für die Ärzte der Mangschen Spezialklinik ja eher Routine, und wenn dann noch 670 Gramm Brust und eine gepflegte Fettabsaugung dazukommen, sind die Docs auch nicht böse. Der Sender zahlt es, die Frauen und die Familien freut es.
Bestes Zitat: «Brust raus, jetzt haste welche!» Tatjana muss sich Töne wie von Heidi Klum gefallen lassen.
Solche Sprüche und mehr gibt es eine Woche lang in der RTL2-Mediathek zu sehen.
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