Die Liebe ist an und für sich schon schwierig genug. Um wieviel komplizierter ist sie erst, wenn man sich in Gefühlsdingen überhaupt nicht auskennt. So ergeht es Simon. Er hat das Asperger-Syndrom, eine Form des Autismus, und kann menschliche Regungen deshalb nur sehr schwer nachvollziehen.
München (dpa) - Die Liebe ist an und für sich schon schwierig genug. Um wieviel komplizierter ist sie erst, wenn man sich in Gefühlsdingen überhaupt nicht auskennt. So ergeht es Simon. Er hat das Asperger-Syndrom, eine Form des Autismus, und kann menschliche Regungen deshalb nur sehr schwer nachvollziehen.
Dennoch wagt er sich an eine schwierige Aufgabe: Er will seinem Bruder unbedingt eine neue Freundin besorgen. Doch stattdessen richtet Simon ein großes Chaos an. «Im Weltraum gibt es keine Gefühle» nennt sich der wunderbar anrührende und auch komische Film von Andreas Öhmann, den Schweden 2011 ins Rennen um den Oscar geschickt hatte.
Simons Welt besteht aus mathematischen Gesetzmäßigkeiten und aus immer gleichen Abläufen. Vom Aufstehen bis zum Einschlafen - immer die gleichen Rituale. Am liebsten sollte alles kreisrund sein und anfassen darf man ihn überhaupt nicht. Seit einem Streit mit seinen Eltern wohnt er bei seinem Bruder Sam und dessen Freundin Frieda. Eine harte Belastungsprobe für die Beziehung der beiden. Denn Simon kennt keine Grenzen und erwartet immer wieder volle Aufmerksamkeit von Sam. Wenn es Ärger gibt, verkriecht er sich in seiner Weltraumkapsel - einer alten Wassertonne im Wohnzimmer und ist unerreichbar.
Bald hält Frieda den Druck nicht mehr aus und verlässt Sam. Das Leben der Brüder gerät völlig aus den Fugen. Für Simon eine Qual, und so beschließt er, Sam eine neue Freundin zu besorgen. Doch weil Simon die Gefühle anderer Menschen nicht deuten kann, kommt es bei der Partnersuche zu Missverständnissen, die mal berührend, mal unglaublich komisch sind.
Mit viel Einfühlungsvermögen hat Öhmann die Geschichte im Stil von «Elling» inszeniert. Spannend dabei ist, dass er sie vor allem aus der Perspektive Simons erzählt. So werden die Zuschauer Teil seiner Welt, in der alles an Ritualen ausgerichtet ist. Wunderbar sind die Szenen, in denen Simon versucht, eine junge Frau auf der Straße anzusprechen, um sie für seinen Bruder zu gewinnen.
Dass Liebe Zeit braucht und nicht plötzlich da ist, bloß weil jemand ein hübsches Gesicht hat, versteht er nicht. Unverständlich ist ihm auch, warum Sam anfangs so darunter leidet, dass Frieda verschwunden ist. Denn für ihn ist alles ganz einfach ohne den verwirrenden Ballast der Gefühle. Eine Einstellung, die manches erschwert, die aber auch zeigt, dass man vieles oft komplizierter macht, als es eigentlich ist. Ein erfrischender Film, nach dem man vergnügt und beschwingt nach Hause geht.
news.de/dpa