Einen «Handy-Crashkurs» für Senioren hatte die Neuköllner Oper versprochen. Das ultimative Erklär-Stück zur Smartphone-Ära blieb die experimentierfreudige Off-Bühne, die frischen Wind in den sozial schwachen Berliner Stadtteil gebracht hat, jedoch schuldig.
Berlin (dpa) - Einen «Handy-Crashkurs» für Senioren hatte die Neuköllner Oper versprochen. Das ultimative Erklär-Stück zur Smartphone-Ära blieb die experimentierfreudige Off-Bühne, die frischen Wind in den sozial schwachen Berliner Stadtteil gebracht hat, jedoch schuldig.
Dafür bot die Premiere von «Bei Drücken senden» am Donnerstag ein schräges und ideenreiches Musiktheater zum Verhältnis von Senioren und Technik. Dieses Thema kleidete die Produktion in ein ungewöhnliches musikalisches Gewand: Walzer-Rhythmen und Opern-Gesang kommen im Mix mit dem Gedudel alter Konsolenspiele und Elektro-Beats daher.
In dem Stück der jungen Berliner Nachwuchsautorin Olivia Wenzel schwatzen zwei coole Jugendliche (Philipp Leinenbach und Manuel Mairhofer) einer schrägen Seniorin einen Handy-Schnellkurs auf. Vom Erlös wollen sie ihre Spielschulden zu begleichen. Die Dame macht mit - und kann bald nicht mehr von ihrem Touchscreen lassen.
Manchmal gleitet die Handlung zwar ins banale Absingen einer Bedienungsanleitung ab. Doch in den besten Momenten führt der Zusammenprall der Generationen zu flott formulierten Erkenntnissen über das Eindringen des Handys in den Alltag. Untermalt wird dies durch das allgegenwärtige Piepsen und Sirren, das die Musik von Michael Emanuel Bauer vielfältig aufnimmt.
«Ich hab es jetzt verstanden, wozu das alles», ruft die Seniorin, nachdem sie eine ganze Nacht mit ihrem Smartphone gespielt hat, «weil alles möglich ist!» Die Technik verändert auch die Art und Weise, wie sie Beziehungen ausdrückt: Die Bitterkeit über ihren durchgebrannten Mann zeigt sich nun im Löschen des Handy-Kontaktes.
Überhaupt ist die Figur der Gerlinde (Gabriele Schwabe) ein Gewinn für die Inszenierung von Esther Muschol. Denn sie entspricht trotz stilechtem Blümchenkleid und Kassengestell so gar nicht dem Bild, das ein 15-Jähriger sich von der Generation seiner Großeltern macht.
Gerlinde hat einen Raben in der Tiefkühltruhe, legt die Füße auf den Tisch und führt die Jungs auch ein gutes Stück an der Nase herum. «Die meinen, die erklären mir die ganze Welt», kommentiert sie mit nachsichtigem Lächeln. Das ist auch der recht pädagogische Schluss des Stücks: Technik hin oder her - letztlich kommt es darauf an, wie Menschen miteinander reden und was Freundschaft ausmacht.
news.de/dpa