So., 27.05.12

Fernsehen 10.11.2011 Hinter Kaifeck

Hinter Kaifeck (Foto)
Hinter Kaifeck Bild: dpa

Ungeklärte Mordserien beflügeln die Fantasie der Kreativen. In Filmen werden Lösungen zu mysteriösen Kriminalfällen angeboten - das beste Beispiel ist wohl «Jack the Ripper», der es auf unzählige Kinoversionen brachte. In Deutschland zählt der Sechsfachmord von Hinterkaifeck aus dem Jahr 1922 zu den abgründigsten Kriminalfällen, die bis heute nicht aufgeklärt sind.

Berlin (dpa) - Ungeklärte Mordserien beflügeln die Fantasie der Kreativen. In Filmen werden Lösungen zu mysteriösen Kriminalfällen angeboten - das beste Beispiel ist wohl «Jack the Ripper», der es auf unzählige Kinoversionen brachte. In Deutschland zählt der Sechsfachmord von Hinterkaifeck aus dem Jahr 1922 zu den abgründigsten Kriminalfällen, die bis heute nicht aufgeklärt sind.

Vor zwei Jahren wagten sich zwei Kinoproduktionen an den schauerlichen Fall, bei dem eine ganze Familie ausgelöscht wurde. Neben der Verfilmung des Romans «Tannöd» der Krimiautorin Andrea Maria Schenkel kam der Mystery-Thriller «Hinter Kaifeck» mit Benno Fürmann und Alexandra Maria Lara in die Kinos. Jetzt zeigt ihn ProSieben an diesem Donnerstag um 20.15 Uhr.

Der Journalist Peter Leuschner hat den schauerlichen Fall in seinem Buch «Der Mordfall Hinterkaifeck» (Apus-Verlag 2007) recherchiert. Bei der Lektüre überkommt den Leser das kalte Grauen: Offenbar lebte der Mörder vor der Tat tagelang heimlich auf dem Dachboden des abgelegenen bayerischen Einödhofes Hinterkaifeck und beobachtete die Familie. Nachdem er alle Bewohner - der jüngste von ihnen war ein zweijähriges Kind - mit einer Spitzhacke erschlagen hatte, blieb er vermutlich noch vier Tage lang am Ort des Verbrechens und versorgte das Vieh. Eins der möglichen Motive ist die Rache für den Inzest zwischen Vater und Tochter. Der Mörder wurde nie ermittelt.

Regisseurin von «Hinter Kaifeck» ist Esther Gronenborn. Das erscheint wie ein Missverständnis: Die preisgekrönte Gronenborn hat in Sozialdramen wie «alaska.de» (2000) großes Talent bewiesen - als Regisseurin eines Suspense-Thrillers hat sie hingegen keine Erfahrung.

Nun hat Gronenborn eine anämische Nullnummer inszeniert, arm an Spannung und arm an Überraschungen. Eine erschütternde wahre Begebenheit wird nach Gutdünken verbogen und in einem übernatürlichen Mystery-Film als verblasste Hintergrundgeschichte verwendet. In der Haupthandlung reist ein Fotograf (Fürmann) in der heutigen Zeit an den Ort des Verbrechens und bekommt dort Visionen vom Mord. Knarrende Türen, finstere Wälder und Nebelschwaden sind Spannungselemente wie aus der Konserve.

Mit diabolischen Kostümen wird bayerische Folklore bemüht. Anstatt die Figuren ambivalent zu brechen, steht ihre filmische Funktion schon beim ersten Auftreten fest: Wer finster guckt, ist tief in die Schuld der Vergangenheit verstrickt - und wer rehäugig wie Alexandra Maria Lara dreinblickt, kann nur die Unschuld vom Lande sein.

news.de/dpa
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