Von news.de-Volontärin Juliane Ziegengeist
Ein Flügel ohne Tasten und ein Auftritt wie vom anderen Stern sollen die Supertalent-Jury begeistern. Diese ist irritiert bis angeekelt. Einer lässt es drauf ankommen, gewinnt 100 Euro und verzockt sich dennoch. Da können nur drei starke Stimmen helfen.
Dass die absolute Mehrheit der Supertalent-Anwärter in den Castings an hochgradiger Selbstüberschätzung leidet, ist nicht neu. Dem 61-jährigen Soltan aus der Schweiz und dem 56-jährigen Stefan aus Braunschweig, die gestern Abend in der RTL-Show ihr Glück versuchten, kann man nach deren Darbietung aber gut und gerne Größenwahn unterstellen. Soltan, der optisch auch als Bestatter durchgehen könnte, hält selbst große Stücke auf sich. Das letzte Mal, dass er am Flügel gesungen hat, war in einer Disco in Südfrankreich.
«Die war so groß wie ein Tempel», behauptet er großspurig. Dann müsste ja die Supertalent-Bühne genau das Richtige für ihn sein. Dumm nur, dass Soltan nicht singen und schon gar nicht Klavier spielen kann. Letzteres gibt er auch gerne zu. Zwar sei seine Mutter Klavierlehrerin, aber er immer zu faul gewesen, es zu lernen. Deshalb setzt sich der Schweizer lieber an einen Glasflügel ohne Tasten und demmelt darauf herum. Das gute Stück soll eine Sonderanfertigung für 3000 Euro sein, sieht aber mehr aus wie ein aus Plexiglasscheiben zusammengeklöppeltes Etwas.
Sein Auftritt löst deshalb zu Recht Kopfschütteln aus. «Das ist, wie wenn man sagt, ich fliege, und dann einfach durch die Tür läuft», meint Motsi. Doch Soltan will ein «Nein» der Jury nicht akzeptieren und wettet, als hätte er sich in der Show geirrt, dass er das Publikum mit seinem zweiten Song überzeugen kann. 100 Euro landen auf dem Jurytisch. Wenn es klappt, will er weiterkommen und denselben Einsatz von Dieter bar auf die Kralle.
Dem sitzt der Hunni in der Hosentasche natürlich locker und er lässt es drauf ankommen. Und tatsälich: Das Publikum klatscht mit und Soltan hat seinen Einsatz mal eben verdoppelt. Aber nicht etwa, weil er beim zweiten Mal besser war, sondern trotz einer erneuten Juryabsage nicht gehen wollte. Die Zuschauer haben natürlich nur geklatscht, um Dieter zu ärgern. Sonst hätte man auch wirklich vom Glauben abfallen müssen.
Drei starke Stimmen
Das gilt auch für Stefan, den zweiten Kandidaten an diesem Abend, der sich für ein «Gesamtkunstwerk» hält. Er ist Wiederholungstäter, war schon zweimal dabei. Nach der legendären Bauchrolle und der Flugente verspricht er nun Großes und ist sich sicher, alle von den Stühlen zu hauen. Was dann passiert, kann nur ein schlechter Scherz sein. Denn was der Braunschweiger mit dem Hitlerbärtchen als «seiner Zeit voraus» nennt, ist einfach nur gaga. Zu Je t'aime tanzt er in Trombosestrümpfen über die Bühne, um sich schließlich aus seiner Lederhose zu schälen. Da hilft nur noch Zensur: Ein Supertalent-Stern verdeckt das Nötigste und bewahrt den Zuschauer vorm Supergau. Der Jury fehlen die Worte, Motsi und Sylvie schauen entgeistert bis angeekelt drein und Dieter fragt: «Gibt es denn in Braunschweig keine Ärzte, die dir helfen können?» Stefan zeigt sich davon völlig unbeeindruckt. Er werde wiederkommen, kündigt er an, denn die Bauchrolle mache ihm so schnell keiner nach. Besser ist das.
Lichtblicke an diesem Abend sind vor allem drei Gesangstalente. Felicitas hat das Publikum schon nach einem Satz auf ihrer Seite. Die 15-jährige, die bei Adoptiveltern lebt, stammt ursprünglich aus der Karibik, spricht aber perfekt Bayerisch. Mit Let It Rain von Amanda Marshall sorgt sie für einen Gänsehautmoment. «Du hattest die Leute nach zwei Sekunden, weil der Sound deiner Stimme toll ist», urteit Dieter. Sympathisch zurückhaltend und mit Hammerstimme könnte sie es beim Supertalent weit bringen.
Nicht minder talentiert ist der 22-jährige Student Leon aus Wien. Er verkörpert das, was man einen smarten Sunnyboy nennt: In lässigen Shorts und mit breitem Grinsen erobert er mit einer Gitarrenversion von Beyoncés Halo die Herzen von Motsi und Sylvie im Sturm. Bewegt hat die Juryfrauen auch Torben, aber auf eine andere Art und Weise. Der 26-Jährige aus Husum ist arbeitslos, stark übergewichtig und leidet an Depressionen. Seine Chance beim Supertalent will er nutzen, um endlich wieder auf eigenen Füßen zu stehen.
Seine Geschichte und seine rauchige Stimme, mit der ein selbst komponiertes deutsches Lied singt, erinnern an Michael Holderbusch aus der vergangenen Supertalent-Staffel. Doch begeistert wie bei ihm ist Dieter dieses Mal nicht. Torben habe eine gute Stimme mit Wiedererkennungswert, aber «diese Betroffenheitsmucke wird schnell langweilig. Da komm' ich schlecht drauf.» Motsi und Sylvie geben dem 22-Jährigen dennoch eine Chance. Hoffentlich ergreift er sie, um auch Dieter zu überzeugen.
Bestes Zitat: «Seid ihr bescheuert oder was?» (Dieter gefällt es gar nicht, dass das Publikum bei Soltans zweitem Song mitklatscht.)
cvd/news.de
beschimpfungen über die show oder bohlen sind nicht zielführend. solche dinge entstehen aus angebot und nachfrage. ergo: die leute wollen es, wenns bohlen nicht macht, machts ein anderer, doch bohlen macht das sehr gut, wie man an der nachfrage sieht.
jetzt antwortenKommentar meldenDieser Soltan ist schon ein komischer Vogel, aber er kann besser singen als der Verfasser diese Artikels schreiben kann :D
jetzt antwortenKommentar meldenWaldemar, das mit den Schmeißfliegen ist mindestens schon mehr als 50 Jahre alt. Aber wie Du siehst, funktioniert es immer noch. Das ändert sich auch in 100 Jahren nicht. Das kannst glauben.
jetzt antwortenKommentar meldenDiesem PERVERSEN SENDER RTL und dieser "ABNORMEN TALENT SHOW" mit dem Superstar Dieter Bohlen kann man wirklich nur bescheinigen: "MEHR GEHT NICHT!!!" Ein Mehr an Dummheit, Perversion, Krankhaftigkeit, Niveaulosem und Krankhaften ist schwerlich zu toppen. Dennoch muss man Herrn Bohlen uneingeschränkt das Kompliment aussprechen, dass er das Niveau und den Geschmack der Deutschen wieder einmal vollends getroffen hat. Frei nach dem Grundsatz: "100 BILLIONEN SCHMEISSFLIEGEN KÖNNEN SICH NICHT IRREN, FRESST MEHR SCHEISSE!"
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