Kunst Eine Putzfrau wirft die Frage auf: Was ist Kunst?

Darüber lacht die Republik: In einem Museum in Dortmund hat eine Putzfrau Teile eines Kunstwerks weggeschrubbt. Es geht um einen Holzplattenturm mit einem weißlichen Kalkfleck. Diesen Fleck hat die Putzfrau entsorgt, weil sie ihn für Schmutz hielt.

Eine Putzfrau wirft die Frage auf: Was ist Kunst? (Foto)
Eine Putzfrau wirft die Frage auf: Was ist Kunst? Bild: dpa

Dortmund (dpa) - Darüber lacht die Republik: In einem Museum in Dortmund hat eine Putzfrau Teile eines Kunstwerks weggeschrubbt. Es geht um einen Holzplattenturm mit einem weißlichen Kalkfleck. Diesen Fleck hat die Putzfrau entsorgt, weil sie ihn für Schmutz hielt.

Das Werk mit dem Titel «Wenn's anfängt durch die Decke zu tropfen» hat einen Versicherungswert von 800 000 Euro. Wie der Fall nun genau geregelt wird, muss aber erst noch geklärt werden. Martin Kippenberger, der es geschaffen hat, ist schon 14 Jahre tot. Obendrein ist das Werk eine Leihgabe. Und der Besitzer findet es vermutlich gar nicht zum Lachen.

Eine Sache ist der Putzfrau immerhin gelungen: Alle reden jetzt über Kunst - beim Abendessen, im Büro, wo auch immer die kuriose Geschichte erzählt wird. Und man erinnert sich daran, wie 1986 die berühmte Fettecke des Joseph Beuys ebenfalls von einer beflissenen Reinigungskraft beseitigt wurde.

Was Kunst ist und was nicht, war zu allen Zeiten schwer zu definieren. Die Impressionisten wurden auch als Schmierfinken beschimpft. Kalk- und Fettflecken können Kunst sein, wenn damit eine Aussage verbunden ist. Mit dem Fett wollte Beuys zum Beispiel ein Werk schaffen, das seine Farbe und Konsistenz verändert, das «lebt» und - genauso wie der Mensch - irgendwann nicht mehr da ist.

Durch die Putzfrau wurde dieser Prozess des Verschwindens allerdings arg beschleunigt. Wobei es durchaus Künstler gibt, die solche Eingriffe zu schätzen wissen: Als ein Unwetter 2007 eine Skulptur von Ai Weiwei auf der documenta in Kassel einstürzen ließ, meinte der Chinese anschließend: «Das ist besser als vorher.»

So sieht man die Sache in Dortmund aber eher nicht. «In dem Fall ist es so, dass das Kunstwerk sich nicht verbessert hat, sondern es hat wirklich einen Schaden erlitten», erläutert Gerhard Finckh, Direktor des Von-der-Heydt-Museums in Wuppertal. «Bei Ai Weiwei war es ja so, dass der Sturm eine interessante skulpturale Form noch interessanter gemacht hat. Da ist es ausnahmsweise so, dass die Beschädigung ein Ding besser gemacht hat.»

Dass es heutzutage schwierig sein kann, Kunst als solche zu erkennen, hat auch damit zu tun, dass viele Künstler Alltagsgegenstände verwenden und das Werk nicht mehr an die Wand hängen, sondern in den Raum stellen. «Gerade bei abstrakteren Figuren ist es dann schwierig auseinanderzuhalten, was Kunst ist und was nicht», meint Finckh. «Bei so einem Kalkfleck ist die Verwechslungsmöglichkeit immer da. Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler.»

Wäre nicht allen geholfen, wenn man den Kalkfleck einfach wieder hinmachen würde? Ja, sagen Experten, aber es ist dann nicht mehr das selbe wie vorher. «Das Original ist eben das, wo ein Künstler zum ersten Mal etwas gemacht hat», meint Prof. Raimund Wünsche, Kunstbuchautor und pensionierter Direktor der Münchener Glyptothek. «Deshalb hat es oft eine besondere Intensität.» Es geht um die Idee - nachmachen kann jeder.

news.de/dpa

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