Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann, Berlin
Das ZDF schickt die schräge Science-Fiction-Serie Ijon Tichy: Raumpilot in eine zweite Runde. News.de hat die Hauptdarsteller Nora Tschirner und Oliver Jahn zum Interview getroffen und mit ihnen eine neue Weltformel entwickelt.
Ein Kosmonautenheld im Feinrippunterhemd: Ijon Tichy ist Raumfahrer und selbst ernannter Held. In der schrägen Science-Fiction-Serie Ijon Tichy: Raumpilot reist Tichy (Oliver Jahn) in einer Rakete durch das Weltall, die von innen eine schrammelige Dreizimmer-Wohnung ist. Damit er sich auf seine Heldentaten konzentrieren kann, hat er sich eine Assistentin gebaut. Die Analoge Hallizunelle (Nora Tschirner) ist ein Hologramm, hat aber dennoch ihren eigenen Kopf. Gemeinsam bekämpfen sie schwarze Löcher, braten Omelettes und retten das Weltall.
Das ZDF schickt das Format aus dem Jahr 2007 jetzt in eine zweite Runde. Ab dem 4. November läuft die zweite Staffel der Serie in vier Doppelfolgen jeweils freitags ab 21 Uhr auf ZDFneo. News.de hat Regisseur und Hauptdarsteller Oliver Jahn und die Darstellerin der Analogen Hallizunelle Nora Tschirner zum Interview getroffen.
Was glauben Sie, warum ist die Ijon-Tichy-Serie so erfolgreich, dass es jetzt auch noch eine zweite Staffel gibt?
Nora Tschirner: Weil das ein sehr homogenes Produkt ist. Das sieht zwar improvisiert aus, ist aber alles kein Zufall. Ich glaube, dass es damit zu tun hat, dass da drei Menschen, nämlich die kosmischen Kollegen, von denen einer hier sitzt (blickt auf Oliver Jahn), eine gemeinsame Vision hatten und miteinander einfach kongenial sind. Sie erlauben sich eine Fantasie und Kompromisslosigkeit in der Umsetzung, dass sie Leute um sich herum sammeln, die mit Leidenschaft dazu beitragen. Man wird am Set niemanden finden, der nicht große Herzensaktien in diesem Projekt hat und deshalb kommt dann auch etwas dabei heraus, dass Hand und Fuß hat.
Und was glauben Sie, Herr Jahn?
Oliver Jahn: Ich glaube, dass die Machart ausschlaggebend ist. Es ist eigentlich ein kommerzielles Produkt, auch wenn es sehr speziell ist und man vielleicht erst einmal denkt, dass Science Fiction nur was für Nerds ist. Aber gerade durch die Mischung aus Alltag, einer Dreizimmer-Wohnung im Weltall und weil sich die Genres mischen, ist da für jeden was dabei. Ein bisschen Sesamstraße, ein bisschen Star Wars, ein bisschen Soap - vielleicht steckt sogar ein bisschen Rosamunde Pilcher mit drin.
Tschirner: Pilcher?!
Jahn: Ja, das ist dann ja so mehr deine Abteilung, oder? Neulich hat mir ein Freund erzählt, seine siebenjährige Tochter, die die Serie gesehen hat, stand am Fenster und hat gesagt: «Du, Papa – ich kann heute nicht zur Schule gehen, draußen ist Ström.» Das ist jetzt ein Insider aus der ersten Staffel, aber es zeigt, dass es für Kinder wie auch für Erwachsene funktioniert.
Tschirner: Ich glaube, dass ich Recht habe.
Jahn: Ach, wir haben irgendwie beide Recht.
Also, ich habe da noch eine andere Theorie...
Jahn zu Tschirner: Ach, was. Sie hat Recht.
...ich habe mich gefragt, ob es an der Form von Unprofessionalität liegt, die da gepflegt wird. Vielleicht ist es genau das Provisorische - das Raumschiff ist von innen eine schrammelige Altbauwohnung -, was die Leute so fasziniert. Weil es ein Ausflug aus in einem durchdeklinierten, auf Effizienz ausgerichteten Alltag ist. Was meinen Sie?
Jahn: Das ist ungefähr auch das, was ich meinte. Die Vermischung von verschiedenen Dingen - Science Fiction in einer Dreizimmerwohnung.
Tschirner: Also, ich glaube ja, was hier gerade passiert, ist: Unsere drei Theorien zusammen...
Jahn: ... ergeben die neue Weltformel.
Die Serie setzt dabei auch auf Retro-Charme. Das ist ja schon seit Jahren schick, in der Mode, im Design...
Jahn: Na, wir sind die Trendsetter, würde ich sagen.
Ach, so?
Jahn: Naja, die ersten Folgen sind 1998 und 1999 gedreht worden. Das hat der Rest der Welt uns dann einfach nachgemacht.
Tschirner: Wir wollen uns ja eigentlich nicht groß auf die Schulter klopfen, aber es stimmt schon: Die Trendsetter, die waren wir.