So., 27.05.12

Literatur 01.11.2011 Vom Leid chinesischer Mädchen

Vom Leid chinesischer Mädchen (Foto)
Vom Leid chinesischer Mädchen Bild: dpa

Sie werden gleich nach ihrer Geburt erstickt, lebend in einen Fluss geworfen oder auch schon mal in einem Klosetteimer ihrem Schicksal überlassen.

München (dpa) - Sie werden gleich nach ihrer Geburt erstickt, lebend in einen Fluss geworfen oder auch schon mal in einem Klosetteimer ihrem Schicksal überlassen.

Andere, die glücklicher dran sind, landen in einem der Waisenhäuser, von denen es in China seit Anfang der 90er Jahre immer mehr gibt - um dann vielleicht von fürsorglichen Adoptiveltern nach Amerika oder Europa gebracht zu werden.

Eine Ahnung vom geheimen, schier grenzenlosen Leid, das die 1979/80 verordnete Ein-Kind-Politik, aber auch uralte Denkmuster und sexuelle Unaufgeklärtheit über chinesische Kinder und ihre Eltern gebracht haben, vermittelt das an diesem Mittwoch erscheinende Buch der chinesischen Journalistin Xinran «Wolkentöchter».

Meist sind es die Mädchen, derer sich die Familien entledigen - in zahllosen Fällen bereits durch Abtreibung, schreibt die Autorin («Verborgene Stimmen», «Gerettete Worte»). Denn weibliche Nachkommen bescheren ihren Verwandten keine «Wurzeln», so heißt es. Auch verfügen sie nicht über die Körperkräfte, um als Unterstützer hoch im Kurs zu stehen. Bevölkerungspolitisch kurzsichtig gelten sie oft als «Plage». Zwar sind die staatlichen Geburtenregelungen inzwischen wieder gelockert, doch noch immer wisse beispielsweise kaum eines der 120 000 adoptierten Kinder in 27 Ländern, von wem es abstammt.

Verraten und verkauft fühlten sich diese Mädchen in ihrem Innern - vor allem von ihren Müttern, die doch oft ebenso verzweifelt seien. Voller Empathie und fundiert erzählt die seit 1997 in London lebende Autorin anhand einiger Fallbeispiele von menschlichen Tragödien und beschädigten Seelen im 1,3-Milliarden-Einwohner-Reich.

Tief reicht ihre persönliche Betroffenheit - hatte man ihr doch einst eine neugeborene Waisen-Pflegetochter namens Kleiner Schnee weggenommen. Xinran hat das Kind nie wiedergesehen. Ihr Buch «Wolkentöchter» ist auch ein Einsatz für ihre 2004 gegründete Initiative «The Mothers' Bridge Of Love», die Brücken bauen will zwischen China und dem Rest der Welt, zwischen Geburtskultur und Adoptionskultur.

Xinran

Wolkentöchter

Droemer-Verlag, München

320 Seiten, 18,99 Euro

ISBN 978-3-426-19901-5

news.de/dpa
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