So., 27.05.12

Film 01.11.2011 «Fenster zum Sommer» - Psychologische Zeitreise

«Fenster zum Sommer» - Psychologische Zeitreise (Foto)
«Fenster zum Sommer» - Psychologische Zeitreise Bild: dpa

In seiner fesselnden Fantasy-Romanze «Fenster zum Sommer» wirft der deutsche Regisseur und Autor Hendrik Handloegten die Frage auf, ob sich das Schicksal austricksen lässt, wenn wir glauben, die Zukunft bereits zu kennen.

Berlin (dpa) - In seiner fesselnden Fantasy-Romanze «Fenster zum Sommer» wirft der deutsche Regisseur und Autor Hendrik Handloegten die Frage auf, ob sich das Schicksal austricksen lässt, wenn wir glauben, die Zukunft bereits zu kennen.

Zeitreisen sind ein bewährtes Mittel im Kino, um die Protagonisten in andere Welten zu katapultieren, die in der Zukunft, Vergangenheit oder auch einem Paralleluniversum angesiedelt sein können. Die Hauptfigur wird aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen und plötzlich mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Der überraschende Zeit- und Ortswechsel vermittelt sich oftmals durch äußerliche Elemente wie Architektur, Mode und Technik, aber auch durch die gesellschaftlichen Strukturen.

In seinem neuen Spielfilm «Fenster zum Sommer» reduziert der deutsche Regisseur und Autor Hendrik Handloegten («Paul is Dead», «Was nützt die Liebe in Gedanken») die Zeitreise auf das Innenleben seiner Protagonistin. Kurz nachdem eine attraktive Mittdreißigerin ihre große Liebe getroffen hat, ist sie gefordert, die vergangenen sechs Monate ihres Lebens noch einmal zu durchleben. Die Vorlage zu dieser Geschichte lieferte die österreichischen Schriftstellerin Hannelore Valencak mit ihrem kafkaesken Zeitsprung-Roman «Das Fenster zum Sommer».

Glücklich und geborgen sinkt eine junge Frau (Nina Hoss) in die Arme ihrer großen Liebe (Mark Waschke) und genießt ihren ersten gemeinsamen Sommerurlaub in Finnland. Um so härter ist das Erwachen am nächsten Morgen. Zu ihrem Entsetzen liegt sie auf einmal wieder im Bett ihrer alten Wohnung in Berlin und ist auf die Beziehung mit ihrem Exfreund (Lars Eidinger) zurückgeworfen. Der Blick nach draußen bestätigt ihre Befürchtung. Es ist Winter und die Zeit scheint um einige Monate zurückgedreht zu sein. Mysteriöserweise ist sie die Einzige, die diese Situation so empfindet. Irritiert muss sie feststellen, dass ihr neuer Freund sie für eine Fremde hält, als sie ihn unter einem Vorwand anspricht.

Die Gewissheit, die unmittelbare Zukunft bereits zu kennen, setzt sie psychologisch massiv unter Druck. Damit liegt es nun in ihrer Hand, durch ihr Verhalten bestimmte Situationen zu steuern und somit das Leben ihrer Arbeitskollegin (Fritzi Haberlandt) zu retten. Zugleich ist sie fest davon überzeugt, jeden Schritt genau wiederholen zu müssen, damit sie an dem besagten Tag ihre große Liebe kennenlernt.

In «Fenster zum Sommer» zeigt Handloegten die emotionale Zerrissenheit seiner Hautfigur, die sich im permanenten Zielkonflikt zwischen selbstbestimmten Handeln und purer Schicksalsgläubigkeit befindet. Mit subtilem Mienenspiel gelingt es Hoss, ihr inneres Gefühlsleben glaubhaft nach außen zu vermitteln. Getrieben von der Angst, ihre große Liebe zu verpassen, versucht sie sich verzweifelt an jedes Detail aus der Vergangenheit zu erinnern. Der deutsche Regisseur hat diese psychologische Tour de Force als ein intelligentes, spannendes Spiel inszeniert, das dem Zuschauer bewusst einige Rätsel aufgibt.

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news.de/dpa
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