Literatur «Die Maske» - neue Erzählungen von Siegfried Lenz

Der «neue Lenz» liegt seit Donnerstag in den Buchläden. Gerade rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft bringt Hoffmann und Campe «Die Maske» heraus. Siegfried Lenz, der große Romancier und unterhaltsame Erzähler der deutschen Nachkriegsliteratur («Deutschstunde», «So zärtlich war Suleyken»), legt fünf neue Geschichten vor.

«Die Maske» - neue Erzählungen von Siegfried Lenz (Foto)
«Die Maske» - neue Erzählungen von Siegfried Lenz Bild: dpa

Hamburg (dpa) - Der «neue Lenz» liegt seit Donnerstag in den Buchläden. Gerade rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft bringt Hoffmann und Campe «Die Maske» heraus. Siegfried Lenz, der große Romancier und unterhaltsame Erzähler der deutschen Nachkriegsliteratur («Deutschstunde», «So zärtlich war Suleyken»), legt fünf neue Geschichten vor.

Sie dürften dem 85 Jahre alten Schriftsteller viel Kraft abverlangt haben. Immer wieder hatte er in den vergangenen Jahren operiert und x-fach bestrahlt werden müssen.

In der Titelgeschichte entwickelt Lenz das Thema, wie sehr Masken Menschen verändern und vermeintlich entlasten können. Eine Metapher auch für das, was wir im Leben darstellen oder darstellen wollen. Angelegt ist die Handlung auf einer Elbinsel. Ein Container aus China mit Tier-Masken für das Hamburger Völkerkundemuseum strandet. Er wird aufgebrochen, Urlauber und Einheimische bedienen sich, feiern beim Inselwirt eine «Maskenwahl». Doch eine «Maske des Abends» wird nicht gekürt, denn: «Alle bezeichnen etwas, alle schlagen uns vor, wie wir uns am besten gegen die Welt behaupten können, welche Eigenschaft uns hilft, ihr gewachsen zu sein.»

Norddeutsche Namen, Dünenlandschaft und raues Wetter bilden den atmosphärischen Hintergrund, dazu eine zarte Liebesgeschichte und augenzwinkernder feiner Humor. Lenz bleibt sich wie in vielen früheren Werken treu, auch was die unmissverständliche Symbolik betrifft. «Wir spielten das Spiel, das die Masken uns nahegelegt hatten», heißt es über das junge Liebespaar - Lene trägt eine Wildkatzen-Maske, Jan imponiert als Drache.

Hoffmann und Campe hatte «Die Maske» als Roman angekündigt. Erschienen ist jetzt der Erzählband mit der 40 Seiten langen Titelgeschichte. Manche Übergänge wirken abrupt, manche psychologische Entwicklungen nur angedeutet. Dafür gelingen Lenz atmosphärische Schilderungen, über Wirtshausschlägereien genauso wie über einen sich legenden Sturm: »(...) wie verausgabt rollte die See an, in der Luft spürte man eine ungewöhnliche Stille der Erschöpfung, aber auf einmal waren auch wieder die Stimmen der Seevögel zu hören, ihr ewiges Gezänk, ihre gellenden Warnrufe.»

Die vier anderen Erzählungen des Bandes sind mit 14 bis 26 Seiten deutlich kürzer. «Rivalen» handelt von der Eifersucht einer Ehefrau auf ein Frauenporträt, das ihr Ehemann - ein Museumswärter - mit nach Hause bringt. «Die Sitzverteilung» konfrontiert den Leser mit der Oberflächlichkeit des gesellschaftlichen Status von Menschen - parabelartig entfaltet an der Sitzordnung bei einer Ehrung. Die Kraft der Imagination entfaltet Lenz in «Ein Entwurf». Ein Schriftsteller im Krankenhaus liest seiner Frau das Leben ihres Sohnes vor, der in Wirklichkeit vor Jahren schon bei der Geburt starb.

«Das Interview» führt ein Journalist mit einem Filmregisseur über dessen Filme und Lebenssichtweisen. Als der Journalist das Ende des Films «Der Vorkoster» zu lakonisch findet - der Protagonist wird von einer Sturzwelle geschluckt - , antwortet der Regisseur alias Lenz: «Das Schicksal verzichtet oft auf Kommentare, es begnügt sich damit zuzuschlagen.»

Siegfried Lenz: Die Maske. Erzählungen, Hoffmann und Campe Verlag Hamburg, 128 Seiten, Euro 17,99, ISBN 978-3-455-40098-4

news.de/dpa

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