In Budapest verstärkt sich der Widerstand gegen die geplante Machtübernahme Rechtsradikaler im kleinen Theater Uj Szinhaz (Neues Theater).
Budapest (dpa) - In Budapest verstärkt sich der Widerstand gegen die geplante Machtübernahme Rechtsradikaler im kleinen Theater Uj Szinhaz (Neues Theater).
Nahezu 2000 Demonstranten verlangten am Samstag vor dem Theatergebäude, dass Oberbürgermeister Istvan Tarlos die Ernennung von György Dörner zum Direktor und Istvan Csurka zum Intendanten des Uj Szinhaz zurücknimmt. Tarlos, Politiker der in Ungarn regierenden rechtsnationalen Partei FIDESZ, verteidigte diesen Personalwechsel am Sonntag erneut und verurteilte das «Jammern» der Regierungsgegner um die aus deren Sicht gefährdete Demokratie.
Csurka ist bekennender Antisemit, Dörner hat dem «entarteten, krankhaft liberalen» Theaterbetrieb den Kampf angesagt. Rathauschef Tarlos sagte, dass viele von jenen, die heute «jammernd» um die Demokratie in Ungarn besorgt seien, während des Kommunismus aktive Diener der Diktatur gewesen seien. Es sei «nicht klug», im Zusammenhang mit dem Personalwechsel beim Uj Szinhaz «die Welt aufzuscheuchen» und die Bühne, die Werke klassischer ungarischer Autoren aufführen wolle, «als neonazistisch abzustempeln», sagte Tarlos nach Angaben der staatlichen ungarischen Nachrichtenagentur MTI in einer Rede zum Jahrestag des antisowjetischen Aufstands von 1956, den die Ungarn alljährlich am 23. Oktober feiern.
Gegen die Ernennungen, die Tarlos gegen den ausdrücklichen Rat einer Fachkommission traf, haben bereits zahlreiche Künstler aus Ungarn und aus dem Ausland protestiert. Zuletzt sagte der deutsche Dirigent Christoph von Dohnanyi aus Protest einen Gastauftritt an der Budapester Oper ab, die nur wenige Meter entfernt vom Uj Szinhaz liegt.
Auf der Kundgebung sagte Schauspieler Geza D. Hegedüs, dass die Ernennung von Csukra und Dörner «das Antihumane, die mörderischen Triebe amtlich legitimiert». In einer Satire-Performance verlangte der Verein Magyar Fokhagymafront (Ungarische Knoblauchfront) ironisch, dass alle Budapester Sackgassen nach Csurka benannt werden.
Csurka ist Vorsitzender der außerparlamentarischen, rechtsextremen Partei MIEP und Dramatiker. Der künftige Direktor Dörner ist Schauspieler und trat bereits mehrfach bei Kundgebungen der rechtsradikalen Parlamentspartei Jobbik auf. In seiner Bewerbung um das Amt kündigte er an, «das unter dem sozialliberalen Joch ächzende Ungarntum» befreien zu wollen. Das Mandat des Duos Dörner und Csurka soll im Februar 2012 beginnen.
Die scheidende Leitung des Uj Szihaz unter Direktor Istvan Marta rief unterdessen die Budapester auf, ihre Bühne weiter durch regen Besuch zu unterstützen und kündigte noch für diesen Herbst eine neue Premiere an: «Don Carlos», von Friedrich Schiller. Über dem Eingang des Theaters hängt ein Transparent, auf dem - täglich neu - die Anzahl der verbliebenen Tage bis zum geplanten Amtsantritt der Rechtsradikalen angegeben wird.
news.de/dpa