Bushido und Sido Kein bisschen Beef mehr

Peter Maffay macht es auch nicht besser: Auf dem Album 23 feiern Bushido und Sido ihre neue Freundschaft und holen sich Unterstützung von weiteren Musikern. Dabei machen sie auch nicht davor Halt, auf den Xavier Naidoo-Zug aufzuspringen. Leider.

Sido und Bushido (Foto)
Sido und Bushido: Wa(h)re Freunde? Bild: dpa

«Ich muss euch enttäuschen, es gibt keinen Beef» rappen Sido und Bushido auf ihrem ersten gemeinsamen Album 23 - und irgendwie ist das traurig. Hatte der Streit zwischen den zwei Möchtegern-Gangstas zumindest noch einen Funken Unterhaltungswert, ist der nun ganz weg. Stattdessen: Kuschelrock für vormals harte Jungs.

«Und deswegen belle ich nicht, ich beisse verstehst du, Sido» hatte Bushido 2008 gegen Sido in dem Lied S.I.D.O. gesungen, gedisst. Und Sido antwortete damals in Frohe Weihnachten «Du Missgeburt! Was denkst du dir? Wer bist du nur? Du bist 'ne Witzfigur.» Vorbei sind diese Zeiten, wo der Streit zwischen den Zweien zumindest für ein müdes Lächeln sorgte. Ohnehin: Wer glaubte, der Streit zwischen Bushido und Sido sei mehr als ein Marketinggag, der war wohl ein hoffnungsloser Rap-Romantiker. Trotzdem: Es war lustiger als 23. Viel lustiger.

Bushido: Kontrovers und geliebt

Der Beef gehört unter Rappern zum guten Ton, in Deutschland waren es vor Bushido und Sido King Kool Savas und sein ehemaliger Schützling Eko Fresh. Beide sind mittlerweile in der Versenkung verschwunden. In den USA eskalierten die Konflikte zwischen den Musikern und zwischen den Labels, die Rapper Tupac Shakur und The Notorious B.I.G wurden ermordet. Während es auf der anderen Seite des Ozeans um Leben und Tod ging, sagte Sido nach der Versöhnung mit Bushido: «Es machte mir eben keinen Spaß mehr.» Spaß, aha.

Sido und Bushido leben Hang zum Pathos aus

Auf dem gemeinsamen Album sind die zwei nun gar nicht mehr so viel «gegen», sie sind vielmehr dafür. Für Freundschaft, für Zukunft. Und sie sind sich nicht zu schade, auch ein wenig wie Xavier Naidoo zu klingen. In Auch wenn es manchmal regnet singen die Berliner Musiker: «Du hast auf mich aufgepasst seit Tag 1. Hab mich lang nicht mehr gemeldet. Doch es war Zeit. Ich bin heute zwar erwachsen, doch tief drin im Herzen das Kind. Es tut mir Leid lieber Gott - ich war blind.»

Schon im gemeinsam Duett mit Karel Gott (Für immer jung) hat Bushido gezeigt, dass er zum Pathos neigt. Das lebt er nun gemeinsam mit Sido aus - und Peter Maffay ist auch noch dabei. «Ich wollte nie erwachsen sein» singen die Drei und irgendwie bohrt sich die Frage in den Kopf: Hat Peter Maffay das wirklich nötig?

Wer auf dem Album die Beschimpfungen und verbalen Entgleisungen in Richtung der Frauenwelt vermisst, der muss bis zum letzten Lied warten. In Schöne Neue Welt wird dann doch noch einmal gedisst - wobei sich das nur auf Frauen bezieht. Und das zeigt: 23 ist eigentlich keine schöne neue Welt, in der sich alle Menschen gut verstehen. Es ist immer noch die Bushido- und Sidowelt. Nur, dass die zwei nun gemeinsam Bier trinken. Vielleicht.

Interpret: Bushido und Sido
Album: 23
Plattenfirma: Columbia Deutschland
Erscheinungsdatum: 14. Oktober 2011

boi/news.de

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