Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Nur die ersten zehn Minuten überlebt Gwyneth Paltrow. Dann tötet Regisseur Steven Soderbergh die Schöne im Katastrophenfilm Contagion und malt sich die schrecklichen Folgen einer Killerviren-Pandemie aus. Auch andere Hollywoodstars sind vor der Infektion nicht sicher.
Da wird der elfenhaften Gwyneth Paltrow doch glatt der Skalp über das Gesicht geklappt. Kurz zuvor hat sie noch krampfend am Boden gelegen und die Augen verdreht. Lange macht sie es nicht im Film Contagion. Nach etwa zehn Minuten ist sie schon tot, dafür spielt sie aber eine Schlüsselrolle: Als Beth Emhoff schleppt sie ein tödliches Virus aus Hongkong in die USA ein und löst damit eine Pandemie aus.
Zimperlich geht Regisseur Steven Soderbergh (Ocean's Eleven, Der Informant!) mit den Stars seines neuen Films nicht um, er verschleißt sie wie andere Papiertaschentücher - er hat ja auch genug davon: Neben Paltrow bekommen es Matt Damon, Jude Law, Kate Winslet und Laurence Fishburne mit dem liederlichen Virus zu tun. Mit viel Tempo und Sinn für Dramatik erzählt der Film von der Pandemie durch ein Virus, das seine Opfer innerhalb von Tagen dahinrafft.
Die Erreger der Schweinegrippe und der Fledermauskrankheit sind zu einem Super-Virus verschmolzen und versetzen die Welt in Angst. Während überall auf der Welt die Menschen erst in Schweiß ausbrechen und dann mit Schaum vorm Mund und unter Krämpfen elendig krepieren, versuchen Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde (Laurence Fishburne und Kate Winslet), die Verbreitung des Virus einzudämmen. Eine Wissenschaftlerin (Jennifer Ehle) arbeitet daran, einen Impfstoff zu entwickeln und setzt dabei ihr eigenes Leben aufs Spiel. Behördengerangel um Kompetenzen und ein vermeintliches Wundermittel aus Blütenextrakt heizen das Ganze zusätzlich an.
Soderbergh beweist, dass er das Handwerk eines Katastrophenfilms beherrscht: Er legt den Fokus auf Einzelschicksale von Figuren, die dem Zuschauer zuvor ans Herz gelegt wurden. Um das Ausmaß der Katastrophe deutlich zu machen, schwenkt er immer wieder in die Totale, zeigt Massengräber, verlassene Fitnessstudios, geplünderte Supermarktregale und Verkehrsstaus.
Erdnussglas unter Verdacht
Dann führt er Jude Law ein, einen rebellischen Blogger, der das Krisenmanagement der Gesundheitsbehörden attackiert und die Impfskepsis der Bevölkerung ankurbelt. Gern wählt Soderbergh Bilder, die an Nachrichtensendungen erinnern und eine unheilvolle Verbindung zur Panik um den Schweinegrippe-Virus in den Jahren 2009 und 2010 herstellen.
Dabei befeuert er aber auch eine Hygiene-Hysterie, die in den vergangenen Jahren vor allem in Großstädten um sich greift: Jeder Griff an eine Türklinke, jeder Handschlag birgt Gefahr. Die Kamera zeigt einen hustenden Kellner, zoomt auf seine Hände, die Gläser berühren und an die Gäste weiter reichen. Die Verdächtigen sind: ein Erdnusscremeglas, Fingerkuppen auf dem Touchscreen, die Hand des schwitzenden Asiaten an der U-Bahnstange.
Sonderberghs Hollywoodstars liefern gewohnt solide Arbeit. Von der todesmutigen Kate Winslet über den verzweifelten Matt Damon bis hin zum besorgten Laurence Fishburne. Besonders Jude Law als Blogger mit schiefen Zähnen gelingt, weil die Rolle nicht so aalglatt ist. Er stellt den mahnenden Zeigefinger dar, verrennt sich in seinem Wahn und taugt deshalb nicht zum strahlenden Helden. Erfrischend ist, dass der Film überhaupt darauf verzichtet, einen Helden auf ein Podest zu stellen, der die Welt rettet.
Dennoch sind all das keine bahnbrechenden Einfälle und so zeigt Contagion, was man sich eben so vorstellt unter einem Film über ein tödliches Virus. Solide Story, die das Ausmaß der Katastrophe voll auskostet. Menschen, die Desinfektionsmittel immer griffbereit haben und die nette Nachbarin, den Türknauf oder öffentliche Nachungsaufnahme nur als Infektionsquelle betrachten, sollten sich vielleicht besser gar nicht erst ins virenverseuchte Kino wagen - daheim ist es ohnehin sicherer.
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Titel: Contagion
Regie: Steven Soderbergh
Darsteller: Matt Damon, Gwyneth Paltrow, Kate Winslet, Jude Law, Marion Cotillard, Laurence Fishburne
Filmlänge: 105 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Verleih: Warner
Kinostart: 20. Oktober 2011
car/news.de
Ein ganz ganz gaaaaaaanz langweiliger Film.
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