Literatur Großes Puzzle: Buchmesse zerfällt in Einzelteile

Großes Puzzle: Buchmesse zerfällt in Einzelteile (Foto)
Großes Puzzle: Buchmesse zerfällt in Einzelteile Bild: dpa

Puzzleteile allerorten. Auf Plakaten, Hinweisschildern, dem Veranstaltungskalender. Das Logo der weltgrößten Bücherschau ist in diesem Jahr gut gewählt: Die Buchwelt zerfällt in Einzelteile - und die Frankfurter Buchmesse mit. 2011 ist sie nicht nur ein bisschen CeBIT, sondern sogar ein bisschen IAA.

Frankfurt/Main (dpa) - Puzzleteile allerorten. Auf Plakaten, Hinweisschildern, dem Veranstaltungskalender. Das Logo der weltgrößten Bücherschau ist in diesem Jahr gut gewählt: Die Buchwelt zerfällt in Einzelteile - und die Frankfurter Buchmesse mit. 2011 ist sie nicht nur ein bisschen CeBIT, sondern sogar ein bisschen IAA.

Der erste Eindruck beim Rundgang durch die Hallen täuscht - überall gedruckte Bücher aus Papier und Pappe. In den großen Belletristik-Hallen 3.0 und 4.1 steht Rücken an Rücken, Cover an Cover, Stapel auf Stapel. 7384 Aussteller zeigen an drei Fachbesucher- und zwei Publikumstagen ihre Produkte. Die Veranstalter erwarten wie im Vorjahr rund 280 000 Gäste. Ehrengast Island zeigt riesige Videos von versunken lesenden Menschen vor schicken Bücherwänden.

In anderen Ecken der 172 000 Quadratmeter umfassenden Ausstellungsfläche ist die Buchmesse längst eine Technik-Ausstellung. 41 Prozent der Aussteller hatten bereits im vergangenen Jahr elektronische Produkte in Frankfurt dabei. An den meisten Ständen liegen elektronische Lesegeräte aus. In Halle 4.0 präsentiert der Börsenverein des Deutschen Buchhandels neue Geräte. «In diesen nächsten zwölf Monaten wird man wirklich den Durchbruch des E-Books erleben», sagt Thalia-Geschäftsführer Michael Busch.

«Wir haben heute Branchen hier, die es früher auf der Buchmesse nicht gab», bestätigt Buchmesse-Direktor Juergen Boos, zum Beispiel die Computerspiele- und Filmindustrie. So kommt es, dass sich neue Namen zwischen die alten Gäste schmuggeln: Nicht nur Autoren wie Umberto Eco oder Mario Vargas Llosa haben sich zur Messe angekündigt oder schillernde Medien-Promis wie Daniela Katzenberger. 2011 werden auch Schauspieler wie Rupert Everett erwartet, Regisseure wie Roland Emmerich, der Produzent der «Harry Potter»-Filme, der Gründer der Online-Enzyklopädie Wikipedia und Experten für Computerspiele.

«Wir verstehen uns als Brückenbauer zwischen den Branchen», sagt Britta Friedrich, Projektleiterin des Messe-Bereichs «Frankfurt Sparks», der sich um etwas kümmert, das als «transmediales Storytelling» bezeichnet wird. «Man muss sich das vielleicht so vorstellen: Der Autor hat eine Geschichte und einen Plot im Kopf. Dafür gibt viele verschiedene Darstellungsarten: Text, Bild, Ton - und dann gibt es noch verschiedene Medien wie Film, Games oder Buch.»

Die Fläche für Literaturagenten ist in diesem Jahr noch einmal um 17 Prozent gewachsen, mehr als 500 Rechtehändler schachern an kleinen Tischen im Minutentakt um Verträge, Lizenzen und Vorschüsse. Die Ausstellungsfläche für das, was die Messe «Content-Handel» nennt, ist sogar um 50 Prozent größer als im Vorjahr. Insgesamt sind 155 Aussteller weniger gekommen als im Vorjahr, daher ist in manchen Hallen ein bisschen mehr Luft als sonst. Von den großen deutschen Verlagen fehlt Taschen, Eichborn wird vermutlich zum letzten Mal auf der Messe sein, der Verlag ist insolvent.

Die Buchmesse ist vieles parallel - nicht nur eine Bücherschau mit eine Technik-Abteilung, ein Handelsplatz und eine Fachkonferenz, ein bisschen Filmfestival und ein wenig Comic-Zentrum. In diesem Jahr ist sie sogar ein bisschen Automobil-Messe, denn Audi hat nach der IAA einfach sein Zelt stehen lassen. Offiziell wird das als «gemeinsame Förderung innovativer Denkansätze» verkauft, inoffiziell gewinnt die Messe Platz für Pressezentrum, Antiquariatsmesse und Tagungsräume. Audi wiederum macht weiter Werbung. Das altmodische Lesezelt - früher in der Mitte des Messegeländes - musste in eine abgelegene Ecke ausweichen.

news.de/dpa

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