Literatur Island als «Land der Literatur und Natur»

Island als «Land der Literatur und Natur» (Foto)
Island als «Land der Literatur und Natur» Bild: dpa

Im Pavillon ist es so dunkel wie in Island am Tag der Wintersonnenwende: Das spärliche Licht kommt von großen Videoleinwänden, auf der Bücherwände in Privathäusern zu sehen sind. Davor sitzen behaglich Frauen und Männer und lesen aus ihren Lieblingsbänden vor.

Frankfurt/Main (dpa) - Im Pavillon ist es so dunkel wie in Island am Tag der Wintersonnenwende: Das spärliche Licht kommt von großen Videoleinwänden, auf der Bücherwände in Privathäusern zu sehen sind. Davor sitzen behaglich Frauen und Männer und lesen aus ihren Lieblingsbänden vor.

Ehrengast Island hat seine Präsentationshalle bei der am Mittwoch beginnenden Frankfurter Buchmesse in eine eindrucksvolle Wohnzimmerlandschaft verwandelt.

Nicht die Autoren des kargen Eilandes mit seinen nur 320 000 Einwohnern stehen im Mittelpunkt, sondern die Leser: Dazu haben die Organisatoren des Gastlandauftritts mit Hilfe von Facebook nach Bildern von privaten Bibliotheken gesucht. «Tausende sind dieser Aufforderung gefolgt», sagt Halldór Gudmundsson, der für die 2,7 Millionen Euro teure Präsentation seines Landes auf der weltgrößten Bücherschau verantwortlich ist.

Neben den 30 isländischen Lesern, die sich auf den Videoleinwänden vorstellen, gibt es eine lange Wand mit Hunderten von Fotos von Privatbibliotheken. Rundherum laden den Besucher geschmackvolle Möbel und Sofas zum Verweilen ein - und die zahlreichen Bücher der isländischen Autoren fehlen im Pavillon natürlich auch nicht. Mehr als 200 Neuerscheinungen sind bei deutschen Verlagen zur Buchmesse erschienen, rund 30 isländische Autoren sind nach Frankfurt auf die Messe gekommen. In keinem Land wird - auf die Einwohnerzahl gerechnet - mehr gelesen und geschrieben.

Vor allem im Winter werden die Leselampen angeworfen. «November und Dezember sind für uns Lesezeit», sagt Einar Kárason («Die Goldinsel»), einer der international bekanntesten isländischen Autoren, der vom Pavillon angetan ist. Neben der Literatur darf im Land der Gletscher und der Vulkane die Natur nicht fehlen. Die Organisatoren machen damit geschickt auch gleich ein bisschen Werbung für ihr größtenteils unwegsames Land. Dazu haben sie eine spektakuläre 360-Grad-Panaromainstallation über die wilde Schönheit ihres Landes aufgebaut - begleitet von isländischer Sphärenmusik.

«Wir haben nur die Natur und Literatur», sagt Kárason. Die isländische Literatur mit ihren Sagas geht auf das 13. Jahrhundert zurück. Eine höfische Kultur mit großen Palästen oder Opernhäusern wie im Rest von Europa ist im einstigen Land der Bauern und Fischer unbekannt. Die Isländer hätten schon immer am Rande der Zivilisation gelebt, sagt Gudmundsson. «Die Literatur ist da auf einen fruchtbaren Boden gefallen.» Im Pavillon wird natürlich auch gelesen - und Hochprozentiges getrunken. Am späten Nachmittag gibt es zur «Happy Hour» immer Brennivín (Branntwein). Damit lässt sich die Dunkelheit dann gut aushalten.

news.de/dpa

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