«Hier tret' ich nicht auf», sagt Schlagerstar Alexander Ludwig (Peter Lohmeyer), als er die Eingangshalle zur Reha-Klinik betritt. Der vom Leben bislang verwöhnte, arrogante Sänger hat Orientierungsschwierigkeiten: Nach einem Herzinfarkt wurde sein Gehirn eine Zeitlang nicht mit Sauerstoff versorgt - prompt verlor er das Gedächtnis an Ereignisse aus den vergangenen zehn Jahren.
Berlin (dpa) - «Hier tret' ich nicht auf», sagt Schlagerstar Alexander Ludwig (Peter Lohmeyer), als er die Eingangshalle zur Reha-Klinik betritt. Der vom Leben bislang verwöhnte, arrogante Sänger hat Orientierungsschwierigkeiten: Nach einem Herzinfarkt wurde sein Gehirn eine Zeitlang nicht mit Sauerstoff versorgt - prompt verlor er das Gedächtnis an Ereignisse aus den vergangenen zehn Jahren.
Selbst seine Frau (Mina Tander) erkennt er nicht. Vollends aus dem Takt gerät seine Welt, als er in der Klinik auf den alten Bar-Pianisten Heinrich (Paul Kuhn) trifft. Nach dem Drehbuch der renommierten Autorin Ruth Toma («Solino») schuf Regisseurin Nicole Weegmann in «Schenk mir dein Herz» eine wehmütig swingende Komödie über späte Einsichten und die Heilkraft der Musik, die Arte an diesem Freitag (20.15 Uhr) zeigt.
Das Werk gewann 2010 auf dem Hamburger Filmfest einen Produzentenpreis. Die Überraschung des Films ist dabei Entertainment-Legende Paul Kuhn (83). Nach sechs Jahrzehnten als Jazz- und Schlager-Pianist, Bandleader und Sänger sowie bekannt aus vielen Fernsehsendungen («Pauls Party») reüssiert «Der Mann am Klavier» in seiner ersten Spielfilm-Hauptrolle. Mit zerfurchtem Gesicht gibt Kuhn Alexanders lebensbejahenden Gegenspieler in der Reha - frei nach dem Motto «Am Ende starten wir noch mal durch, obwohl wir keine achtzig mehr sind».
Nach seinem Schlaganfall gründet dieser Heinrich unverdrossen eine Jazz-Band, um einem alten Kumpel zu helfen - und der verwirrte, egomanische Schlagersänger soll dabei nicht fehlen. Kuhn begeistert vor allem durch den rauchzarten Swing, den er am Piano aus dem Ärmel zu schütteln scheint. Einige der Lieder hat er selbst komponiert.
Beim angenehmen Sound und heiter-melancholischen Charme von «Schenk mir dein Herz» fällt es leicht, über Schwächen des Films hinwegzusummen: So wirkt Tomas Drehbuch zwar sympathisch, aber recht durchsichtig gestrickt. Und der eher sperrige Peter Lohmeyer ist nicht gerade der Prototyp des gefälligen Schnulzenstars.
Mit dabei im Ensemble: Lohmeyers Sohn Louis Klamroth, der in «Schenk mir dein Herz» Ludwigs Filius aus erster Ehe spielt und gar nicht gut zu sprechen ist auf seinen alten Herrn. Der jetzt 21-Jährige wirkte bereits im Fußball-Film «Das Wunder von Bern» mit, in dem sein Vater (auch Lohmeyer) ihn 1954 auf die Reise zum WM-Endspiel in die Schweiz nahm.
news.de/dpa