Von news.de-Mitarbeiterin Julia Zahnweh
Ob gewollt oder nicht: Zwei Tage vor dem 20. Todestag von Roy Black zeigt Arte einen Film über einen unglücklichen Schlagerstar, der zu sich selbst findet. Schenk mir dein Herz ist eine tragikomische Geschichte, die auf traurige Weise an ihn erinnert.
Der Sendetermin ist vielleicht reiner Zufall. Denn eigentlich hat der Film nichts mit dem Leben von Roy Black zu tun. In Schenk mir dein Herz bekommt ein fiktiver verwirrter Schlagersänger eine zweite musikalische Chance: Er entdeckt den Jazz für sich und findet sich dabei selbst.
Dazu ist es im Leben von Roy Black nie gekommen. Er war ein Schlagerstar wider Willen, der eigentlich einmal ein großer Rockstar werden wollte. Diesen Wunsch konnte sich Gerhard Höllerich, so sein bürgerlicher Name, nie erfüllen. Er ertränkte seine Verzweiflung im Alkohol, bis er 1991 mit drei Promille im Blut starb. Der Umstand, dass Arte den Film zwei Tage vor Roy Blacks 20. Todestag ausstrahlt, verleiht Schenk mit Dein Herz eine besonders nachdenkliche und berührende Note.
Peter Lohmeyer überzeugt als Narzisst
Alexander Ludwig ist ein arroganter und selbstverliebter Schlagerfuzzi - ein richtiger Narzisst, der seine pummelige Background-Sängerin im Studio feuern lässt, weil er nun mal hören könne, wie sie aussieht. In pinkfarbenem Hemd, weißer Hose und weißen Schuhen samt Goldkettchen um den Hals mimt Peter Lohmeyer nicht nur einen stilechten Schlagerstar, er spielt ihn mit großartiger Wahrhaftigkeit. So hat man als Zuschauer auch kein Mitleid mit Alexander, als dieser - übrigens mit 48 Jahren, im gleichen Alter starb Joy Black - einen Herzinfarkt erleidet.
Danach hat der Schlagerstar mit massiven Gedächtnisstörungen zu kämpfen, die dem an sich tragischen Film etliche heitere Momente bescheren. Alexander kann sich an die letzten zehn Jahre seines Lebens nicht mehr erinnern, auch sein Kurzzeitgedächtnis funktioniert nicht mehr. Das Reha-Zentrum, in dem er sich erholen soll, hält er jeden Tag aufs Neue für ein schlechtes Hotel. Immerhin gibt es keine Minibar auf dem Zimmer.
Seine junge, bildhübsche Frau Maria ( Mina Tander), die ihn jeden Tag besuchen kommt, erkennt er nicht. Dafür stiehlt er sich immer wieder aus der Klinik und fährt zu seinem alten Haus. Dort lebt seine Exfrau, an die er sich noch erinnern kann - nur nicht, dass er sie für eine Jüngere verlassen hat. Diese wiederkehrenden Erinnerungslücken erinnern an Filme wie Täglich grüßt das Murmeltier oder Memento, geben Schenk mit dein Herz aber seinen ganz besonderen Charme. Das liegt vor allem an den Figuren, die den Zuschauer ganz nah an sich heran lassen.
Neben Peter Lohmeyer ist es vor allem Paul Kuhn, der Schenk mir dein Herz zu so einem sehenswerten Film macht. Die 83-jährige deutsche Showbusiness-Legende spielt den Pianospieler Heinrich, der sich nach einem Schlaganfall ebenfalls in der Reha-Klinik aufhält. Paul Kuhn ist als Schauspieler geradezu eine Entdeckung, obwohl das eigentlich gar nicht das Metier des Musikers ist. Sein letzter und bisher einziger Film liegt immerhin mehr als fünfzig Jahre zurück: 1959 spielte er in Drillinge an Bord an der Seite von Heinz Erhardt.
Musik heilt alle Wunden
Heinrich lädt Alexander zu nächtlichen Jamsessions in der Musiktherapie ein. Zwar vergisst er jeden Tag aufs Neue die musikalischen Verabredungen mit den Jazz-Herren, aber Heinrich erinnert ihn immer wieder beharrlich daran. Und es zahlt sich aus: Mit Hilfe der Musik macht Alexanders Gedächtnis tatsächlich Fortschritte. Der verwirrte Schlagerstar bekommt plötzlich eine zweite Chance. Und nicht nur musikalisch will er sein Leben wieder in den Griff kriegen.
Die Botschaft, dass Musik alle Wunden heilt, mag manchem als zu plump erscheinen. Doch der Film besitzt gerade viel Seele, weil er trotz der seichten Botschaft auf Klischees verzichtet. Ein paar Kanten mehr hätten ihm nicht geschadet, aber dann wäre er vielleicht auch nicht so ein optimistisch tragischer Film geworden.
Schenk mir dein Herz ist intelligente Fernsehunterhaltung, nicht zu schwer, nicht zu leicht. Ein Film, der Mut machen soll, dass es immer eine zweite Chance gibt. Er erzählt von einem Wink des Schicksals, den man Künstlern wie Roy Black gewünscht hätte. Ob nun Zufall oder nicht - Schenk mir dein Herz ist an diesem speziellen Sendetermin auch eine kleine tragische Hommage Roy Black.
Bestes Zitat: «Am Ende starten wir noch durch, obwohl wir keine 80 mehr sind.» (Heinrich alias Paul Kuhn)
Titel: Schenk mir dein Herz
Regie: Nicole Weegmann
Darsteller: Paul Kuhn, Peter Lohmeyer, Mina Tander
Sendetermin: Freitag, 7. Oktober 2011, 20.15 Uhr, Arte