Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann, Berlin
Rowan Atkinson tölpelt wieder als Superagent Johnny English durch die Kinos. Im Interview mit news.de erzählt der Komiker, warum Mister Bean nicht altern darf, er gerne ein Hollywood-Schauspieler wäre und ein Glatzkopf die Chinesen verärgert hat.
Rowan Atkinson, der Mann, der vielen als Mister Bean, Black Adder oder Johnny English die Tränen in die Augen treibt, bittet im Berliner Hotel Adlon zum Interview. Wer erwartet hatte, einen albernen Tölpel anzutreffen, wird schnell eines Besseren belehrt. Atkinson ist ein formvollendeter Gentleman, der im maßgeschneiderten Zwirn, mit silbergrauem Haar und ohne Knautschgesicht tatsächlich ein wenig Ähnlichkeit mit George Clooney hat. Er parliert im lupenreinen Oxford-Englisch und hat auch noch tiefsinnige Dinge zu sagen.
Herr Atkinson, haben Sie schon als kleiner Junge davon geträumt,
James Bond zu sein?
Rowan Atkinson: Aber sicher, wie wohl fast jeder Junge und sicher auch eine Menge Männer. Das endet dann oft damit, dass sie eine merkwürdige Kopie des Originals abgeben. Es ist komisch, aber ich habe das Gefühl, Johnny English tut so, als wäre er James Bond. Es scheint, als hätte Johnny English ziemlich viel Glück gehabt, denn er macht nicht den Eindruck, als wäre er für diesen Job besonders qualifiziert. Irgendwie kommt er aber damit durch.
Sie haben ein Faible für schnelle Autos. Wie ist es Ihnen in Johnny English - Jetzt erst recht ergangen, fühlten Sie sich wie ein Kind im Spielzeugparadies?
Atkinson: Ja, unbedingt. Mir hat gefallen, dass das Auto nicht einfach nur Requisite ist, sondern einen Charakter hat. Es gibt eine Kameradschaft zwischen Johnny und dem Auto. Das Auto passt auf ihn auf, es ist wie eine Art Kokon, in dem er sicher ist.
Abgesehen von einem Rolls Royce sind Sie im neuen Johnny-English-Film auch einen Rollstuhl gefahren...
Atkinson: Ja, damit konnten wir unserem Autorennen einen komödiantischen Dreh geben. In dem Rollstuhl war ein Gokart-Motor eingebaut, das Ding fährt etwa 70 km/h, Sie können sich sicher vorstellen, dass das etwas angsteinflößend ist. Es ist auch nicht ungefährlich, weil das Zentrum der Gravitation so hoch liegt.
Technischer Schnickschnack nimmt bei James Bond einen großen Stellenwert ein und Johnny English tritt da in seine Fußstapfen.
Atkinson: Ja, das stimmt. Obwohl Johnny English immer wieder vergisst, wie man diese Spielereien bedient. Es ist so viel einfacher, Johnny English zu spielen, als James-Bond-Filme zu machen, denn es ist ja alles schon einmal gemacht worden. Die Frage ist: Wer ist der James Bond des 21. Jahrhunderts? Wie macht man ihn glaubwürdig? Die Figur war ja eine Kreation der 1950er, ein Spion aus der Vorzeit des Kalten Krieges. Ich denke, es ist ziemlich schwierig, ein Franchise wie dieses immer wieder lebendig zu gestalten. Bei dem neuen Bond-Film bin ich allerdings sehr optimistisch.
Für James-Bond-Filme spielt Political Correctness eine immer größere Rolle. Wie denken Sie darüber? Wie ist das auf dem Feld der Komödie?
Atkinson: Oh, ich weiß nicht. Das beeinflusst mich eigentlich nicht sonderlich. Vor Kurzem habe ich mich ziemlich über jemanden aufgeregt, der mich fragte, ob wir Daniel Kaluuya, meinen Partner Tucker in Johnny English, ausgewählt hätten, um moderner zu sein. Nein, wir haben ihn einfach ausgewählt, weil er der beste Kandidat für diese Rolle war. Zufällig ist er schwarz, wenn das einen modernen Eindruck erweckt - nun gut, aber das war sicher keine Geste positiver Diskriminierung.
Seit dem ersten Johnny English-Film beobachte ich allerdings, wie Komödien immer brutaler und schamloser werden. Ich denke da an die Tradition von Filmen wie American Pie oder Hangover. Ich mag schamlosen Humor, aber bei diesen Filmen hat mich wirklich überrascht, wie weit sie gehen.
Braucht es mehr Eleganz auf dem Gebiet der Komödie?
Atkinson: Ja. Also, ich betreibe keinen Kreuzzug, es ist nur so, dass mir persönlich dieser Art von Humor nicht so gefällt. Komödien, die Familien ansprechen, sind ziemlich selten geworden, vor allem außerhalb des Animationsfilm-Genres. Johnny English gehört auf jeden Fall dazu.
Johnny English springt nicht auf den 3D-Trend auf. Was halten Sie davon?
Atkinson: Ich habe nicht allzu viele 3D-Filme gesehen. Ich bin kein großer Fan von dieser Technik. Avatar war ziemlich spektakulär, aber für eine Komödie braucht man so etwas nicht. Als ein Spektakel kann ich das einigermaßen nachvollziehen, aber ich habe den Verdacht, dass es nur eine Mode sein wird. Ich könnte mir vorstellen, dass das Publikum bald davon gelangweilt ist. Vielleicht auch nicht. Sich Brillengläser aufzusetzten, um einen Film zu schauen - dafür habe ich jedenfalls kein Verständnis.
Früher haben Sie für Fernsehproduktionen gearbeitet. Heute beschweren sich viele Comedians darüber, dass Ihnen nicht mehr so viel Zeit gelassen wird, ihre Shows zu entwickeln und zu etablieren, wie das vielleicht in den 1980er Jahren noch der Fall war. Sehen Sie das auch so?
Atkinson: Ja, ich bin froh, dass ich zwischen den 1970er und 1990er Jahren beim Fernsehen gearbeitet habe. Es war sehr viel einfacher zu der Zeit, Fernsehshows zu machen, auch mal ein Risiko einzugehen. Heute ist das Umfeld viel aggressiver, komplizierter und überlaufener. Es ist sehr viel schwieriger geworden, da auf sich aufmerksam zu machen.
Schuster, bleib bei deinen Leisten! Wenn Rowan Atkinson als Mister Bean noch typischen englischen Humor verkörpert, treibt Johnny English mir die Tränen in die Augen - vom Gähnen.
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