So., 27.05.12

Museen 30.09.2011 Die Freiheitsstatue - in Teile zerlegt

Die Freiheitsstatue - in Teile zerlegt (Foto)
Die Freiheitsstatue - in Teile zerlegt Bild: dpa

Die Freiheitsstatue steht für Freiheit und Unabhängigkeit und ist auch ein Symbol für die Hoffnung abertausender Flüchtlinge und Immigranten. Ein früherer Flüchtling aus Vietnam lässt sie nun zerbrechen.

Die Freiheitsstatue steht für Freiheit und Unabhängigkeit und ist auch ein Symbol für die Hoffnung abertausender Flüchtlinge und Immigranten. Ein früherer Flüchtling aus Vietnam lässt sie nun zerbrechen.

Kassel (dpa) - Erst ein riesiger Fuß, ein Raum weiter die zerbrochene Flamme und daneben ein Teil des Armes - die Freiheitsstatue wirkt wie zerbrochen. Eine fragmentierte Replik der Statue steht im Zentrum der Ausstellung «JULY, IV, MDCCLXXVI» des dänischen Künstlers Danh Vo in der Kasseler Kunsthalle Fridericianum. Das Kunstwerk ist genauso groß und mit 31 Tonnen genauso schwer wie die Kupferhaut des Originals. «Es gibt figurative Elemente wie Finger, Füße oder Teile der Flamme, aber anderes wirkt sehr abstrakt», sagte der künstlerische Leiter, Rein Wolfs, am Freitag.

Vo beschäftigt vor allem der Begriff der Freiheit - kein Wunder. Der 1975 in Vietnam geborene Künstler gehörte zu Bootsflüchtlingen, sogenannten «boat people», die 1979 nach dem Vietnamkrieg in einem selbst gebauten Boot flüchteten. «Ich wollte etwas richtig Großes machen - und da kam mit die Freiheitsstatue in den Sinn. Ein wahnsinniges Projekt», sagt der 36-Jährige. «Provokant und größenwahnsinnig», schrieb das Nachrichtenmagazin «Spiegel».

Beim Schlendern durch den «Skulpturenpark» ist oft nicht zu erkennen, wohin ein Objekt gehört: Gebogene Platten könnten ein Teil des Arms sein, anderes wirkt wie zufällig zusammengesetzt und mit dem Hammer beschlagen. Viele werden sich vor allem aufmachen und nach bekannten Teilen suchen. «Der Künstler legt Wert darauf, dass man zuerst schaut und auf eigene Gedanken kommt», betonte Wolfs. Besonders die zerbrochene Flamme wirkt. Die Schau handele vom Scheitern von politischen, gesellschaftlichen und auch persönlichen Zielen, sagte Wolfs.

Der Titel bezeichnet den 4. Juli 1776, das Datum der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten. Die Arbeit nennt er «We the people» - das sind die ersten drei Worte der Präambel der US-Verfassung. Etwa ein Drittel der gesamten Statue ist im Fridericianum zu sehen. Um auf das Originalgewicht zu kommen, wurde der Rest mit Kupferplatten dargestellt. Im Laufe des Jahres soll die gesamte Statue fertiggestellt werden. «Es ist nicht das Bild, dass die Menschen von der Statue haben», betonte Vo.

Es geht ihm geht es jedoch nicht nur um politische, sondern auch um persönliche Freiheit. Während die Freiheitsstatue eine Replik ist, die in China gefertigt wurde, sind zwei weitere Ausstellungsstücke original, die einen Kontrast zu den großen, raumfüllenden Objekten der Statue bilden sollen: eine Zeitung von 1945 mit der Hochzeitsankündigung von Barbara Pierce, bevor sie den späteren US-Präsidenten George Bush heiratete, und die Original-Schreibmaschine von Theodore Kaczynski. «Das ist eine extreme Position der Freiheit», sagte Vo.

Der Professor und Terrorist Kaczynski hatte bis 1995 mehr als 18 Jahre lang als Protest gegen den Fortschrittsglauben insgesamt 23 Briefbomben an Universitätsprofessoren und Vorstände von Fluggesellschaften geschickt, dabei gab es Tote und Verletzte. Auf der Schreibmaschine verfasste er das sogenannte Unabomber-Manifest. Mit der Veröffentlichung stellte er die Attentate ein.

Fridericianum zu Vo-Ausstellung

news.de/dpa
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