Von news.de-Redakteur Ullrich Kroemer, Dohma
Er gibt wie im Tatort einen Mediziner: Jan Josef Liefers spielt in der Verfilmung von Uwe Tellkamps Vorwende-Roman Der Turm einen opportunistischen Arzt. Mit news.de sprechen er und Filmsohn Sebastian Urzendowsky über ihre Wurzeln in der DDR.
Etwas zerknautscht und trübe schaut Jan Josef Liefers an diesem schwülen Herbstmittag in die Fotokameras. Sein Haar ist nicht so akkurat gekämmt, wie aus seiner Rolle als Tatort-Ermittler Professor Dr. Boerne gewohnt. Ob Liefers spät ins Bett gekommen ist oder dieses Erscheinungsbild zu seiner Rolle gehört, bleibt sein Geheimnis.
Gemeinsam mit Kollegen wie Sebastian Urzendowsky, Claudia Michelsen und Nadja Uhl steht Liefers vor dem unsanierten, grau verputzten Schloss Cotta im sächischen Dohma. Im Vorland der sächsischen Schweiz, eine halbe Autostunde von Dresden entfernt, finden hier die ersten Drehtage zur Verfilmung des preisgekrönten Romans Der Turm von Uwe Tellkamp statt. Ende 2012 soll der insgesamt 180-minütige Zweiteiler im Ersten ausgestrahlt werden.
Die Familiengeschichte buddenbrock'schen Ausmaßes schildert den Untergang der DDR aus der Sicht eines elitären Dresdner Bildungsbürgertums, das in der DDR eigentlich gar nicht hätte existieren dürfen. Regisseur Christian Schwochow (Novemberkind) darf das von Thomas Kirchner adaptierte Drehbuch mit einem Budget von 6,7 Millionen Euro umsetzen. Ein Mammutprojekt mit insgesamt über 50 Drehtagen in Dresden und Umgebung, Berlin, Görlitz, Bad Düben und Pilsen. Auf dem Weißen Hirsch und in Dresden Loschwitz, wo das Stück eigentlich spielt, wird nicht gedreht. Dort, wo Romanautor Tellkamp aufgewachsen ist und inzwischen wieder wohnt, sind die Villen alle schick restauriert. Das Morbide der Vorwendezeit muss man heute suchen.
In einem Bierzelt direkt neben dem Set wird im Beisein von Produzent Nico Hofmann und Wolfgang Vietze, Fernsehdirektor des federführenden Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), ein erster recht melodramatisch anmutenden Trailer des Films gezeigt. Nach der Präsentation sitzt Jan Josef Liefers, der den opportunistischen Chirurg Dr. Richard Hoffmann spielt, auf einer Bierbank. Während er die Fragen der Journalisten beantwortet, hält er einen Zigarrenstummel in der rechten Hand. Die Aufnahmeleiter drängeln, direkt nach dem Gespräch steht die nächste Szene an - eine Hochzeit, wo alle «Türmer» das letzte Mal in der heilen Welt ihres Refugiums zusammenkommen.
Herr Liefers, Sie sind genau wie Uwe Tellkamp im Dresden der 1970er und 1980er Jahre groß geworden. Wie nah war Ihnen die Welt der «Türmer», als Sie Tellkamps Roman gelesen haben?
Jan Josef Liefers: Zunächst einmal gar nicht so nah. Ich habe in Dresden downtown gewohnt, die Prager Straße (Dresdner Einkaufsstraße mit sozialistischer Musterarchitektur, Anm.d.Red.) war mein Revier. Auf dem Weißen Hirsch, das ist eher Up-Town, ging es offenbar etwas anders zu als bei uns. Aber ich kenne natürlich viele Leute, die da oben leben - allerdings nicht so viele Ärzte.
Was war Ihnen so fremd?
Liefers: Was ich nicht kennengelernt habe, ist diese fortdauernde, gutbürgerliche Blase. Das kann ja nur eine Blase gewesen sein, denn eine Diktatur der Arbeiter und Bauern musste ja einer solchen Lebensform feindlich gegenüberstehen. Tellkamps Welt machen ja Hausmusik und humanistischer Bildung aus, dieses manchmal auch Verquaste und Verblasene, was ich so nicht kenne. Ich bin viel mehr geradeaus groß geworden, mit viel weniger mystischen Beschreibungen. Mein Leben war eher das der Straße.
Was fließt dennoch von Ihrer Erfahrungswelt in diesen Film ein?
Liefers: Die «Türmer» hatten da oben eine Welt zu schützen und zu bewahren, die alles ignoriert, was so drumherum stattfindet. Wo Berührungen sich nicht vermeiden ließen, wurden bestenfalls Kompromisse geschlossen: zu Hause so und in der Öffentlichkeit so. Und das kannte ich auch so. Jeder, der beispielsweise in der DDR zur Schule ging, wusste, dass man bestimmte Dinge vor bestimmten Leuten lieber nicht erwähnte, sondern besser zu Hause ließ.
Hat Sie das an dem Film gereizt?
Liefers: Ja, diese Vielschichtigkeit. Tellkamp schreibt einen großen Roman über 1000 Seiten und zufällig trifft das eine Zeit, in der ich mit meiner Band Oblivion unterwegs bin und versuche, mit den Mitteln der Musik Fragen zu beantworten, die Ost und West vertraut machen. Dazu habe ich gleichzeitig ein eigenes Buch geschrieben, das so ganz anders ist. Das finde ich spannend. Wenn jetzt jemand zu mir käme und mich fragen würde, ob ich mich selbst in meinem eigenen Buch spielen will, würde ich sagen: Nein.
Was konnten Sie aus dem Roman und den wenigen Drehtagen bisher mitnehmen?
Liefers: Als ich den Roman gelesen hatte, war eine der schönsten Erkenntnisse, dass es die DDR, so wie man sie sich vorstellt und wie es in Dokumentationen und Filmen im Fernsehen zu einer seltsamen Wahrheit gerinnt, offensichtlich überhaupt nicht gab. Kulissen, Situationen gleichen sich. Doch das, was jeder erlebt und zu erzählen hat, unterscheidet sich stark. Gerade deswegen habe ich mich sehr gefreut auf den Film und die Geschichte, mit der ich selbst in meiner Kindheit nicht viel Berührung hatte.
In der Besetzungliste sind viele Schauspieler mit Wurzeln im Osten zu finden.
Liefers: Ich bin schon oft gefragt worden, ob ich in Ostgeschichten mitspiele, habe aber bisher alle Angebote abgelehnt, weil sie zu simpel gestrickt waren. Dies ist der erste DDR-Film, von dem ich gesagt habe, den mache ich sehr gerne.
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6 Millionen Eus für sowas? Wie ticken wir denn eigentlich alle? Lasst die Toten ruhen, lösen wir doch nun endlich mal die Probleme die gelöst werden müssen! Der Kahn geht unter und der Käpt'n lässt die Besatzung Theater spielen. Es hat mal jemand ganz oben von einem sogenannten Ruck gesprochen der durch Deutschland gehen soll. Hallo!!! Ist da jemand der noch mitmacht? Um den Kahn endlich die richtige Richtung zu geben? Entschuldigt, dass ich für einen kurzen Momment munter geworden bin-, ich schlaf ja schon weiter... Gute Nacht.
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