Von news.de-Mitarbeiter Tobias Köberlein
Der perfekte Mord? Der erste gemeinsame Fall von Axel Milberg und Sibel Kekilli hat es in sich: Eine Frau ist verschwunden - nahezu spurlos. Schon bald weiß der Zuschauer mehr als die beiden Kommissare.
«Der Tod muss weh tun», sagt Regisseur Stephan Wagner über seinen Tatort. Und tatsächlich wird in Borowski und die Frau am Fenster überaus grausam gemeuchelt. Genauso interessant wie der Fall ist der Einstand der neuen Co-Ermittlerin. Sibel Kekilli hat das Zeug dazu, die passende Ergänzung zu Axel Milberg zu werden.
Bis sich die beiden im Film begegnen, vergehen jedoch erst einmal 20 Minuten, von denen 15 der Täterin gehören. Auftritt Charlotte Delius (glänzend gespielt von Sibylle Canonica). Zu den Klängen von Zarah Leanders Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen rauscht die Tierärztin im Geländewagen mit Karacho an einer Motorradstreife vorbei, flirtet ungehemmt mit dem Polizeibeamten. Die beiden kennen sich. Hans Nielsson (Dirk Borchardt) ist ihr Nachbar, ein attraktiver Mann, den die allein lebende Frau mit dem Fernglas verstohlen durchs Fenster beobachtet.
Eine Masche mit Potenzial
Der Film (Buch: Sascha Arango) macht dem Zuschauer nichts vor. Schnell ist klar, dass mit Charlotte Delius etwas nicht stimmt. Putzige Kaninchen malträtiert sie mit Rattenfallen, eine aus einem Hundefell entfernte, mit Blut vollgesogene Zecke landet in der Mikrowelle, bis das Tier platzt und der Saft an die Scheibe spritzt. Die Tierärztin hat sich gegenüber ihrem Polizisten-Nachbarn in einen Liebeswahn hineingesteigert. Als er mit einer jungen Frau aus Weißrussland zusammenziehen will, plant Charlotte Delius den scheinbar perfekten Mord. Mit einem Elektroschocker und bloßen Händen räumt sie die Rivalin auf denkbar grausame Weise aus dem Weg. Danach lebt sie ihren Alltag weiter, als sei nichts geschehen.
Der Täter ist also bekannt, der Zuschauer weiß mehr als die Ermittler – keine neue Masche in einem Krimi, aber eine mit Potenzial und einem gewissen Risiko gleichermaßen. Wie lässt sich Spannung aufbauen, wenn der Zuschauer einen Informationsvorsprung besitzt? Borowski und die Frau am Fenster führt vor, wie es funktionieren kann. Sibylle Canonica bleibt in ihrer Rolle als kaltblütige Mörderin rätselhaft, eine faszinierende Person, deren Geheimnisse nach und nach gelüftet werden. Als musikalisches Leitmotiv ihrer unerfüllten Liebessucht erklingen immer wieder Zarah-Leander-Schlager und Auszüge aus Wagner-Opern. Ein hübsche Idee, dass im Hintergrund auf CD gerade Isoldes Liebestod läuft, als sie bei Nielsson noch einmal einen letzten verzweifelten Flirt-Versuch startet.
Nicht frei von Missverständnissen ist das erneute Aufeinandertreffen von Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli). Der Tatort-Gucker weiß: Vor fast genau einem Jahr (in Borowski und eine Frage von reinem Geschmack) waren sich die beiden schon einmal begegnet. Bei einem Autounfall. Nichts deutete damals darauf hin, dass sich die junge Computerspezialistin als Borowskis Assistentin bei der Mordkommission bewerben könnte.
Beim Vorstellungsgespräch blamiert Brandt jedoch ihre männlichen Mitbewerber und erweist sich als Hacker-Ass, eine zweite Lisbeth Salander. Die Beschaffung wichtiger Dokumente besorgt sie per Datenklau auf dem (ganz) kurzen Dienstweg, was zwar nicht legal, mit einem flotten Spruch («Wir sind die Guten») aber schnell wieder glatt gebügelt ist. Der Konflikt der Ermittler-Generationen, eigentlich ein abgewetztes Thema - er erfolgt in Kiel mit einem Augenzwinkern. Während Borowski mit seinem alten Kombi über die Dörfer juckelt, surft die junge Kollegin mit dem Laptop auf der Datenautobahn – das ist ein bisschen viel Klischee, lässt sich aber süffig weggucken.
Der Chef mit der Schnapsflasche
Heiter geraten ist der Nebenstrang um Borowskis Chef Schladitz (Thomas Kügel). Dem ist gerade die Frau abgehauen, weshalb er nächtens mit geleerter Schnapsfalsche bei Borowski auftaucht und sich gleich für drei Wochen einquartiert. Für Eigenbrötler Borowski ist's der Super-GAU, für den Zuschauer eine willkommene Abwechslung in einem Krimi, der sonst nicht gerade mit makabren Szenen geizt.
Bleibt die Hoffnung, dass es in diesem Stil weitergeht mit dem neuen Kriminaler-Duo. Der Kieler Tatort beweist erneut, dass sich harte Geschichten auch höchst vergnüglich erzählen lassen. Es müssen ja nicht immer Sozialdramen sein.
Bester Dialog: Sarah Brandt: «Eigentlich wollte ich zur berittenen Polizei.» Borowski: «Warum sind Sie hier?» Brandt: «Ich bin allergisch gegen Heu.»
Titel: Tatort - Borowski und die Frau am Fenster
Regie: Stephan Wagner
Darsteller: Axel Milberg, Sibel Kekilli, Thomas Kügel, Sibylle Canonica undandere
Sendetermin: Sonntag, 2. Oktober 2011, 20.15 Uhr, das Erste
Tatort war gut, besser zumindest als manch anderer. Ironie und Humor sind immer gut und können Handlung und Spannung prima kontrapunktieren. Aber Sibell Kikkeli ist echt wahnsinn. Sie jetzt in der ARD ! als Kommissaranwärterin zu sehen, nachdem Sie einstmals Ihre Schauspiel"ausbildung" in der Pornoindustrie "genossen" hat. Könnte ja doch ein Erfolgs-Modell für andere werden....., wo in dieser Branche doch ach so viele sehr sehr junge Girls angelockt werden, eben genau mit dem Versprechen, danach! groß als Filmstar herauszukommen.
jetzt antwortenKommentar meldenDie Tatortkrimis werden immer krampfiger, den Autoren fällt nichts mehr ein stoppt die Langeweile und die an den Haaren herbeigezogenen Sujets, die einen zum Umschalten zwingen
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