Von news.de-Volontär Ayke Süthoff
Die ARD-Doku Der Knast-Entscheider begleitete den Haftrichter Clemens Becker bei seiner schwierigen Arbeit. Becker sprach offen über seine Zweifel am Sinn seiner täglichen Arbeit. Dabei kamen Erinnerungen auf - an die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig.
Der Fall erschütterte Deutschland: Im Juni 2010 nahm sich die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig das Leben. Heisig war keine Unbekannte: In den Medien trat sie offensiv für ihre Überzeugungen ein, sprach über Hass und Angst in Problemvierteln und über zunehmende Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen.
Kirsten Heisig wirkte - zumindest wenn sie im Fernsehen zu sehen war - wie eine selbstbewusste, intelligente und mutige Frau. Umso überraschender kam für die Öffentlichkeit ihr Selbstmord. Er ließ erahnen, wie verzweifelt diese Frau war, die einen schwierigen Beruf zu ihrem Lebensmittelpunkt gemacht hatte. Die sich einer Aufgabe stellte und an dieser Aufgabe scheiterte.
Heisigs Tod lenkte die öffentliche Aufmerksamkeit auf die gesellschaftlichen Probleme mit jugendlichen Straftätern, aber auch auf den schwierigen Job des Richters. Die gestern im Ersten ausgestrahlte Dokumentation Der Knast-Entscheider vertieft dieses Thema. Das Team vom SWR porträtiert darin den Arbeitsalltag von Clemens Becker, einem Haftrichter aus Frankfurt am Main.
Zwischen Freiheit und Knast
Der 62-jährige Becker ist die Instanz, die zwischen Untersuchungshaft und Freiheit entscheidet, oft nach festen Vorgaben, manchmal rein nach Gefühl. Wird ein Straftäter flüchten oder wird er wieder straffällig? Handelt es sich um eine Bagatelle oder ein schweres Verbrechen? Becker befragt 2300 Beschuldigte pro Jahr. Er entscheidet, ob sie in den Knast müssen oder laufen gelassen werden.
Das Erste stellt die Frage, ob Haftrichter in Deutschland zu nachsichtig, zu lasch sind oder ob sie gar zu voreilig fehlgeleitete Menschen einsperren. Aber diese Frage steht nur rhetorisch zu Beginn des Films im Raum. Es geht weniger um eine Bewertung der Arbeit Beckers als um eine Darstellung. Die Dokumentation zeigt die Fließbandarbeit des Richters als Schaltstelle zwischen Freiheit und Knast. Und sie zeigt einen zweifelnden Mann. «Wenn ich das mal nüchtern betrachte», sagt Becker, «ist meine Arbeit eigentlich für die Füße».
Denn es ändert sich nichts, egal wie viele Straftäter Clemens Becker wegsperrt, egal wie viele Menschen er zur Einsicht bringt - es wird immer neue Straftäter geben. Und immer neue Opfer. Da werden Erinnerungen an Kirsten Heisig wach: Ein Richter, der über das Schicksal von Tausenden Menschen entschieden hat und jeden Tag hilflos mit ansehen muss, wie es immer mehr werden. Ob er auch daran verzweifelt? Bisher nicht.
Becker sieht seine Arbeit pragmatisch, entscheidet von Fall zu Fall, von Mensch zu Mensch. Gibt es eine Alternative? Müssten Straftäter in Deutschland schneller und länger weggesperrt werden? Oder sollte man sie auf freien Fuß lassen, weil die Haft nichts ändert?
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rut/news.de
Zu beneiden sind diese Richter sicherlich nicht. Straftäter nicht einzusperren halte ich aber für falsch. Wenn es keine entsprechende Strafe gibt, werden sich immer mehr Menschen nicht mehr an geltende Gesetzte halten wollen.
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