Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Der Kinofilm Margin Call blickt auf die Anfänge des großen Börsencrashs. News.de nimmt Finanzkrisenflme unter die Lupe und erklärt, warum es so schwer ist, Popcornkino daraus zu machen. Außerdem verlosen wir Dirk Müllers Cashkurs.
Aktienkurse, Gewinnmargen, Zahlen und dann immer diese Schlipsträger – gar nicht so einfach, daraus einen Film für das Popcornkino zu machen. Besonders sexy wirkt das auf den ersten Blick nicht. Doch hinter all den Dezimalstellen, Kurven und Formeln stecken große Emotionen: Geraten die Anleger in Panik, brechen die Kurse ein. Sinkt der Wert eines Unternehmens, stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel. Menschen verlieren ihr Haus, ihre Altersvorsorge, ihre Sicherheit. Es geht um Existenzen, Schicksale. Oder, wie im Falle der Euro-Krise, gleich um brisante politische Fragen. Was auf den ersten Blick dröge wirkt, ist in Wirklichkeit ein hoch komplexes psychologisches Geflecht.
Das allerdings in Bilder zu packen, ist gar nicht so einfach, weil das Sujet so abstrakt ist. Vielleicht ist das auch der Grund, warum bislang erstaunlich wenig Filmemacher das Thema Finanzkrise angepackt haben. Als bekannt wurde, dass Regisseur Oliver Stone eine Fortsetzung des 1980er-Jahre-Klassikers Wall Street dreht, waren die Erwartungen groß. Nicht nur, weil der Vorgängerfilm Kinogeschichte geschrieben hat, sondern auch weil Kinofans gehofft hatten, dass dies der Film zur Finanzkrise sein würde. Die Ernüchterung war groß, als Wall Street - Geld schläft nicht 2010 in die Kinos kam und sich in Fachjargon und familiären Dramen des Finanzhais Gordon Gekko (Michael Douglas) verstrickte.
Hintern retten auf der Leinwand
Jetzt kommt mit Der große Crash – Margin Call ein neuer Film in die Kinos, der sich auf das rutschige Börsenparkett wagt. Regisseur JC Chandor legt dafür den Fokus auf eine Investmentbank, deren Führungsriege in einer Nacht um die Existenz kämpft. Anhand dieser kleinen Zelle zeigt er die Strukturen, die zum Kollaps des weltweiten Finanzsystems geführt haben.
Ein Risikoanalyst erkennt, dass die Finanzjongleure bislang auf eine fehlerhafte Formel gesetzt haben und die Firma zielsicher in den Konkurs steuert. Der Mann wird gefeuert, kann aber seine Daten an einen ambitionierten Nachwuchsbanker weiterreichen und so sickert die fatale Erkenntnis in die Führungsetage, die sich in einer Nacht durch einen Nervenkrieg kämpft. Ziel der Krisensitzung: Den eigenen Hintern retten, koste es, was es wolle. Und am Ende verscherbeln die Angestellten und Führungskräfte nicht nur giftige Wertpapiere, sondern auch ihre Moral und ihren Anstand. Wer braucht das schon, so lange der Kontostand stimmt?
Chandor gelingt es, dem Geschehen eine komische wie bittere Note abzugewinnen, indem er immer wieder betont, dass die Verantwortlichen selbst nicht verstehen, wie das Desaster zustande gekommen ist: «Erklären Sie es in einfachen Worten» ist der Schlüsselsatz, der immer wieder fällt.
Doch, was die Figuren hier fordern, gelingt dem Regisseur selbst nicht so recht. Er wühlt sich durch Finanzmarktstrategien und verliert dabei die Aufmerksamkeit so manchen Zuschauers. Auch wenn er Stars wie Kevin Spacey, Paul Bettany, Jeremy Irons, Demi Moore oder Stanley Tucci dafür ins Rennen schickt.
Spannend an Der große Crash ist, dass der Film die Abgründe der Skrupellosigkeit in der Branche zeigt - und um das zu verstehen, braucht man kein Studium der Wirtschaftswissenschaften. Doch der Film hat ein ähnliches Problem wie Wall Street – Geld schläft nicht: All die Anzugträger, die da mit Grabesmienen über Teppichflure hetzen, sind einfach viel zu dröge. Da hilft es auch nicht, dass Demi Moore im Kostümchen ein wichtiges Gesicht macht und sich von den Männern hintergangen fühlt.
Arbeitsloser Karrierist und trostloser Profi-Feurer
Einen anderen Ansatz, sich dem abstrakten Desaster zu nähern, zeigen Filme wie Company Men, Up In The Air oder Larry Crowne. Sie befassen sich mit den Folgen der Krise, brechen das Abstrakte auf den Alltag der Menschen herunter. Company Men ist da noch ziemlich dicht dran: Karrierist Bobby Walker (Ben Affleck) wird gefeuert und muss sein Leben, das bislang von Effizienz und Machtstreben bestimmt war, völlig neu sortieren.
George Clooney sitzt in Up In The Air am anderen Ende des Hebels. Sein Job ist es, die Leute zu entlassen. Er ist also Nutznießer der Finanzkrise, verkümmert aber zunehmend in seiner blutleeren und heimatlosen Welt. Hier ist die Finanzkrise nicht das Hauptthema des Films, sondern die Grundierung, auf der sich diese Figur bewegt und sich um ein anständiges Leben bemüht.
Auch in Larry Crowne ist die Krise nur Hintergrundmusik. Tom Hanks spielt den unbescholtenen grundamerikanischen Jedermann namens Larry, der plötzlich Job und Haus verliert. Nicht, weil er Boni eingestrichen und mit Aktien spekuliert hat, sondern weil er einfach am Ende der unglückseligen Dominokette sitzt, die auf dem Börsenparkett ins Straucheln geriet.
Dennoch - ein wirklich überzeugender Ansatz, diese Krise, die uns schon seit Jahren schüttelt, auf die Leinwand zu bringen, ist bislang noch keinem Regisseur gelungen. Vielleicht liegt es auch daran, dass die selbst noch viel zu sehr damit beschäftigt sind, sich wieder aufzurappeln.
V E R L O S U N G: 3 Bücher
Zum Kinostart von Margin Call verlost news.de drei Ausgaben des Buches Cashkurs - So machen Sie das Beste aus Ihrem Geld von Finanzexperte Dirk Müller. Der im Droemer Verlag erschienene Finanzalmanach (Preis: 19,95 Euro) enthält Checklisten, Praxistipps und Rechenbeispiele und befindet sich derzeit auf Platz drei der Spiegel-Bestsellerliste. Wer gewinnen möchte, schickt bitte eine E-Mail mit dem Stichwort «Cashkurs» bis Dienstag, 4. Oktober 2011, 12 Uhr, an redaktion@news.de. Bitte die Postadresse nicht vergessen. Die Gewinne werden unter den Einsendern verlost. Die Gewinner werden umgehend per E-Mail benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
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