Das neue Facebook 800 Millionen gläserne Bürger

750 Millionen gläserne Bürger (Foto)
Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat noch viel vor. Bild: dapd

Essen, Trinken, Facebook: Das soziale Netzwerk will künftig noch mehr Einblick in den Lebensalltag seiner Nutzer und so zu deren Lebensarchiv werden. Datenschützer äußern Kritik an der Strategie des Internetkonzerns. Doch Facebook hat noch viel mehr vor.

Ob beim Kochen oder Joggen, Musik hören und Filme gucken: Facebook will sich noch tiefer im Leben seiner mittlerweile 800 Millionen Mitglieder verankern. Das Online-Netzwerk kündigte am Donnerstag auf der Entwicklerkonferenz f8 etliche neue Funktionen an, mit denen Nutzer mehr aus ihrem Alltag preisgeben können. Musik, Filme und Nachrichten spielen dabei eine zentrale Rolle. Mit diesen Plänen beschwor das Unternehmen aus San Francisco allerdings sogleich Datenschutzbedenken herauf.

Wichtiger Bestandteil der zahlreichen Neuerungen ist die Möglichkeit, Medien zu empfehlen. Die 800 Millionen Nutzer sollen ihren Freunden zeigen können, welche Musik sie gerade hören, welche Filme sie schauen oder welche Artikel sie lesen. Dafür richtet Facebook ein neues Tickerfenster ein. Zahlreiche Online-Videotheken, Musikdienste und Websites von Medienunternehmen kooperieren mit Facebook, darunter bekannte Namen wie Spotify, Netflix und das Wall Street Journal.

Lebensarchiv
So sieht das neue Facebook aus

Facebook will noch engere Kundenbindung

Zudem will Facebook seine Nutzer mit überarbeiteten Profilen enger an sich binden (siehe Screenshot). Mitglieder können auf einer Zeitleiste (Timeline) wichtige Dinge aus ihrem Leben in einem Magazin-artigen Layout zeigen. «So erzählt man die ganze Geschichte seines Lebens auf einer einzigen Seite», sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Die Funktion wird über die nächsten Wochen eingeführt, wer möchte kann sie aber bereits vorab testen.

Das zweite Leben im Netz
Die Welt der Sozialen Netzwerke

«Die Facebook Timeline wird die Art und Weise, wie wir als Gesellschaft Erinnerungen pflegen, massiv verändern», prophezeiht Social-Media-Experte Nico Lumma, der die neue Facebook Timeline mit einem dauerhaft aktualisierten vernetzten Familien- und Freunde-Album vergleicht. Dieses Konzept des «Digital Life Caching» sei nicht neu, «aber Facebook setzt es für 800 Millionen Nutzer um und wird damit nachhaltige Veränderungen in unserer Online-Nutzung bewirken.», so Lumma.

Das Zuckerberg-Netzwerk versprach den Nutzern, dass sie die Kontrolle über ihre Informationen behalten. Viele Beobachter äußerten dennoch Datenschutz-Bedenken. «Timeline ist die größte Invasion in die Privatsphäre in der Geschichte der Technologie», schrieb ein Twitter-Nutzer. Der Gartner-Analyst Michael Gartenberg kommentierte sarkastisch: «So können die Kids leichter Dinge online stellen, die sie später in ihrem Leben bedauern werden.»

Facebook-Imperium
Das Netzwerk hinter dem Netzwerk

Google+ im Nacken

Mit diesen Änderungen facht das Unternehmen die Konkurrenz zu Google+ weiter an - dessen Betreiber Google hatte seinen Gegenentwurf zu Facebook jüngst für alle Nutzer geöffnet und mehrere technische Neuerungen angekündigt.

Facebook stellt derzeit im Wochentakt Neuerungen vor. So hilft das Unternehmen seinen Mitgliedern seit kurzem, den Empfängerkreis von Informationen einzuschränken. Dafür erstellt die Software anhand der Profilinformationen automatisch Listen, etwa mit Kollegen, Verwandten oder Mitschülern. Nutzer können zudem öffentliche Einträge anderer Mitglieder abonnieren, ohne deren Facebook-Freund zu sein. Google+ bietet ähnliche Funktionen an.

Erst diese Woche hat Facebook Änderungen am zentralen Element seiner Website vorgenommen, dem Live Stream, in dem Nutzer alle Neuigkeiten aus ihrem Netzwerk sehen. Dies solle sicherstellen, dass dort auftauche, was man sehen wolle, erklärte Facebook.

cvd/wam/news.de/dpa

Leserkommentare (11) Jetzt Artikel kommentieren
  • Bruno W. Reimann
  • Kommentar 11
  • 31.05.2012 19:24
Antwort auf Kommentar 7

zu Jan Schießer: noch unerträglicher ist, daß sich in der Partei DIE LINKE sehr viele Neo-Stalinisten, wie z.B. Sarah Wagenknecht, versammeln!

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  • Heinrich Thomas
  • Kommentar 10
  • 03.01.2012 19:38

Ich gebe wenig preis von mir auf dieser seite. Da Facebook von mir verlangt das ich dem datenschutz zustimme.Aber sie nicht so genau damit nehmen. Und das neue werde ich ablehnen. Ich finde so wie es ist ist es gut.

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  • Nanny Tober
  • Kommentar 9
  • 25.09.2011 11:53

Der Mensch in der Masse bildet sich ideologisch selber zurück in die kleine Gruppe , wo jeder von JEDEM alles weiß - eine Suche nach Vertrautheit , die allerdings auch mißbraucht werden kann . Doch sind wir nicht schon längst alles DATENOPFER und vor Mißrauch so ungeschützt in vielen Bereichen des Lebens - wo wir es nicht ahnen oder für möglich halten ? Denkt daran , alles ist möglich was der Mensch ersinnen kann . Die VERNUNFT würde heißen - alles was möglich ist ungenutzt zu lassen und das wird mit Sicherheit nicht geschehen , das Gegenteil ist der FALL :Alles geschieht was machbar ist .

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