Von news.de-Mitarbeiter Tobias Köberlein
Eine Biologin liegt mausetot in einer Kühltruhe, ein Protein aus einer Forschungsreihe ist verschwunden: Auskreuzung führt Schenk und Ballauf in die unterkühlte Welt der Genforschung. Der Fall passt sich allerdings der Labor-Atmosphäre an.
Wissenschaftskrimis sind immer eine schwierige Angelegenheit. Komplexe Sachverhalte müssen allgemeinverständlich erklärt werden, dürfen den Zuschauer nicht überfordern und vor allem nicht vom Fall ablenken. Auskreuzung (Buch: Karl Heinz Käfer, Regie: Torsten C. Fischer) schafft dies alles nicht. Das Thema genmanipulierte Pflanzen ist brisant und hochaktuell, keine Frage. Leider gerät die Umsetzung zum VHS-Kurs Biologie. Da passt es gut, dass Freddy Schenk (Dietmar Bär) das Bio-Buch seiner Tochter wieder auspackt und von «Frankensteins Werkzeugkasten» schwadroniert.
In einem Hochsicherheitslabor ist eine junge Forscherin auf höchst merkwürdige Weise ums Leben gekommen. Die Chefsekretärin fand sie kopfüber in einer Kühltruhe. Sie hat Co2-Dämpfe eingeatmet, ist erstickt. Der Spurensicherung dämmert schnell, dass jemand das Kühlsystem manipuliert haben muss. Jemand, der sich damit auskennt, was den Kreis der potenziellen Täter entscheidend verkleinert.
Ein kreativer Konkurrenzkampf
Es sind die üblichen Verdächtigen, die Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk abklappern. Am Gen-Institut herrscht ein «kreativer Konkurrenzkampf», wie es der Institutsleiter Professor Kaltenbruch (Klaus Schindler) euphemistisch formuliert. Forschergruppen bekriegen sich gegenseitig, werden gegeneinander ausgespielt. Natürlich dürfen auch die militanten Gen-Gegner nicht fehlen. Nachts fräsen sie sich durch einen Absperrzaun und besetzen einen Kartoffelacker, auf dem mit dem Erbgut der Knollen experimentiert wird. Für den Pommes-Liebhaber Schenk ein absolutes No-Go. Wer will seine Currywurst schon mit genmanipulierten Fritten vertilgen?
Schade, schade, dass die Kölner nicht mehr aus der Thematik gemacht haben. Das Personal dazu wäre vorhanden gewesen. Misel Maticevic (Im Angesicht des Verbrechens) muss einen aalglatten Wissenschaftler spielen, der für seine Karriere bereit ist, Freunde und Familie zu opfern. Undankbar auch die Rolle von Tom Schilling als militanter Gentechnik-Gegner Alexander Geyda. Im VW-Bus fährt er durchs Land, besetzt Felder mit Gen-Gemüse und weint seiner ehemaligen Freundin hinterher. Lara Bahls (Luise Berndt) hat die Fronten gewechselt, ist von der engagierten Umweltschützerin zur Gen-Forscherin geworden. Im Weichzeichner-Licht ist sie nach dem Sex mit entblößten Brüsten mit ihrem Liebhaber zu sehen, während Geyda von oben durchs Fenster späht. Ein bisschen Tatort-Erotik, die nicht davon ablenken kann, dass bei den Kölnern diesmal wenig zusammenpasst.
Max Ballaufs private Nöte
Genauso bemüht und überflüssig wie die Oben-Ohne-Szene sind privaten Nöte des Max Ballauf. Nachts taucht ein junger Komatrinker (Kai Malina) vor seiner Wohnung auf. Der jugendliche Ausreißer könnte tatsächlich die Frucht einer längst in die Brüche gegangenen Liebschaft sein. Ein heimlicher DNS-Test soll Klarheit bringen. Schon mehr als vordergründig, wie das Skript die Gen-Thematik ins Private einfließen lässt.
Bleibt am Ende der wohl enttäuschendste Kölner Tatort seit Langem, ein Routine-Fall, der weder gesteigertes Interesse für die Gen-Problematik noch an den Charakteren erkennen lässt. Selbst die obligatorische Schlussszene an der Currywurst-Bude mit Rheinblick entfällt. Für das nächste Mal wünschen wir uns als Zuschauer wieder mehr Herz- als Kunstblut.
Bestes Zitat: «Da zerbricht man sich nächtelang den Kopf über diese Desoxyribonukleinsäure. Und dann soll es doch nur wieder eine Beziehungstat gewesen sein.» (Max Ballauf)
Titel: Tatort - Auskreuzung
Regie: Thorsten C. Fischer
Darsteller: Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär, Tessa Mittelstaedt, Ole Puppe und andere
Sendetermin: Sonntag, 25. September 2011, 20.15 Uhr, Das Erste
Ist es nicht traurig genug daß es Grusamkeiten überhaupt gibt???
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