Film Helen Mirren über Oscars und Aristokraten

Als «Queen» hat die britische Schauspielerin Helen Mirren 2007 einen Oscar gewonnen - es war eine von Dutzenden Auszeichnungen in ihrer Karriere.

Helen Mirren über Oscars und Aristokraten (Foto)
Helen Mirren über Oscars und Aristokraten Bild: dpa

Berlin (dpa) - Als «Queen» hat die britische Schauspielerin Helen Mirren 2007 einen Oscar gewonnen - es war eine von Dutzenden Auszeichnungen in ihrer Karriere.

Nun ist sie in dem Thriller «Eine offene Rechnung» als ehemalige Mossad-Agentin zu sehen, die einst einen Nazi-Kriegsverbrecher gejagt hat. Der Film startet an diesem Donnerstag in den Kinos. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur spricht die 66-jährige Mirren über ihre Zeit nach ihrem gefeierten Auftritt als Elisabeth II. - von weiteren Rollen als Aristokratin habe sie sich ganz bewusst ferngehalten.

Hat sich seit dem Erfolg mit «Die Queen» 2006/2007 für Sie und Ihre Schauspielkarriere viel geändert?

Mirren: «Ich hatte schon in anderen Phasen meines Lebens Erfolg, ob als Theaterschauspielerin oder im Fernsehen mit der Serie "Heißer Verdacht". Deshalb habe ich nicht den Eindruck, als ob sich viel geändert hat. Vielleicht mache ich jetzt etwas mehr Kino als vor zehn Jahren. (...) Aber ich muss jetzt aufpassen, nicht zu sehr als "Queen" gesehen zu werden. Ich habe genau darauf geachtet, Rollen zu finden, die ganz anders waren. Bei allen Rollen, die nur in Ansätzen ähnlich waren, bei allen Aristokraten-Parts, habe ich gesagt, "nein, das will ich nicht spielen".»

Was bedeutet Ihnen denn die Oscar-Auszeichnung 2007 im Rückblick?

Mirren: «Das mit dem "Academy Award" ist schon merkwürdig - denn letztlich wissen wir in unseren Herzen, dass das bedeutungslos ist. Als Mitglied der Europäischen Film-Akademie sehe ich brillante Schauspieler aus der Ukraine, aus Dänemark, Deutschland, Italien oder Serbien. Die würden ganz leicht einen Oscar gewinnen - wenn sie in einem englischsprachigen Film mitspielten. Wir wissen ganz tief in unseren Herzen, dass der Gewinn eines Oscars nun wirklich nicht bedeutet, dass du eine großartige, fantastische Schauspielerin bist.»

Sie bezeichnen sich selbst als faulen Menschen. Dafür drehen Sie aber eine Menge Filme. Wie passt das zusammen?

Mirren (lacht): «Wissen Sie, ich kämpfe immer gegen meine eigene Faulheit an. Ich bin geradezu paranoid in Bezug auf meine Faulheit. Ich komme, wirtschaftlich gesehen, aus der Arbeiterschicht. Ich habe einfach diese Angst, nicht genug Geld für meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Deshalb denke ich mir, "nur noch ein Job, denn vielleicht wird mir niemand mehr etwas anbieten". Ich muss mir das Geld verdienen, um die nächsten 20 Jahre oder wie lang auch immer zurechtzukommen. Das ist so eine Art wirtschaftlicher Imperativ, der mich dazu bringt.»

Vielleicht ist das ja nur eine Art Koketterie, dass Sie sich für faul halten?

Mirren: «Ich bin faul - denn wenn ich nicht arbeite, dann tue ich absolut nichts. Mir einen Cappuccino zu holen, wird dann zum großen Tages-Ereignis. Ich bin furchtbar, furchtbar faul. (...) Zugleich fühle ich mich deswegen schrecklich.»

Sie spielen in dem Thriller «Eine offene Rechnung» eine Spionin. Welche Qualitäten einer Spionin haben Sie denn im wahren Leben?

Mirren: «Ich bin eine gute Schauspielerin - und ich denke, dass auch Spione sehr gute Schauspieler sein müssen. Denn Geheimagenten leben zwei Leben, manche sind sogar verheiratet und verraten ihrem Partner nicht, wer sie wirklich sind. Das ist ein seltsamer mentaler Zustand. Ich könnte das nicht - vermutlich würde ich zur Wodka-Flasche greifen und sagen, "hör zu, ich erzähle dir jetzt, wer ich wirklich bin."»

Filmseite

news.de/dpa

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig