Von news.de-Redakteur Martin Walter
Freibeuter mit Oberwasser: Die Piratenpartei und Christopher Lauer erfreuen sich an ihrem «Dilettantenbonus» und kapern das Studio von Anne Will. Den dilettantischen Liberalen bleibt nur das Jammern über die bösen Medien.
«Meinen die das ernst oder wollen die nur spielen?», führte Anne Will mit einer Frage in ihre Sendung ein, der sie den Titel Piraten entern Berlin - Meuterei auf der «Deutschland»? verpasst hatte. Ihren ersten Gast, Christopher Lauer von der Piratenpartei, begrüßte sie mit einer Bemerkung zu seiner fehlenden Augenklappe, kurz darauf waren ein taiwanesischer Piraten-Cartoon und ein Filmschnipsel zu sehen, der die mangelnden Zahlenkenntnissen des Piratenkapitäns Andreas Baum demonstrieren sollte.
Nein, richtig ernst genommen werden sie auch nach ihrem Wahlerfolg in Berlin noch nicht, die Piraten. Stolze 8,9 Prozent der Stimmen erbeutete die Newcomer-Partei in der Hauptstadt, gleichbedeutend mit dem erstmaligen Einzug in ein Länderparlament. Doch außer lustigen Wortspielen, wie dies Renate Künast bereits im Wahlkampf versucht hatte ( «Auch Piraten kann man resozialisieren»), scheint noch niemand so recht zu wissen, was er mit der Piratenpartei anfangen soll.
Legales Kiffen in der Hauptstadt?
Anne Will holte behelfsmäßig die radikalsten Forderungen der Piraten aus der Schublade: Legalisierung des Cannabis-Konsums, ein festes Grundeinkommen für jedermann und freies Fahren in öffentlichen Verkehrsmitteln. Wunderbar populistisch, aber auch die Erklärung für den Wahlerfolg der Piratenpartei?
Die anwesenden Gäste hatten andere Ideen. «Die Bedeutung des Internets für unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben haben sie als einzige Partei erkannt», lobte CDU-Politiker Peter Altmaier. Darauf wollte Politikexpertin Gertrud Höhler die Piratenpartei allerdings nicht beschränkt wissen. «Die mischen Träume mit Realität», philosophierte Höhler und erkannte daraus eine Aufforderung an die Gesellschaft, wieder mit mehr Optimismus und Visionen ans Werk zu gehen.
In der Hauptsache wurden jedoch politischer Neid und gute Ratschläge zum Besten gegeben. «Ich glaube, es ist ein besonderes Phänomen hier in Berlin», relativierte Bärbel Höhn von den Grünen den Erfolg der Piraten, die sie nicht als Enkel ihrer Partei anerkennen wollte. Und Politik zu machen sei «nochmal eine andere Kiste». Auch Roger Willemsen erachtete den Erfolg für «ein urbanes Phänomen». Peter Altmaier konnte sich zwar zu einem «Chapeau!» durchringen, schob aber gleich die Warnung nach, dass die Bäume für die Piraten nicht in den Himmel wachsen würden.
«Sie verstehn das Internet nicht.»
Christopher Lauer, künftiges Mitglied des Berliner Abgeordnetenhaus, ließ sich davon kaum irritieren. «Wir hatten nichts zu verlieren», war seine banale Erklärung für den Erfolg der Piraten. Auch das respektlose Geduze durch den Rest der Runde und eine vom Zaun gebrochene Diskussion über seinen Kleidungsstil konnten den 27-Jährigen nicht aus der Façon bringen.
Sprachgewandt und keck schwamm sich der Neupolitiker nach anfänglicher Nervosität zunehmend frei. «Wir haben jetzt am Anfang einen Dilettantenbonus, aber wir nehmen die Verantwortung natürlich an», erklärte er freimütig und teilte verbal munter aus.
Bärbel Höhn bekam die mangelnde Internetaffinität der Grünen um die Ohren gehauen («Sie machen ne Plattform. Ich twittere. Sie verstehn das Internet nicht.»), FDP-Politiker Martin Lindner die Mövenpick-Affäre («Mit Hotels kennen Sie sich sicher besser aus als ich.») und selbst Anne Will traf eine sanfte Spitze ob eines tendenziösen Einspielers («Entschuldigen Sie, das haben Sie doch jetzt so zusammengeschnitten.»).
Dass die anderen Volksvertreter im Studio ihn und seine Partei nicht wirklich ernst nahmen, goutierte Lauer mit Genugtuung. «Wenn Sie uns so behandeln wie bisher, dann fliegen wir weiter unter dem Radar», freute sich der Jungpolitiker über die Haltung der politischen Gegner. Und recht hatte er. Wenn Anne Wills Sendung eines zeigte, dann dass die etablierten Parteien den Ärger und Verdruss vieler Bürger noch immer nicht verstanden haben.
Am Ende wurde dann noch deutlich, wie schlimm es derzeit um die FDP stehen muss. Statt politische Erklärungen über den Niedergang der eigenen Partei zu suchen, begann der Liberale Martin Lindner über einen Autounfall von Philipp Rösler und die Berichterstattung in der Boulevardpresse zu jammern. «Es geht nur um Zerstörung», klagte er die Medien an. Christopher Lauer saß ihm gegenüber und konnte nur noch lachen. Soviel Dilettantismus, wie in der FDP derzeit vorherrscht, würde er wohl selbst für die eigene Partei nicht in Anspruch nehmen.
Bestes Zitat: «Wir wollen ja nicht, dass die gesamte Bevölkerung bekifft auf der Straße herumliegt.» Christopher Lauer erläutert eines der Wahlziele der Piratenpartei.
cvd/news.de
Applaus Ragna - genau so isses. Ich hoffe die Piraten werden noch deutlicher. Vielleicht kapieren dann unsere Politiker, dass es ihnen und ihrem Machtgehabe an die Wäsche geht und hier über Menschen und nicht das "dumme" Volk gesprochen und entschieden wird. Wir haben ja alle nicht studiert und sind daher strohdumm. Noch gibt es bei uns Menschen die aber denken können.
jetzt antwortenKommentar meldenSehr witzig, der Kommentar. Die Piraten wissen mehr. Sie können analysieren. Es ist nämlich vollkommen wurscht, was politisch versprochen wird, keine Politik ist finanzierbar. Währungsreform dank Merkel und EU - nicht nur wegen GR. Die etablierten Parteien haben das System zu Tode geritten. R spricht zu: dumm - dümmer - Demokrat.
jetzt antwortenKommentar meldenHallo melban, wer verkauft denn schon seit Jahrzenten die Leute für dumm? Ist es nicht vorallem CDU/CSU und SPD? Schlimmer wie die kann man es doch nimmer treiben. Wie ist es denn z. Bsp. mit dieser "BRD-Finanz-GmbH"? Oder mit HarzIV? Ob Landtage, Bundestag oder schlimmer noch EU. Das sollen Demokratien sein? Wenn Sie das behaupten wollen, dann müssen Sie die ganze Zeit hinter dem "Mond" gelebt haben?
jetzt antwortenKommentar meldenJeder Intelligente (leider gibt es nicht viele davon!) weis der Macht der Medien. Gestern war es Guttenberg, heute ist es Rössler und Morgen? Da zählt die Arbeit und Wahrheit nicht viel, es ist ein Spiel und zur Zeit besonders mit der FDP!. Otto Proll folgt dem natürlich schön brav, er braucht ja für seinen persönlichen Frust einen Blitzableiter. Stattdessen bietet man solch Traumtänzern wie den Piraten (und Grünen) ein Podium zu Lasten der Zahler von Fernsehgebühren. Richtig ist, dass der Mensch Träume und Visionen haben sollte, nur müssen sich diese auf dem Boden der Realität und des Machbaren bewegen.
jetzt antwortenKommentar meldenDie Piraten sind den Grünen von vor 30 Jahren. Sie belegen Themen, die den anderen Parteien abhanden gekommen sind, die Klientel sind - wie damals - intelligente junge Leute. Kein Wunder, dass die grünen Politiker nervös werden, wo sind denn deren Ideale geblieben? Internetfreiheit, günstiger ÖPNV, Drogenthemen (das Verbot macht nur die Dealer reich), begrenztes Urheberrecht sind wichtiger als völlig überteuerter Solarstrom und nach Polen verschenkte Windenergie. Seit auf den Toiletten der Grünen im Bundestag die höchste Kokskonzentration gemessen wurde, zeigt diese Partei ihr wahres Gesicht.
jetzt antwortenKommentar meldenNatürlich geht es bei der FDP nur noch um Zerstörung und Rufmord. Auch wenn dann immer gleich die Keule "Medienschelte" geschleudert wird. Das Beispiel von Lindner, das dann konzertand abgewürgt wurde ist nur eins davon. Das verdrehen der Wort von der "altrömischen Dekadenz" ist das andere. Aber macht weiter so.....
jetzt antwortenKommentar meldenOb frei Kiffen und frei Strassenbahn fahren eine gute Idee ist, es geht hier nur um Abstrafung der andern Parteien....
jetzt antwortenKommentar meldenParteien wie jetzt die Piraten werden bei entsprechenden Wahlaussagen immer Erfolg bei verschiedenen Bevölkerungsgruppen habe, da Viele nicht zwischen Realität und Wunschvorstellungen differenzieren können. Im Zeitalter von facebook als Lebensinhalt bis zu einem gewissen Lebensalter und die Auseinandersetzung mit den oft verstaubten Zielen und internen Machtkämpfen der etablierten Parteien ist u.a. das Ergebenis der Politikverdrossenheit. Da Viele fast teilnahmslos die "Machenschaften" selbstherrlicher Politiker als gegeben hinnehmen, sind frischer Wind und neue Ideen nie verkehrt.
jetzt antwortenKommentar meldenSchade das unser Land immer mehr zur Bananenrepublik verkommt. Jetzt sitzen Leute im Parlament, die nicht im Geringsten Ahnung von dem haben, worüber sie sprechen sollten. Ob twittern aus dem Senat erforderlich ist oder nicht, dass könnt ihr Leuten verkaufen, die nachmittags sich die Talk-Shows auf RTL, SAT oder VOX ansehen, aber doch nicht dem Normalbürger, der noch einen Funken Grips hinter den Augen hat. Und wenn wir diesen Menschen auch noch eine Plattform (im wahrsten Sinne des Wortes) bieten wie bei Will, Plaßberg, Illner pp. dann können sie auch noch mehr Leute für dumm verkaufen.
jetzt antwortenKommentar meldenDie Piraten-Partei könnte noch mehr bessere Ideen machen.Die die Gesellschaft in Deutschland voranbringen.Denn Tabus dürfen in dieser neuen Zeit,keinen Bestand mehr haben.Denn nur Träume und Visionen bringen ein Land wie Deutschland weiter in die Zukunft.
jetzt antwortenKommentar meldenEin Hoch auf die Piraten! Zitat: "Darauf wollte Politikexpertin Gertrud Höhler die Piratenpartei allerdings nicht beschränkt wissen. «Die mischen Träume mit Realität», philosophierte Höhler und erkannte daraus eine Aufforderung an die Gesellschaft, wieder mit mehr Optimismus und Visionen ans Werk zu gehen." Da sieht man wieder,dass die etablierten Parteien realitätsfremd sind.Die Grünen hatte einst auch Träume und heute sind sie etabliert. Denn zuerst sind es Träume und Visionen und dann wird mit guter politischer Arbeit realität was man erträumt. Die Vorschläge der Piraten-Partei sind gut.
jetzt antwortenKommentar meldenDu hast vollkommen Recht wenn man heute diese Großmäuligen Politiker reden hört wird einen Schlecht immer schön von oben herab sobald Sie meinen etwas zusagen zu haben vor allem ohne Respekt nur ihre Vorstellung von Politik ist richtig aber der Tag der Abrechnung wird kommen und dann wird man wohl die FDP unter sonstige führen.
jetzt antwortenKommentar meldenLachhaft, einfach nur lächerlich diese Größmäuligen Politiker. Am meisten regt mich das Thema Cannabis auf, sie maulen alle herum und geben ihre Meinung dazu ab, aber haben keine Ahnung wovon sie sprechen, lediglich Klischees und erfundene Fakten werden diesbezüglich aufgetischt. Wenn die mal außerhalb ihres Kastens denken würden, würde der Staat deutlich mehr Einnahme haben, auch durch die Legalisierung von Cannabis. (Wer dies verneint sollt sich vorher lieber über die Vorteile informieren und sich nicht blamieren)
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