Von news.de-Redakteurin Katharina Bott,
Ein Roman, sieben Songs: Das Lied vom Tun und Lassen sampelt drei Leben und sieben Lieder zu einer Wahrheit. Der Ex «Herr Nilsson» Jan Böttcher schreibt wie er singt: Schlicht und ergreifend.
Jan Böttcher ist ein mitteilsamer Zeitgenosse: Der 38-Jährige Wahlberliner schreibt sowohl Bücher als auch Songs. Mit seiner Band Herr Nilsson und herrlich eingängigen Popsongs versüßte er vielen Fans den Alltag. Und er erklärte ihnen ganz nebenbei die Welt. Doch mit Herrn Nilsson ist seit 2007 Schluss. Herr Böttcher wandelt jetzt auf Solo-Pfaden. Bereits 2008 erschien sein Album Vom anderen Ende des Flures auf Nilssons altem Hauslabel Kook, zu dessen Managern er selbst gehört.
Doch Jan Böttcher kann nicht nur schöne Songs, er kann auch Bücher schreiben. Das bewies er bereits 2003 mit seinem literarischen Debüt Lina oder: Das kalte Moor. Kein Wunder: Böttcher studierte deutsche und skandinavische Literatur. 2006 veröffentlichte er den Roman Geld oder Leben und gewann beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb den Ernst-Willner-Preis. Seinen bald folgenden Roman Nachglühen (2008) adelte das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung als «ein stilles Meisterwerk». Das Lied vom Tun und Lassen ist sein neuester, eben erschienener Roman.
Worum geht's? Ein Mädchen ist vom Dach eines Kleinstadtgymnasiums gesprungen. Zurück bleibt deren Freundin Clarissa, die anstatt zu lernen in die Netzwelt flüchtet. Lehrer Mauss hat die Schüler in ihrer Trauer gestützt. Doch wie weit darf man dabei gehen? Dass einer mehr auf Bindung als auf Bildung setzt, findet Schulgutachter Engler sehr verdächtig. Als der sich auch noch in Clarissa verguckt scheint seine Urteilskraft vollends flöten zu gehen. Und das ist erst der Anfang vom Lied.
Der dreigeteilte Roman verspinnt ebenso klug wie spannend drei Generationen, drei Leben, drei Personen. Erst diese drei Stimmen gemeinsam lassen Das Lied vom Tun und Lassen erklingen. Böttcher ist mit dieser Ode an das Leben und den Neuanfang sprachlich entzückende Unterhaltungsliteratur, quasi U-Literatur, gelungen.
Noch immer nicht das Ende vom Lied: Dem Lesevergnügen kann man noch eine vierte U-Dimension hinzufügen; die des MUSIKERS Jan Böttcher. Alle Songs im und zum Roman findet man auf der Webseite des Autors janboettcher.com: Kongenial eingesungen, interpretiert und sanft arrangiert - irgendwo zwischen Thees Uhlmann-Stil und Dirk-von-Lowtzow-Fasson. Anspieltipp: Fünfzehn.
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Titel: Das Lied vom Tun und Lassen
Autor: Jan Böttcher
Verlag: Rowohlt
Seiten: 320
Preis: 19,95 Euro
Erscheinungsdatum: 16. September 2011