Von news.de-Mitarbeiter Tobias Köberlein
Beim WDR müssen sie besoffen sein vor Glück. Fast zwölf Millionen Zuschauer sahen im Mai den Tatort aus Münster. Das Duo Boerne und Thiel kann machen, was es will. Der Erfolg ist beiden sicher. Im neuen Fall Zwischen den Ohren ermitteln die Frotzel-Kommissare unter anderem im Rocker-Milieu.
Es geht ein bisschen makaber los, so etwa im Stil der Edgar-Wallace-Filme. Thiels Kiffer-Vater (Claus D. Clausnitzer) zieht beim Nachtangeln (wieder so eine schräge Filmidee!) einen sauber abgetrennten Fuß aus dem Wasser. Was am Fuß dran war, bleibt erst mal verschwunden. Ein Fall für Thiel (Axel Prahl), der mit dem «abben Fuß» herzlich wenig anfangen kann. Ganz im Gegensatz zum selbsternannten Medizin-Genie Boerne (Jan Josef Liefers). Eine seltene Fehlstellung einer Zehe bringt ihn auf die Spur. Bei der Toten handelt es sich um Boernes ehemalige Schulkollegin, mit der er seinerzeit (wer will das wissen?) Winnetou und Old Shatterhand zu spielen pflegte.
Schon ein recht absurder Einstieg, den sich die Autoren Christoph Silber und Thorsten Wettcke ausgedacht haben. Plausibler wird's aber auch nicht. Es stellt sich heraus, dass sich das Mordopfer Susanne Clemens als Mann verkleidet in einen Bikerclub eingeschlichen hat. Die Lederjungs fanden das offenbar gar nicht witzig, weshalb der Körper der Toten (er wird später auch noch aus dem Wasser gefischt) zahlreiche Hämatome aufweist. Die Rocker haben Susanne vermöbelt. Aber ermordet? Die Spur führt schließlich zu einem Tennisclub, in dem das 17-jährige Supertalent Nadine Petri (Anna Bullard) trainierte. Die Nachwuchshoffnung war mit Susanne Clemens befreundet. Und sie hat ein Geheimnis, von dem Susanne wusste. Sie ist intersexuell.
Wann ist eine Frau eine Frau?
Intersexuell? Da war doch was. Genau. Im Kölner Tatort von vergangener Woche spielte Edgar Selge eine Transe. Transsexualität, Intersexualität – schön, dass der «Tatort» so kurz nacheinander Abweichungen von der sexuellen Norm zum Thema macht. Mehr als schade allerdings, dass weder den Drehbuchautoren noch der Regisseurin Franziska Meletzky Wesentliches dazu eingefallen ist.
Nadine Petri trägt sowohl genetisch als auch hormonell beide Geschlechtsidentitäten in sich. Aufgeworfen wird nichts weniger als die Frage: Wann ist eine Frau eine Frau? Oder: Wann ist eine Frau ein Mann. Der Münsteraner Tatort hätte an dieser Stelle gar nicht groß in die Sex- und Gender-Debatte einsteigen müssen. Ein etwas ernsthafterer Umgang mit dem Thema wäre aber doch angebracht gewesen.
Boerne und Thiel klären die Frage nach Mann oder Frau lieber auf ihre Art: mit Hilfe eines Pullovers. Während die einen selbigen am Kragen packen und über den Kopf ziehen, kreuzen die Damen ihre Arme vor dem Bauch, bevor sie sich des Kleidungsstücks entledigen.
Fader Running-Gag
Viel mehr als solch dünne Witzchen hat dieser Münster-Tatort nicht zu bieten. Ebenso öde und überstrapaziert wird der zweite Running Gag. St. Pauli-Fan Thiel wird immer wieder vor dem Fernseher beim Fußballgucken gestört. Das ist zweimal lustig anzusehen, nervt beim dritten Mal aber schon gewaltig.
Noch schlimmer ist nur noch das selbstverliebte Getue Boernes - vor dem Spiegel übt der Leichenschnippler eine Dankesrede ein. Dem honorigen Wissenschaftler soll wieder einmal ein Preis verliehen werden. Am Ende landet er schwer alkoholisiert auf Thiels Couch und trinkt mit dem proletarischen Kollegen Brüderschaft. Die ist am nächsten Morgen wieder vergessen. Es bleibt beim Sie. Zwei Duzfreunde als Ermittler in Münster – wo kämen wir dahin? Ginge ja der ganze Witz flöten. Oder zumindest das, was nach nunmehr 20. Folgen Tatort in Münster davon übrig geblieben ist.
Bestes Zitat: «Das Geschlecht entsteht nicht zwischen den Beinen, sondern den Ohren.» (Boerne erklärt Thiel das Phänomen Intersexualität.)
Titel: Tatort - Zwischen den Ohren
Regie: Franziska Meletzky
Darsteller: Axel Prahl, Jan-Josef Liefers, Christine Urspruch, Friederike Kempter und andere
Sendetermin: Sonntag, 18. September 2011, 20.15 Uhr, Das Erste
ich will mich hier auch so manchem dankenswerten Kommentar anschließen, der diesen Tatort verteidigt. Es ist eben in der deutschen Film und Fernseh- "Kultur" immer noch nicht richtig angekommen, dass es im Medium mit den laufenden Bildern eigentlich überhaupt NIE um die Inhalte geht, sondern um Kurzweiligkeit und das Bilderlebnis! Das haben manche Naturfilmer (läuft jetzt eine schöne Reihe i. ARD) echt besser begriffen als die Presse, die immer noch vom sozialkritischen Stil der 70er Jahre betört ist: Inhalte gut, Film eine Katastrophe = 6 setzen, Thema verfehlt.
jetzt antwortenKommentar meldenSorry, leider hast Du offenbar keinen Schimmer, was ein "roter Faden" ist. Die Fußball-Nummer ist ein klassischer Fall von Running Gag. Und dass die Zufälle dem Münster-Tatort nix tun, wie du schreibst, glaubste ja selber nicht. Jeden anderen Tatort würde man dafür in der Luft zerreißen. Nur den aus Münster nicht. Komisch, oder!?
jetzt antwortenKommentar meldenDer Autor des Artikels hat wohl manches nicht so recht verstanden. Z. B. sollte das mit dem Fussballspiel und auch das Pulliausziehen vielleicht kein Running Gag sein, sondern ein roter Faden. Für die genaue Analyse eines Themas wie Intersexualität sind andere Formate da. Wie der Autor sich eine ernsthaftere Auseinandersetzung vorstellt, dazu schweigt er ja auch. Boerne muss so selbstverliebt sein, um den Gegensatz zu Thiel zu zeigen. Die Zufälle - Vater fischt die Leiche, alte Schulfreundin - sind zwar oft sehr zufällig, auch wenn Münster klein ist, aber das tut dem Münster Tatort nix!
jetzt antwortenKommentar meldenAch, fühlen sich die Münster-Fans auf den Schlips getreten. Ums gleich zu sagen: Bin eigentlich auch ein Fan von Boerne und Thiel, beobachte aber auch, dass die Fälle immer schlechter werden. Das gestern war bisher der Tiefpunkt. Schlechte Witzchen und Klamauk, wie der Autor schreibt. Das hat mit Krimi nix mehr zu tun. Endlich mal jemand, der nicht alles hoch schreibt, nur weil die Quote stimmt! Und wer im Forum mit persönlichen Beleidigungen agitiert, muss wirklich ein ganz armes Würstchen sein.
jetzt antwortenKommentar meldenSo einen dämlichen Tatort hab ich ja schon lange nicht mehr gesehen
jetzt antwortenKommentar meldenDieser idiotische Schreiberling hat wirklich keine Ahnung! Er bekommt wohl noch Geld, für diesen Mist, den er schreibt. Er sollte sich ein Beispiel an Prof. Boerne nehmen:-). Es ist herrlich, diesem ungleichen Paar Boerne & Thiel zuzuhören. Selten so gelacht. Diese sarkastischen Wortspiele von Prof. Börne sind unschlagbar. Der Münsteraner Tatort ist richtig spritzig! Mal eine ganz andere Art von Tatort. Die Anzahl der Zuschauer zeigt es und ich lasse es mir auch nicht nehmen diesen Tatort weiterhin anzuschauen! Ich freue mich schon auf den nächsten Münsteraner Tatort.
jetzt antwortenKommentar meldenDer Tatort aus Münster ist Kult!!! Es ist schon ziemlich arm von dem Schlauberger uns die Vorfreude nehmen zu wollen. Aber vielleicht gehört er ja zu den Menschen die immer was zu meckern haben, aber selber nichts auf die Reihe bekommen.
jetzt antwortenKommentar meldenDas ist doch boshaft diese Schmiererei . Schon die Bemerkungen" (wer will das wissen?) " und ähnliche sind doch dämlich. Wir natürlich, die Sonntag abend fern sehen um uns zu entspannen und keine Lehrfilme ansehen wollen. Nun wisst ihr Bescheid ihr Schreiberlinge. Der Volker
jetzt antwortenKommentar meldenDas ist das Schöne an der Demokratie: Man muss nicht immer mit allen einer Meinung sein (ist das eigentlich der Neid von Schreiberlingen, weil man(n) nicht so viele Leser hat wie das Münsteraner Ermittlerduo Zuschauer?) ... Kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Der Münsteraner Tatort ist überhaupt der einzige Tatort, den ich mir noch anschaue! In einem Krimi am Abend will ich weder tiefgründige Psychoanalysen noch ausschweifende Sozialdiskussionen - da will ich nur Entspannung durch Spannung in leicht verdaulicher, amüsanter Dosierung, und das schaffen Liefers und Prahl meisterlich :-)
jetzt antwortenKommentar meldenBezahlt ihr euren Autoren hier eigentlich Geld?
jetzt antwortenKommentar meldenDer Tatort aus Münster ist Kult. Auch wenn die Handlungen manchmal nicht so prall sind, die Darsteller sind es immer. Der Wortwitz ist einfach genial, das macht diesen Tatort doch aus. Da können andere Tatorte nicht mitziehen, wenn Handlung und Darstellung öde ist!
jetzt antwortenKommentar meldenkann die kritik nicht nachvollziehen. krimiunterhaltung soll entspannen, witzig sein, und nicht immer wieder a la münchner tatort sozialkritisch, und vermeindlichen anspruch auf niveau haben....
jetzt antwortenKommentar meldenDen Tatort schon zu zerreißen, bevor er überhaupt im TV gelaufen ist, nimmt jedem Fan die Vorfreude auf einen neuen Münsteraner Fall! Außerdem geht es bei Boerne und Thiel selten um den Fall, sondern viel mehr um das Geplänkel zwischen den beiden! Wenn Herr Köberlein davon genervt ist, bleibt es ihm überlassen, den Fernseher einfach auszuschalten. Aber er soll nicht versuchen, den Fans dieses Duo nicht madig zu machen! Fast 12 Mio. Zuschauer können sich nicht irren!!!
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