Eva Mattes Das «Urvieh» aus dem Bodensee-«Tatort»

Sie galt als Kultfigur des neuen deutschen Films, glänzte auf den großen Bühnen dieser Republik und geht als Kommissarin Klara Blum für den Tatort auf Verbrecherjagd. Jetzt legt Eva Mattes ihre Erinnerungen vor. 

Sie war pummelig und hatte einen Sprachfehler. Trotzdem bekam Eva Mattes schon mit zwölf ihren ersten Auftritt im Theater. Seither hat sich die heute 56-Jährige in mehr als 200 Rollen als eine der wichtigsten und vielseitigsten deutschen Schauspielerinnen profiliert. Ihre bekannteste ist die der Kommissarin Klara Blum im Bodensee-Tatort. Jetzt legt Eva Mattes ihre Erinnerungen vor.

Der etwas sperrige Titel Wir können nicht alle wie Berta sein sollte keinen falschen Eindruck erwecken: Es ist ein schnörkelloses, fast poetisch geschriebenes Buch, das nicht nur Einblick gibt in das wechselvolle Leben einer starken Frau, sondern auch viel über die deutsche Film- und Theaterszene erzählt: Rainer Werner Fassbinder, Peter Zadek und Werner Herzog gehören zu den wichtigsten Wegbegleitern.

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«Manchmal habe ich schon gedacht: Mein Gott, das ist ganz schön offen, was du da schreibst», sagt die in Berlin lebende Mattes. «Aber jetzt ist es aus mir raus und das kann ja auch etwas Entlastendes sein.» Vier Jahre lang hat sie an dem Buch gearbeitet, jeden Urlaub fünf Stunden am Tag. «Anfangs war es ganz leicht, das hinzuschreiben. An die Kindheit hat man sich ja eh schon immer erinnert. Aber je näher ich an die Jetzt-Zeit kam, umso bockiger wurde das alles in mir.»

Die braucht keine Schule

Wie ein roter Faden zieht sich die unbedingte Leidenschaft für die Arbeit durch das Buch. Das gesellige Leben ihrer Mutter, der geschiedenen Schauspielerin und Tänzerin Margit Symo, weckt in der kleinen «Evi» schon früh die Sehnsucht, in andere Rollen zu schlüpfen, «viele Leben zu leben», wie sie schreibt. «Meine Eltern sagten oft, die braucht keine Schule, die wird sowieso Schauspielerin.»

Nach ihrem ersten Auftritt mit zwölf an der Kleinen Komödie in München arbeitet sie als Synchronsprecherin beim Fernsehen: In 250 Folgen der Kinderserie Lassie leiht sie dem Jungen Timmy ihre Stimme. Ihren Durchbruch hat sie mit 15 in Michael Verhoevens Anti-Vietnamfilm o.k., der bei der Berlinale 1970 einen Skandal auslöst und Mattes den ersten von fünf Bundesfilmpreisen einbringt. «Keine Schönheit, aber ein schauspielerisches Urvieh», urteilte ein Kritiker damals.

Es folgen Filme wie WildwechselDie bitteren Tränen der Petra von Kant und Deutschland, bleiche Mutter. Daneben feiert Mattes am Theater - zunächst vor allem in Hamburg - Triumphe. Aber der frühe Ruhm hat auch seinen Preis. Ohne ihre Mutter und Schwester in München fühlt sie sich oft einsam, verfällt in Depressionen und leidet unter Fressattacken. Nur die Arbeit hält sie am Laufen - und ihr ständiges Verliebtsein, in das sie bei jedem Dreh unweigerlich verfällt. «Ich brauche diese Aufmerksamkeit der Männer, ich genieße das», sagt sie. Der eigene Vater, der Wiener Dirigent Willy Mattes, war aus dem Haus, als sie drei war.

Unglückliche Liebe

Besonders anrührend ist in dem Buch ihr Verhältnis mit Regisseur Werner Herzog beschrieben. «Ich wollte ihn retten, heilen, glücklich machen und war von dem Moment an selbst verloren.» Als sie 1980 ihr erstes Kind - Tochter Hanna - von ihm bekommt, ist er schon fast wieder aus aus ihrem Leben verschwunden. Sie braucht Jahre, um sich von dem Verlust zu erholen.

Seit 1988 ist sie mit dem österreichischen Künstler Wolfgang Georgsdorf zusammen. Der Sohn Josef stammt von ihm. «Eva, wer ist eigentlich meine Mama?», wird der Junge später einmal fragen, weil er seine viel arbeitende Mutter nur als «Eva» kennt. Trotzdem hat sie zu beiden Kindern ein inniges Verhältnis, wie sie sagt.

Den Titel Wir können nicht alle wie Berta sein hat Eva Mattes Henrik Ibsens Drama Die Wildente entlehnt. Berta gibt es nicht wirklich, über sie wird nur gesprochen. Sie gilt als Beispiel für jemanden, der sein Leben meistert. Kein schlechtes Bild für Eva Mattes.

Titel: Wir können nicht alle wie Berta sein
Autorin: Eva Mattes
Seiten: 416
Verlag: Ullstein
Preis: rund 20 Euro
Veröffentlichungstermin: 16. September 2011

car/news.de/dpa

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